Reit- und Springturnier Münchehofe 2011: Münchehofe braucht Hüte

 


Reit- und Springturnier Münchehofe 2011:

 

 

Münchehofe braucht Hüte

 

Münchehofe/MOL (jph) Angemessenes Wetter für ein dressurbetontes Turnier ist Sonne - angemessenes Gelände für ein solches Ereignis findet man in Münchehofe im Landkreis Märkisch-Oderland am Berliner Stadtrand zur Genüge. Es fehlten für diesen ansprechenden, wenn nicht exklusiven Rahmen lediglich die großen Hüte der feinen Damen. Diese wären bei einem solchen Ambiente durchaus angebracht gewesen.

Die Exklusivität beginnt bereits beim Abbiegen von der B1. Die an beiden Seiten hoffnungslos zugeparkte Straße wurde mit großen und mittelgroßen Limousinen und Geländewagen geschmückt. Deutsche Sterne und Ringe zierten allüberall den Turnierparkplatz. Spätestens beim zweiten Blick auf das Turniergelände war klar: Dort musste erstklassige Dressur zu erwarten sein. Und die Erwartungen wurden bereits am Eingang des Parkplatzes erfüllt. Ein sehr freundlicher Herr begrüßte die Ankommenden und Abfahrenden. Ein schöner Einstieg ins Geschehen. Ein Blick über das Gelände reichte aus um festzustellen, dass Münchehofe in Berlin und Brandenburg in jedem Fall ein Zentrum des Dressurturniersports ist.

Weiße Zelte, jede Menge Sitzgelegenheiten, unendlicher Spaß für große und kleine Kinder, Essen und Trinken fernab von Billigbratwurst und Nackensteak: Halbwegs bezahlbare Preise machten den Tag zu einem entspannten Reitporterlebnis. Testsieger wurde die Erdbeerbowle für 3,50 € mit DDR-Strohhalm und Verzierung am Spießer. Leider waren die Stromaggregate der Händler sehr laut und störten etwas die Atmosphäre am Viereck 1, wo die S-Dressuren stattfanden. Grundsätzlich wäre es ja nicht so schlimm gewesen, aber der Boxensound ließ zeitweilig zu wünschen übrig. Die Durchsagen der Ergebnisse waren nur schwer zu verstehen. Diese kleinen Kritikpunkte seien gestattet, denn ansonsten gab es an der Turnier - Location Münchehofe nix auszusetzen.

Einen wichtigen Beitrag leistete auch das Wetter. Für leidgeprüfte Dressurreiterinnen im Turnierjacket sind dreißig Grad im Schatten pure Folter, aber für die Zuschauer war es vielleicht der letzte warme Sonntag im Jahr. Und so entstand eine Mischung aus wohligen Temperaturen und gespannter Neugier auf die Leistungen der Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden.

Natürlich blieb das dressurhungrige Publikum stur und geduldig am Viereck 1 stehen, wenn eine S-Dressur angesagt war. Und davon gab es immerhin zwei an diesem Wochenende. Da sich die Zahl der ausgeschriebenen S-Dressuren in Berlin und Brandenburg in Grenzen hält, war das Interesse enorm groß. Alle anderen Prüfungen, die zeitgleich liefen, fanden fast unbeachtet statt. Das ist zwar schade, aber verständlich.

Bereits am Samstag fand der Prix St. Georges – eine Dressurprüfung der Klasse S*, statt. Die erste Abteilung der Teilnehmer bis 23 Jahre gewann souverän die Dressur - Königin des Tages Patricia Munz auf Lapislazuli vom RFZV Otto Lilienthal (767). Sie belegte auch den außerordentlich bemerkenswerten dritten Platz (744). Den zweiten Platz erkämpfte sich Pia-Katharina Voigtländer auf Royal Rubin vom RV Eichkamp (748). Die drei sehr guten Leistungen waren optisch nicht voneinander zu unterscheiden.

Die 2. Abteilung des Prix St. Georges war den Jahrgängen 1977 und älter vorbehalten. Und auch wenn eine Einteilung in zwei Abteilungen immer schwierig ist, so kann eine Unterscheidung nach dem Alter zumindest als stillos und einem Turnier dieser Bedeutung nach als nicht angemessen bezeichnet werden. Ulf Ebner gewann diese Abteilung mit Fürst Lewitz unter dem Sattel (750). Dicht dahinter folgte Alexandra Haupt auf Rio Negro (740) vor Daniela Groenke auf Farina (733). Gabriela Lyck-Piehl auf Lanzelot und Kerstin Hillberg auf Asahi San waren von der Flutlichtdressur in Hönow am Abend davor wohl noch etwas ausgepowert, sonst wäre sicher mehr drin gewesen.

Der Sonntag brachte nicht nur mehr Wärme, sondern auch noch bessere Leistungen. Und wenn Patricia Munz mit Lapislazuli am Samstag schon die Krone der Königin erhielt, so wurde sie am Sonntag mit De Luxe zur Kaiserin der S - Dressur (777) für einen Tag. Wiederum knapp dahinter (766) landete Pia-Katharina Voigtländer auf Royla Rubin vor Ulf Ebner auf Fürst Lewitz (757). Patricia Munz musste allerdings die gesamte Konkurrenz bis zur Siegerehrung abwarten, da sie als Erste startete. Nach der Hälfte der Paare wurde zudem eine kleine Pause eingelegt. Die Temperaturen ließen diese Entscheidung schon im Vorfeld erahnen.

Am Ende sahen die Wettbewerbe weit mehr als eintausend Zuschauer, die alles geboten bekamen, was ein sehr gutes Turnier ausmacht. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr einen kleinen Wettbewerb, in dem der schönste Hut ausgezeichnet wird. Münchehofe ist einer der wenigen Turnierplätze in Berlin und Brandenburg, wo der Einsatz eines solchen Kopfschmuckes angemessen ist. Wer die Dressurreiterei mag oder auch nur den Reitsport in edlem Ambiente, sollte sich Münchehofe im Kalender des nächsten Jahres mit einem dicken, roten Stift ankreuzen. Dann vielleicht mit Hut, einem trockenen Sherry und einer Magnum – Flasche französischem Champagner im Kühler.