Potsdam sucht Elias: Reiter helfen mit

Der sechsjährige Elias verschwand am Mittwoch gegen 17.00 Uhr von einem Spielplatz im Potsdamer Stadtteil Schlaatz. Noch am gleichen Tag begann die Suche nach dem vermissten Kind. Bis zu eintausend Menschen waren in diese Aktion involviert oder sind es noch immer. Die Einsatzzentrale befindet sich im Bürgerhaus in Schlaatz. Dort werden rund um die Uhr Pläne gemacht, wie man bei der Suche vorgehen könnte. Hilfe von der Polizei gibt es nur ansatzweise. Auch Freiwillige Feuerwehren, THW, DLRG oder andere Einrichtungen wurden bis jetzt nicht hinzugezogen.

Den Potsdamern reicht das Engagement der Polizei nicht aus und so suchen sie mit Menschenverstand und viel Leidenschaft nach eigenen Wegen, um die Suche zu beschleunigen.

Zu dem Gebiet, auf das sich die Aktivitäten momentan konzentrieren, gehört auch das Waldstück Ravensberge östlich der B 2. Das etwa 400 Hektar große Areal wurde schon zu Teilen durchsucht. Bisher wurden keine Anhaltspunkte oder Auffälligkeiten festgestellt.

Das Einsatzzentrum im Bürgerhaus hatte nun eine Idee, wie man vielleicht schneller und effektiver die Suche in dem Gebiet durchführen könnte. Kurzerhand wurde ein Aufruf gestartet, in dem die Reiter der Umgebung gebeten wurden, sich an der Suche nach Elias zu beteiligen. Einsatzleiterin ist Marie Christin Ultech. Die junge Dame ist mit den kurzen, roten Haaren und der leuchtend grünen Warnweste nicht zu übersehen. Sie hat den Hut auf, verteilt Karten, legt Gebiete fest und hält Kontakt zur Zentrale und den Reitern.

Gestern waren es leider nur zwei Reiter, die dem Aufruf gefolgt sind. Heute kamen immerhin vier Damen, die sich mit ihren Pferden auf den Weg in den Wald machten. „Im Idealfall hätten wir zwanzig Reiter mit Pferden, die das Gebiet durchstreifen könnten, dann wären wir ein ganzes Stück weiter“, erklärt Marie die Situation.

Neben den vier Helfern zu Huf kamen weitere Freiwillige. Einige trugen die Einsatzkleidung, die sie im Rahmen ihres Ehrenamtes erhalten haben. Ausgerüstet mit langen Stöckern, machten sie sich ebenfalls auf in den Wald.

Am Treffpunkt der Straße Zum Kahleberg 99 hatte das kleine Lagezentrum in dem Kofferraum eines Kombis Quartier bezogen. Für die Helfer gab es Schokolade, Brötchen, Getränke und für die Pferde reichlich Wasser. Als erste Reiterin war Solveig Ahlgrimm aus Potsdam mit ihrem Hafi-Wallach Willi am Start. Mit Ortskenntnissen ausgestattet, machte sie gegen 15.00 Uhr die erste Runde alleine. Ihr folgte Denise Hoffmann  aus Schönwalde-Glien. Sie hatte ihren Tinker-Wallach SD Jolson dabei. In Ruhe machten beide ihre Pferde fertig und warteten auf zwei weitere Damen, die sich ebenfalls bei Marie angekündigt hatten. Mit Maren Krenz aus Potsdam und ihrem Brandenburger Wallach Satino sowie Katharina Fröhlich war das Quartett komplett. Katharina machte sich aus Gohlitz bei Nauen auf den Weg und ritt in Potsdam auf ihrer Brandenburger Stute Samba.

In Zweiergruppen wurde ein festgelegtes Areal durchstreift. Das geschah in aller Ruhe und dauerte knapp anderthalb Stunden. Gefunden haben die Amazonen nichts, aber wenigstens wieder ein kleines Stück abgesucht. Marie markierte nach der Rückkehr die Gebiete auf ihrer Übersichtskarte mit einem grünen Stift und musste feststellen, dass es noch viele weiße Flecken gibt.

Am Sonntag treffen sich die Suchtrupps erneut. Ab 15.30 Uhr wollen sie die nächsten Teile des Waldgebietes angehen. Wer also volljährig ist, einen Pferdepass und eine Haftpflichtversicherung für sein Pferd hat, darf gerne vorbeikommen. Es werden noch jede Menge helfende Hufe und Hände und Augen gebraucht. Hier sind die wichtigsten Daten:

Einsatzleiterin Marie Christin Utech

Mobil: 015234067314

Ort: Zum Kahleberg 99; 14478 Potsdam

Bitte beachten: Wegen der zu koordinierenden Parksituation ist eine vorherige telefonische Anmeldung unbedingt erforderlich. Neben dem Pferdepass, den man ja als ordentlicher Pferdemensch bei jedem Transport dabei hat, macht sich auch eine Warnweste recht gut. Dann können sich die Trupps unterwegs leichter finden. Nicht schlecht ist auch eine von diesen Apps für reiterliche oder läuferische Aktivitäten auf einem Smartphone, damit man im Nachgang das durchsuchte Gebiet besser eingrenzen kann.

Also dann, auf geht’s. Übrigens haben Marie und ihre Helfer jede Menge Äpfel, Möhren und Leckerlies für die Pferde dabei…

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©