Reitsport: Mit der Liebe zum Pferd – 80 Jahre PfingstTurnier Wiesbaden

Voll Energie und Vorfreude in Richtung 80. Internationales Wiesbadener PfingstTurnier: der Vorstand des WRFC und seine Gäste Rüdiger Schwarz (Parcourschef Vielseitigkeit) und Jörg Oppermann (Springreiter). (Foto: WRFC/Friedericke Stritter-Arnds)

Anneliese von Oppenheim gewann auf Zigeuner das Amazonenspringen der Klasse M im Damensattel, Prinz Christoph von Hessen siegte mit Tantris in der M-Dressur. Insgesamt standen sechs öffentliche Prüfungen auf dem Programm, allesamt wurden am Sonntag, den 2. Juni 1929, auf dem Sportplatz Kleinfeldchen ausgetragen. Das waren die Anfänge des Internationalen Wiesbadener PfingstTurniers. 2016 feiert es seinen 80. Geburtstag.

100 Nennungen von Reitern aus Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt übertrafen bei der Turnierpremiere 1929 die Erwartungen. Auch finanziell war diese Erstauflage ein ‚glattes’ Ereignis: 11.120 RM Ausgaben standen Einnahmen von rund 4.900 RM und Zuschüssen von 6.179 RM gegenüber. Exezllenz Generalleutnant a.D. Günther von Etzel war zufrieden. Er war derzeit der Präsident des ausrichtenden Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs und Leiter des Turniers.

Schon im zweiten Jahr wurde das Turnier verlegt, der Platz in Kleinfeldchen reichte nicht aus. So zog man 1930 auf das Rennbahngelände in Wiesbaden-Erbenheim um. Dieses zweite Turnier ging als „Befreiungsturnier“ in die Geschichte ein, denn erstmals nach dem ersten Weltkrieg durften deutsche Offiziere wieder in Uniform starten. 1931 feiert der Kutschenkorso Premiere – eine Tradition, an der die Wiesbadener bis heute festhalten. Nach zwei Turnieren auf dem Rennbahngelände war wiederum klar: Das Gelände ist dem Andrang nicht gewachsen. 1932 nimmt der WRFC sein neues Turniergelände „Unter den Eichen“ in Besitz. 1934 wird erstmals eine Military-Prüfung ausgeschrieben zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, 1935 gibt es die ersten Wettkämpfe mit Auto und Pferd – die Jump-and-Drive-Prüfungen wurden geboren. Bis 1939, dem letzten Turnier vor dem zweiten Weltkrieg mit 34 Prüfungen, 1.645 Nennungen und 440 Pferden, hat das Internationale Wiesbadener Pfingstturnier hier seine Heimat. 1949 veranstaltete der WRFC das erste Nachkriegs-Turnier auf der Wiese hinter dem Schloss, auf dem heutigen Dressurviereck. Wilhelm Dyckerhoff, der von 1950 bis zu seinem Tode 1987 Präsident des WRFC war, stellte damals bei den amerikanischen Besatzern die Anfrage, ob im Schlosspark ein Reitturnier durchgeführt werden dürfe – und erhielt ein ‚Ja’ als Antwort. Doch auch dieser Platz war bald zu eng, denn die Wiesbadener hatten schon damals ein Ziel: Die Durchführung eines internationalen Reitturniers. Der Park hatte Ausweichmöglichkeiten. 1951 wurde der große Turnierplatz ausgebaut und der Grundstein für den heutigen Springplatz gelegt.

Die internationale Resonanz war überwältigend: Teams aus Amerika, Chile, Spanien, England, Frankreich und Deutschland reisten 1952 in den Schlosspark. 45.000 Zuschauer genossen das pferdesportliche Groß-Ereignis. 1957 waren erstmals die Voltigierer im Schlosspark dabei, 1958 wurde der Große Preis das erste Mal ausgetragen. Der Sieger war Hans Günter Winkler mit der legendären Halla. 1983 wurde die Kür mit Musik im Schlosspark eingeführt und ist bis heute ein Highlight unter Flutlicht geblieben. 1992 übernham die heutige Präsidentin Kristina Dyckerhoff die Leitung des Clubs und feiert in diesem Jahr ihren 25. WRFC-Präsidentinnen-Geburtstag. 1995 erlebte die „Wiesbadener Pferdenacht“ Premiere, 2001 kam die Springsport-Serie Riders Tour als weiterer Höhepunkt hinzu und 2008 kehrt die Vielseitigkeit zurück in den Schlosspark. Seit 2014 wird das PfingstTurnier als Freundschaftsturnier ausgetragen, als German-Qatar-Friendships. All das sind Stationen einer 80-jährigen Geschichte.

Das Turnier hat eine bewegende Geschichte erlebt und bewegende Geschichten geschrieben. All das hat Friedericke Stritter-Arnds in einem Buch zusammengetragen: „80 Jahre Wiesbadener PfingstTurnier“. Auf 180 Seiten tummeln sich Berichte, Erzählungen und Anekdoten, die 80 Jahre PfingstTurnier lebendig werden lassen (erhältlich beim Wiesbadener Reit- und Fahr-Club).

„Wir, die Mitglieder des Vorstandes des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs, fühlen uns neben all unseren aktuellen Aufgaben auch der Tradition und damit all denjenigen verpflichtet“, erklärt die Präsidentin Kristina Dyckerhoff, „die dieses Turnier gegründet und über acht Jahrzehnte hinweg getragen und entwickelt haben. Frauen und Männer, die aus Liebe zum Pferd und dem Pferdesport in stürmischen und turbulenten, in schweren und schicksalsträchtigen Zeiten, nie den Glauben an die Zukunft dieses Internationalen Wiesbadener PfingstTurniers verloren haben.“