Preis der Besten Dressur Warendorf 2015: Double für Rothenberger / Premieren-Sieg für Becks

Warendorf (fn-press). Beim Preis der Besten, dem wichtigsten Nachwuchsturnier neben den Deutschen Meisterschaften, wurden in der Dressur die Karten neu gemischt. Als mehr als beständig erwies sich allerdings die 15-jährige Semmieke Rothenberger aus Bad Homburg, der in diesem Jahr das Kunststück gelang, nicht nur Titel bei den Ponyreitern, sondern auch bei den Junioren zu erobern. Prominenteste Newcomer waren der Hengst Damon Hill NRW und seine Reiterin Jil-Marielle Becks, die ihren ersten Start in Warendorf einen Sieg verwandeln konnten.

Wie schon 2014 hat die amtierende Triple-Europameisterin der Ponyreiter, Semmieke Rothenberger doppelt vorgesorgt und erneut zwei Ponys für ihre Titelverteidigung im Preis der Besten gesattelt. Mit dem routinierten Dornik B-Sohn Deinhard B (16) war das eine ganz sichere Sache. Bereits in der ersten Wertungsprüfung hielt die Zehntklässlerin ihre Verfolgerinnen mit 79,188 Prozent gehörig auf Abstand und rangierte mit Zweitpferd Paso Double, einer neunjährigen niederländisch gezogenen Reitponystute, in der Endabrechnung zusätzlich auf Platz vier. Im Finale sahen alle Richter das Nachwuchstalent mit Deinhard B erneut ganz vorne (77,114 Prozent). Das sollte die erste schwarz-rot-goldene Schärpe für die Hessin an diesem Tag sein und ihr insgesamt vierter Preis-der-Besten-Erfolg in Folge. Bereits zwanzig Minuten später gab es für ihren Ritt mit der Gribaldi-Tochter Geisha bei den Junioren Schärpe Nummer zwei aus den Händen von Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen: „Das war nicht mein Plan, aber natürlich mein Traum“, strahlte die doppelt vergoldete Semmieke Rothenberger. „Deinhard B ist einfach fantastisch in Schuss, sehr elastisch und athletisch. Diese Paar präsentiert sich außerordentlich gut im letzten gemeinsamen Ponyjahr“, zog Bundestrainerin Cornelia Endres ihr Fazit zu den Ritten.

Silber ging an Semmieke Rothenbergers ebenfalls 15-jährige Cousine Nadine Krause (Bad-Homburg) mit Danilo, die mit dem zwölfjährigen hessisch gezogenen Hengst zwei Top-Ritte über 75 Prozent aufs Viereck zauberte. Mit ihrem jüngeren Zweitpony Cyrill WE rangierte sie zudem im Gesamtklassement auf dem dritten Rang. „Mit Danilo und Cyrill hat Nadine gleich zwei heiße Eisen im Feuer und stellte sie gewohnt souverän vor“, so die Bundestrainerin zufrieden.

Über Bronze freute sich die 14-jährige Rheinländerin Linda Erbe aus Krefeld, die ebenfalls einen Dornik B-Sohn mit nach Warendorf gebracht hatte und am Ende mit Dujardin B Bronze gewann und mit Carlos in der Junioren-Konkurrenz Platz sieben belegte. Sie konnte ihre Wertung vom Samstag 70,885 Prozent (Platz sieben) am Sonntag nochmal auf 71,463 Prozent (Platz vier) steigern. „Linda und auch ihre Zwillingsschwester Helen, die am Ende mit FS Charly Brown Neunte wurde, machen reiterlich einen ganz tollen Job und bringen zwei frische neue Ponys mit. Die Höhepunkte mit Dujardin B lagen eindeutig in der Galopp-Tour“, sagte Endres. Sie kann aus dem Feld der 25 Starterpaare nun zwölf Talente mit zur Sichtung nach Wiesbaden nehmen und auch bei den Future Champions in Hagen a.T.W. noch einmal die Form überprüfen. „Ich habe erfreulich viele junge Paare mit Perspektive gesehen wie zum Beispiel die erst zwölfjährige Julia Barbian mit ihrem siebenjährigen Pony Der Kleine König, der erfolgreich auf den Bundeschampionat ging und hier auf Platz sieben kam. Das ist natürlich der perfekte Weg in den internationalen Ponysport“, so Endres.

Semmieke Rothenbergers zweiter Streich

„Geisha hat heute supertoll für mich gekämpft. Sie ist nicht nur ein extrem hübsches, sondern auch ein sehr leistungsbereites Pferd. Ich reite sie seit Juli 2014 und hoffe, dass sie für die Saison gesund und fit bleibt. Und ich wünsche mir, dass man aus ihr später einmal schicke Fohlen ziehen kann“, lobte Semmieke Rothenberger ihre 13-jährige Rappstute, mit der sie souverän beide Wertungsprüfungen in der Altersklasse Junioren gewinnen konnte (73,838 und 74, 684 Prozent). „Die Stute ist ein sehr lektionssicheres Pferd mit qualitativ hochwertigen Grundgangarten. Mit ihr setzt Semmieke ihre internationale Siegesserie nahtlos fort“, sagte auch Meyer zu Strohen.

Die Silbermedaille sicherte sich die 16-jährige Rheinländerin Paulina Holzknecht (Solingen) mit dem zwölfjährigen Hannoveraner Wells Fargo, mit dem zuvor Jonas Schmitz-Heinen hocherfolgreich am Start war. In diesem Jahr belegte das Paar bereits Platz drei im Preis der Zukunft Junioren in Münster. Die 70,189 Prozent der ersten Wertungsprüfung des Preis der Besten erwiesen sich im Finale als noch steigerungsfähig (71,500 Prozent, jeweils Platz zwei). „Wells Fargo ist ein routiniertes Pferd mit viel Ausstrahlung, das von Paulina optimal in Szene gesetzt wird. Diese junge Reiterin hat eine große Portion Siegeswillen und begeistert im Viereck mit ihrer positiven und frischen Art“, bilanzierte der Bundestrainer.

Aus dem Landesverband Weser-Ems kommt die 17-jährige Bronzemedaillen-Gewinnerin Alexa Westendarp (Wallenhorst), die mit dem erst achtjährigen Hannoveraner Wallach Der Prinz v. Diamond Hit das jüngste Pferd in der Junioren-Konkurrenz gesattelt hatte. Platz drei in der Qualifikation (70,054 Prozent) und Platz vier im Finale (70,42 Prozent) reichten am Ende für die Medaille. „Alexa war ja schon erfolgreich unterwegs mit anderen Pferden, aber hier hat sich jetzt ein Paar optimal gefunden. Der Prinz ist sehr sicher in der Anlehnung und in den Lektionen. Der Auftritt war fein und geschmeidig, was die Richter ja auch honoriert haben“, lobt Meyer zu Strohen. „Wie immer sind alle Paare am zweiten Tag etwas befreiter und selbstbewusster geritten. Zwölf Paare sichten wir nun in Wiesbaden und acht in Balve, bevor dann endgültig das Team für die Euro nominiert wird.“

Newcomer-Sieg bei den Jungen Reitern

Sie waren als Newcomer mit vielen Vorschuss-Lorbeeren nach Warendorf gekommen: Jil-Marielle Becks (Senden) und Damon Hill NRW. Bei ihren Auftritten beim Preis-der Besten-Sichtungsturnier in Vechta und bei den Horses and Dreams in Hagen heimsten die erst 17-jährige Nachwuchsreiterin und ihr Ausnahmehengst Traumnoten ein. „Wir sind alle glücklich, dass wir dieses Paar im Nachwuchsdressursport haben. Jil-Marielle und Damon Hill harmonierten von Anfang an und bringen eine hervorragende Grundlage für sportliche Perspektiven im Viereck mit. Jils Stärken sind ihre Konzentrationsfähigkeit und das starke Nervenkostüm. Sie hat einen sehr klaren Blick nach vorn“, so der Bundestrainer. Zwar fühlte sich der imposante Fuchshengst im Warendorfer Viereck offenbar nicht ganz so wohl wie bei den ersten gemeinsamen Prüfungen, trotzdem konnte das westfälische Paar die Junge-Reiter-Konkurrenz für sich entscheiden. „Es ist einfach unbeschreiblich, diesen Hengst zu reiten. Er hat so viel Kraft und Gummi, trotzdem ist er immer bei mir und hochkonzentriert. Ich habe sehr großes Vertrauen zu diesem Pferd.“ Jil-Marielle, die sich in die Altersklasse der Jungen Reiter hochstufen ließ, trainiert beim amtierenden Berufsreiterchampion Dressur, Heiner Schiergen, ebenso wie die Triple-Junioren-Europameisterin Anna-Christina Abbelen, die bei ihrer Preis-der-Besten-Premiere als Junge Reiterin Platz vier belegte.

Für ein äußerst knappes Ergebnis sorgte die Zweitplatzierte Bianca Nowag (Ostbevern) mit dem elfjährigen Fidermark-Sohn Fair Play. Die 20-Jährige hatte in der zweiten Wertungsprüfung sogar die Nase vorn. „Bianca ist gestern sicher geritten und heute dazu noch spektakulär. Sie hat bis auf jeden halben Punkt einfach alles herausgeholt“, lobte Meyer zu Strohen. „Ich bin super happy, habe alles gegeben und es ist gelungen“, brachte es Bianca auf den Punkt.

Über die Bronzemedaille freute sich die Preis-der-Zukunft-Siegerin der Jungen Reiter, Claire-Louise Averkorn (20, Nottuln) mit Condio, die somit das westfälische Medaillen-Trio komplettierte. Mit zwei dritten Plätzen (70,632 und 71,421 Prozent) war Bronze somit eine klare Sache. „Auf die Hannoveraner ist Verlass“, scherzte die Westfälin bei der Siegerehrung und lobte ihren Contendro I-Sohn ausgiebig. „Claire hat ihre Routine voll ausgespielt und ist im Finale noch deutlicher nach vorne geritten. Das war gleichzeitig präzise und harmonisch“, kommentierte der Bundestrainer. „Wir haben insgesamt tolle Ritte mit deutlichen Steigerungen am Sonntag gesehen. Da sind sehr talentierte Paare dabei, die eine gute Substanz für unser Leistungssportkonzept bilden. Auch bei den Jungen Reitern treten zwölf nominierte Paare den weiteren Sichtungsweg in Richtung Europameisterschaften in Wiesbaden an.“