Preis der Besten Voltigieren 2014: Brakel siegt bei Warendorf-Premiere

Überraschung bei den Voltigierteams / Miro Rengel und Franziska Wagenhäuser holen Einzel-Siege

Warendorf (fn-press). Das Juniorteam Brakel hat beim Preis der Besten der Voltigierer für eine große Überraschung gesorgt. Die westfälische Mannschaft von Trainerin und Longenführerin Anna Brinkmann setzte sich auf Dachico im Rahmen der Warendorf-Premiere der Pferdeakrobaten gegen die nationale Konkurrenz durch. Bei den Herren siegte der Kölner Miro Rengel souverän. In der Damen-Konkurrenz setzte sich Franziska Wagenhäuser (Münsterschwarzach) an die Spitze.

„Das war auch aus meiner Sicht eine Überraschung“, bestätigte Bundestrainerin Ulla Ramge. Die 51-jährige Nationaltrainerin der Voltigierer wusste, dass die vier angetretenen Mannschaften dicht beisammen liegen würde. Dass die beiden Favoriten der vergangenen Jahre – der VV Ingelsberg (Bayern) und der RSV Neuss-Grimlinghausen (Rheinland) – am Ende nur auf den Plätzen vier und drei landen würden, durfte jedoch durchaus als kleine Sensation angesehen werden. „So etwas ist im Juniorenbereich ja durchaus üblich“, schätzte Disziplin-Trainer Kai Vorberg ein und lobte die Mannschaft aus Brakel, die in der ehrwürdigen DOKR-Springhalle zu den Füßen von Halla mit 7,326 Punkten nach drei Durchgängen (einmal Pflicht, zweimal Kür) für eine Wachablösung an der deutschen U18-Spitze sorgte. Mit der Kürinterpretation zu „Die Tribute von Panem“ überzeugten die Westfalen das vierköpfige Richtergespann. Das Team hat verdient gewonnen“, sagte Ramge. „Erkennbares Thema, Ansätze von Musikinterpretation, ein sehr gutes und gleichmäßig galoppierendes Pferd. Das war eine runde Sache“, analysierte die kritische Warendorferin mit Blick auf die aktuell wichtigsten internationalen Anforderungen. „Die Mannschaft ist sehr ausgeglichen, was sich damit auch positiv auf die Kürgestaltung ausgewirkt hat“, ergänzte Vorberg. „Um auf internationaler Bühne ganz vorne mitvoltigieren zu können, ist allerdings noch eine Steigerung nötig“, erklärten Ramge und Vorberg, die im Laufe der Woche die Nominierungsentscheidung für die Junioren-Europameisterschaften im ungarischen Kaposvár bekanntgeben wollen.

Platz zwei sicherte sich das Juniorteam VFZ-Mainz-Ebersheim (Rheinland-Pfalz), das auf Celebration (Longenführerin: Alexandra Dietrich) mit 7,206 Zählern auf Rang zwei landete. Neuss-Grimlinghausen, der Junioren-Europameister aus den Jahren 2012 und 2013, musste kurzfristig auf das Ersatzpferd Auxerre umsteigen und verbuchte schließlich 7,122 Zähler. Der VV Ingelsberg musste seine finale Darbietung auf Feliciano nach einem Sturz abbrechen.

Bei den Einzelvoltigierern werden die Tickets zum diesjährigen U18-Championat noch nicht vergeben. Sowohl bei den Damen als auch bei den Herren wird es vorerst eine Longlist geben. Gute Chancen hat aktuell vor allem Miro Rengel. Der junge Mann vom Voltigierverein Köln-Dünnwald siegte mit Flash Back (Longenführerin: Alexandra Knauf) trotz eines Sturzes in seiner ersten Kür mit 7,288 Punkten vor Tom Vollmer vom Landesverband Hannover (6,765) und Tim Andrich aus Berlin-Brandenburg (6,526). „Miro hat ein überzeugendes Programm gezeigt, muss seine Leistung aber noch festigen“, sagte Ramge. Bei den anderen männlichen Vertretern habe sie im Vergleich zu den Winterlehrgängen deutlich Fortschritte gesehen. „Da muss aber noch mehr kommen, um in einem internationalen Starterfeld bestehen zu können“, verdeutlichte Ramge. „Es hat sich in der letzten Kür schon ganz gut angefühlt. Ich weiß aber, dass ich noch Luft nach oben habe und werde versuchen, meine Programme noch weiter zu perfektionieren“, kommentierte Miro Rengel, der sich in dieser Saison mit kreativen Übergängen und erfrischender Dynamik vom Rest der Konkurrenz abheben kann. Der 18-Jährige gilt deshalb in seinem abschließenden Junior-Jahr als größte deutsche Hoffnung auf eine EM-Medaille.

Bei den Damen machte Franziska Wagenhäuser das Rennen auf Robbie Naish, longiert von Annette Müller-Kaler. Die 16-Jährige kam vor allem dank einer starken letzten Kür auf 7,516 Punkte und verwies damit die bis dato führende Chiara Congia (Rheinland-Pfalz) mit Celebration und Longenführerin Alexandra Dietrich auf Platz zwei (7,451). Rang drei sicherte sich Maya Eisenbarth vom Landesverband Bayern, die auf Donatelli (Longenführerin: Julia Handel) auf 7,323 Zähler kam. „Franziska hat mich im Finale endlich überzeugen können. Sie ist damit auf einem guten Weg“, schätzte Ramge ein. Auch mit den anderen Starterinnen war die Bundestrainerin zufrieden. „Wir haben sehr guten Nachwuchs und viele jüngere Voltigiererinnen, denen die Zukunft gehört.“ Mit den Wertnoten der bestplatzierten Teilnehmerinnen war sie jedoch nicht zu einhundert Prozent zufrieden und machte kein Geheimnis aus ihren Analysen. Ramge: „Ich mache mir Gedanken über die Noten an der Spitze, denn das Niveau war schon mal deutlich höher.“

Zur Siegerehrung verdeutlichte die Bundestrainerin in einer offiziellen Ansprache den großen und wichtigen Schritt, den die Disziplin Voltigieren mit der Integration in den „Preis der Besten“ in Warendorf gemacht habe. „Das war ein Meilenstein für das Voltigieren“, sagte Ramge.