Preis der Besten Springen und Dressur Warendorf 2016: Favoritensiege bei den Junioren und Jungen Reitern

Semmieke Rothenberger, Jil-Marielle Becks, Christoph Maack und Theresa Ripke sind die "Besten" ihrer Altersklassen

Warendorf (fn-press). „Der Preis der Besten ist wie eine Meisterschaft und das gleich zu Beginn der Saison." So wie Theresa Ripke, frisch gebackene Gewinnerin des Preises der Besten der Jungen Reiter im Springen, sehen viele der Teilnehmer den Start in Warendorf. Nach den Ponyreitern ermittelten am Nachmittag die Junioren und Jungen Reiter in den Disziplinen Dressur und Springen ihre „Besten“ auf dem Gelände des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR).

„Geisha hat schon im Hagel beim Turnier in Wiesbaden ihre Nervenstärke bewiesen. Und auch hier beim Preis der Besten bin ich super zufrieden mit ihr. Sie bügelt auch öfter mal meine Fehler aus“, gab Semmieke Rothenberger (16, Bad Homburg) nach ihrem Sieg im Preis der Besten der Junioren Dressur zu Protokoll und lobte vor allem den Top-Charakter ihrer Sportpartnerin. Mit der 14-jährigen Rappstute von Gribaldi gewann die Hessin wie im Vorjahr beide Wertungsprüfungen (75,189 und 75,263 Prozent). Mit ihrem zweiten Pferd Dissertation v. Don Crusador wurde sie insgesamt Dritte hinter Hannah Erbe (17, Krefeld) mit dem neunjährigen Carlos, die in den Prüfungen „Semmie“ jeweils knapp auf den Fersen war (75,000 und 74,737 Prozent). “Semmieke hat mit ihren beiden Rappstuten an beiden Tage jeweils ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Sie kommt aus einer gewachsenen Reiterfamilie, die ihre Kinder in jeder Hinsicht perfekt unterstützen. Schon im Ponylager hat Semmieke diese konstant guten Leistungen abgeliefert“, sagte Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, der insgesamt über das „sehr stark besetzte Junioren-Feld“ begeistert war.

Auch die Silbermedaillengewinnerin aus dem Rheinland, Hannah Erbe, heimste viel Lob vom Bundestrainer ein: „Hannah hat ihren Leistungsstand noch weiter ausgebaut. Das Paar zeigt nun mehr Leichtigkeit im Viereck und kann mit Druck viel besser umgehen als im letzten Jahr. Carlos präsentierte sich in Warendorf mit viel Ausdruck und Dynamik.“ Die Bronzemedaille ging wie im Vorjahr nach Weser-Ems an Alexa Westendarp (18, Wallenhorst) mit Der Prinz. Sie behauptete sich in beiden Wertungsprüfungen jeweils auf dem vierten Rang und knackte beide Male die 70-Prozent-Marke (70,973 und 71,289 Prozent). „Alexa ist ein sehr fleißige und stille Reiterin, die vor allem ein perfektes Lektionsreiten zeigt“, urteilte Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. Sein Fazit: „Ich habe außerdem noch einige aufstrebende neue Paare im Viereck gesehen, die einen wirklich viel versprechenden Eindruck hinterlassen haben. Wir werden sehen, welche Junioren sich in Hagen bei der zweiten Euro-Sichtung in ihren gezeigten Leistungen bestätigen.“

Geglückte Titelverteidigung

Im Vorjahr hatte die Westfälin Jil-Marielle Becks (18, Senden) noch mit dem Ausnahme-Hengst Damon Hill NRW den Preis der Besten der Jungen Reiter gewonnen und sich bereits in die Altersklasse der Jungen Reiter hochstufen lassen. Dieses Jahr wiederholte sie die Leistung mit dem erst achtjährigen Damon Hill-Sohn Damon’s Satelite. Platz zwei in der Qualfikation (73,289 Prozent) und Platz eins im Finale (75,605 Prozent) reichten in der Endabrechnung für die Goldmedaille. „Damon’s Satelite hat heute einfach alles gegeben. Seine Einstellung ist unbeschreiblich, und das Vertrauen zwischen uns mit der Turnier-Routine dieses Jahr stark gewachsen. Man könnte auch sagen, dass er mein bester Freund ist“, strahlte die Schülerin. „Schon als er drei war, saß ich das erste Mal im Sattel, und seit Ende vierjährig reite ich ihn regelmäßig." Hans-Heinrich Meyer zu Strohen war zufrieden mit der Leistungssteigerung am zweiten Tag: „Das war heute wirklich optimal und noch viel gefestigter in den Lektionen. Die Grundgangarten des Pferdes lassen keine Wünsche offen.“ Die Rheinländerin Anna-Christina Abbelen (19, Kempen) hatte mit Fürst on Tour und First Lady gleich zwei Pferde in Warendorf gesattelt. Mit dem Fürst Heinrich-Sohn Fürst on Tour (11) gewann sie die erste Wertung (73,974 Prozent) und wurde Zweite im Finale (73,553 Prozent). Das reichte für Silber mit dem Hengst und Platz drei mit der zehnjährigen Florencio I-Tochter First Lady (72,527 und 70,000). „Anna-Christina beweist eine sehr konstante Form und ist auf beide Pferde von ihrem Trainer Heiner Schiergen bestens abgestimmt worden. Ich hoffe, dass es so stabil weitergeht“, so der Bundestrainer.

Mit jeweils zwei fünften Plätzen reichte es für die 20-jährige Leonie Richter aus Bad Essen in Weser-Ems mit Babylon v. Belissimo M (10) für die Bronze-Medaille (70,684 und 69,184 Prozent). „Auch Leonie kommt aus einer Reiterfamilie, in der sehr viel Wert auf die Ausbildung gelegt wird. Sie hat es geschafft, Babylon hier geschickt auf den Punkt zu bringen und das reiterlich wirklich gut gelöst.“ In der Qualifikation hatte noch Claire-Luise Averkorn (Westfalen) mit Condio B an vierter Stelle gelegen (71,342 Prozent), ritt im Finale aber auf Platz elf. „Hier spielt natürlich auch die Anspannung der Reiter eine große Rolle. Ich bin aber insgesamt zufrieden mit dem Junge-Reiter-Feld, denn fast alle haben sich noch steigern können. Ganz klar ist aber, dass wir zur Zeit einen noch stärkeren Junioren-Jahrgang haben“, bilanzierte Hans-Heinrich Meyer zu Strohen.

Zweiter Sieg für Preis-der-Besten-Sieg für Theresa Ripke

Ebenfalls ihren zweiten Sieg beim Preis der Besten konnten auch Theresa Ripke aus Steinfeld in Schleswig-Holstein und ihr Holsteiner Calmado verbuchen. „Calmado ist mein bester Freund!“ Die 19-jährige Theresa Ripke strahlte über das ganze Gesicht. Zwei Mal (2014 und 2015) gewann das Paar die Deutsche Junioren-Meisterschaft, war 2015 Mannschafts-Europameister und war 2014 als Juniorin Siegerin beim Preis der Besten. In diesem Jahr erstmals bei den Jungen Reitern am Start, lief es von Anfang an perfekt: Sieg in der ersten Wertung, Platz zwei in der zweiten Wertung. Hier musste die Steinfelderin, die gerade auch ihr Abitur abgelegt hat, nur ihrem Verbandskollegen Jesse Luther (Wittmoldt) den Vortritt lassen. Mit dem Holsteiner Schimmel Clearwater (v. Clearway) war der 19-jährige amtierende Deutsche Meister der Junioren im Stechen blitzschnell und nahm Theresa Ripke und Calmado nochmal knapp fünf Sekunden ab. Auch die erste Wertungsprüfung hatten Luther und sein Schimmel mit einer makellosen Runde beendet (Platz sieben). Komplettiert wurde der Erfolg von Schleswig-Holstein durch die Bronzemedaille für den zweifachen Deutschen Meister der Junioren, Philipp Koch und seinen Holsteiner Wallach Cracker Jack (v. Caretino).

Es war ein ausgesprochen anspruchsvoller Parcours, den Parcourschef Peter Schumacher den 38 Jungen Reiterinnen und Reitern in den Weg gestellt hatte.14 Nullrunden hatte es in der ersten Wertung gegeben, in der zweiten Prüfung auf Drei-Sterne-Niveau gelang erst dem 22. Starter eine fehlerfreie Runde: Mit dem Ritt von Lokalmatador Jan Andre Schulze Niehues aus Freckenhorst mit Benedikt schien das Eis gebrochen, neben Ripke, Luther und Koch blieb auch Daniel Böttcher (Fraunberg/Bayern) fehlerfrei. „Fünf fehlerfreie Ritte bei einem so anspruchsvollen Parcours“ – der zuständige Bundestrainer Markus Merschformann (Sendenhorst) war zufrieden und ist sich sicher: „Wir müssen uns vor den anderen Nationen nicht verstecken. Natürlich sind die Anforderungen hier beim Preis der Besten sehr hoch. Aber zum einen ist er eine Sichtung für die Europameisterschaften und zum anderen können sich Paare nur dann beweisen und zusammen wachsen, wenn wir sie fordern.“ Begonnen hatte die zweite Wertung der Jungen Reiter mit einer Schrecksekunde: Die Holsteinerin Johanna Huesmann stürzte gegen Ende des Parcours mit ihrem Pferd King Clooney und blieb zunächst liegen. Doch die junge Amazone hatte Glück im Unglück und konnte im Verlauf der Prüfung noch mit ihrem zweiten Pferd an den Start gehen.

Mecklenburger Paar siegt bei den Junioren

Der beste Springreiter der Junioren kommt in diesem Jahr aus Mecklenburg-Vorpommern. Beim Preis der Besten in Warendorf siegte Christoph Maack mit Dyleen vor Justine Tebbel (Weser-Ems) mit Casa Ciara und Marie Ligges (Westfalen) im Sattel von Cassandra L. Für den 17-jährigen aus Kirch-Mummendorf war der Sieg eine kleine Überraschung. „Nein, damit habe ich nicht gerechnet“, gab er unumwunden zu. „Ich hatte zwar das Ziel, hier gut zu sein, aber die Anforderungen sind sehr hoch und die Konkurrenz ist stark“. Der Gymnasiast, der nach dem Abitur erstmal studieren, dann aber das Reiten zum Beruf machen will, saß einmal mehr im Sattel der Mecklenburger D’Olympic-Tochter Dyleen. Vor etwa vier Jahren hat er mit der Fuchsstute sein allererstes M-Springen bestritten und 2015 beim Preis der Besten ebenfalls das Finalspringen auf Zwei-Sterne-Niveau gewonnen. Damals war er Fünfter der Gesamtwertung. In diesem Jahr verlief mit Platz vier in der ersten Wertung schon der Auftakt nach Maß und so konnte er sich als Sieger feiern lassen.

Nach Platz drei in 2015 belegte Justine Tebbel aus Emsbüren in diesem Jahr den Silberrang. Die vierfache Preis der Besten-Siegerin der Ponyreiter gewann mit der westfälischen Stute Casa Ciara (v. Coupe de Coeur) das Auftaktspringen (S*) und blieb auch im Umlauf der zweiten Wertung fehlerfrei. Als erste Teilnehmerin am Stechen leistete sie sich dann aber gleich am ersten Sprung einen Abwurf und belegte hinter Christoph Maack und Beeke Carstensen (Sollwitt/Schleswig-Holstein) Platz drei in diesem Zwei-Sterne-Springen. Pechvogel des Tages war Marie Ligges aus Ascheberg: Die 17-Jährige und ihre zwölfjährige in Westfalen gezogene Cornet Obolensky-Tochter Cassandra L hatten sich über die beiden Prüfungstage mit Null-Fehler-Runden bestens präsentiert, sie kam im Stechen aber nach einem Stopp ihrer Stute an Sprung zwei aus dem Sattel. In der Gesamtwertung blieb ihren dennoch die Bronze-Medaille. „Bei den Junioren sind wir ebenso wie bei den Jungen Reitern gut aufgestellt“, kommentierte der zuständige Bundestrainer Markus Merschformann (Sendenhorst) die Auftritte seiner Schützlinge. „Der Zwei-Sterne-Kurs war sehr anspruchsvoll und mit 14 Sprüngen auch sehr lang. Die Kaderreiter und die Kandidaten für die Euro haben sich sehr gut präsentiert und ausgesprochen qualitätvolle Ritte gezeigt“.