Portrait René Dahme – „Zwei Tage Urlaub – dann kriege ich Heimweh!“

 

Portrait René Dahme – „Zwei Tage Urlaub – dann kriege ich Heimweh!“ 

(von Jan-Pierre Habicht/www.pferdefreunde.co)

Das kleine Örtchen Schönfeld nördlich von Werneuchen in Ostbrandenburg ist jetzt 675 Jahre alt. In Schönfeld gibt es eine Kirche, eine einhundert Jahre alte Freiwillige Feuerwehr und René Dahme. René ist in der Gegend mindestens so bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt vor allem an seiner stattlichen Erscheinung, dem sportlichen 8-Tage-Bart und einer Form von Gespräch, die selten auf einen Kompromiss hinaus läuft.

Der gelernte Schäfer, seine Frau Kathrin und ich sitzen am Kaffeetisch. Nach einigem Überlegen fängt er an zu erzählen.  „Der Hof ist seit drei Generationen in Familienbesitz – seit elf Jahren haben wir hier unsere Pferdepension“, verkündet René nicht ohne Stolz in der Stimme.  Überhaupt scheint er mit sich und seinem Leben im Reinen zu sein. Der 36-Jährige spricht eigentlich nur von seinen Pferden, der Land- und Forstwirtschaft und manchmal über Turniere. Meist schwingt dabei der Brustton der Überzeugung mit.

Der Reiterhof Dahme beherbergt so um die fünfzig Pferde. „Viel zu viele davon gehören mir selbst“, gibt er zu. Das glaubt man gern, wenn man das Geschirr fürs sechsspännige Fahren betrachtet. Seine belgischen und mecklenburgischen Kaltblüter sind aber nur selten Hobbypferde. Kremserfahrten, Kutschfahrten, Schlittenfahrten und Holzrücken sorgen dafür, dass es seinen Kalten nicht langweilig wird.

Und dann sind da noch die Turniere und gesellschaftlichen Ereignisse, an denen René jedes Jahr teilnimmt. Auch wenn die Zeit knapp ist -  es gibt einige Pflichttermine. Dazu gehören das Bernauer Hussitenfest, die Weesower Bauernrallye und vor allem im brandenburgischen Brück das Fahrturnier „Titanen der Rennbahn“.  „Die anderen fliegen nach Kanada und wir fahren nach Brück“, erzählt er lachend und fügt an: „Länger als zwei Tage bleibe ich sowieso nicht weg. Sonst bekomme ich Heimweh!“ In einem Familienbetrieb ist das verständlich. Wer überlässt seine Pferde schon gern Freunden oder gar Bekannten? Die Sorge um den 40-Hektar-Hof und die Tiere ist größer als der Drang, ein warmes Bier unter südlicher Sonne zu genießen. Und das nimmt man René Dahme auch ab. Fast ausschließlich in Arbeitskleidung anzutreffen, würde er sich wahrscheinlich im feinen Zwirn auch unwohl fühlen. Seine Frau sagt: „Er ist kein Genießermensch und braucht keinen Urlaub. Freizeit spielt keine Rolle. Und bei der Hofgröße bleibt auch keine Luft für Angestellte.“

Und auch zur Kommunalpolitik hat er seine Meinung: „Es gibt viel zu wenig Wege für Kutschen und Reiter in der Region. Wenn man mit der Kutsche unterwegs ist, hagelt es im Wald ständig Backpfeifen. Anfragen bei der Stadt und der Barnimer Feldmark brachten nichts“, stellt er fest. Und weiter: „Die wollen, dass ich einen Verein gründe, damit ich ABM-Kräfte zur Unterstützung bekomme. Ich gründe doch nicht für eine Woche Arbeit einen Verein“. Damit hat er sicher recht. Und man merkt wieder, dass Kompromisse seine Sache nicht sind. Bleiben also für Kutsch- und Kremserfahrten nur die unattraktiven Straßenstrecken.

Draußen beginnt es zu dämmern und René Dahme hat Lust bekommen zu erzählen; von langen Arbeitstagen im Winter und noch viel längeren im Sommer, von der Freiwilligen Feuerwehr und dem letzten Scheunenbrand, vom letzten Regionalparkfest in Hirschfelde mit viel Regen und immer wieder von seinen Kalten. Die haben es ihm wirklich angetan. Wie die Familienplanung aussieht, will ich wissen. „Unsere Kinder haben vier Beine mit Hufen dran!“  Dem kann man nichts mehr hinzu fügen. (jph)

 

Wer Näheres über den Reiterhof René Dahme wissen will, kann im Internet unter www.reiterhof-dahme.de nachsehen. Der Reiterhof Dahme ist Pferdepension und bietet Kutschfahrten zu vielen Ereignissen, Kremserfahrten, Schlittenfahrten und Holzrückdienste an. Ausgebildet werden Pensionspferde als Kutschpferde einzeln oder im Gespann. Der Reiterhof Dahme bietet auch eigene, eingefahrene Kutschpferde zum Verkauf an.

 

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