Pony EM Fontainebleau 2012: Deutsche Ponydressurreiter sind Medaillengarante

 

Fontainebleau/ FRA (fn-press). Die deutschen Ponydressurreiter haben ein Abo auf den Sieg. Seit 1990 holen deutsche Mannschaften regelmäßig den Titel des Europameisters, nur einmal – im Jahr 2010 – gab es eine Ausnahme. Auch in Fontainebleau war die „Mission Gold“ wieder erfolgreich. Den Löwenanteil an diesem Erfolg hatte das Küken im deutschen Team: Nach Team-Gold und Einzel-Silber schnappte sich Semmieke Rothenberger (Bad Homburg) mit der zehnjährigen FS Don’t Worry Tochter Golden Girl am Finaltag auch noch das Kür-Gold und machte damit den Namen ihrer Stute endgültig zum Programm. Silber und Bronze gingen an die beiden niederländischen Reiterinnen Sanne Vos mit TC Champ of Class und Rosalie Bos mit Paso Double.

„Wir sind einfach alle glücklich im deutschen Team. Semmieke ist mit ihren zwölf Jahren die jüngste Reiterin in der Mannschaft und gewinnt eine Medaille nach der anderen. Ihre Kür zur Filmmusik von Pippi Langstrumpf war einfach nur schön anzuschauen“, schwärmte die Bundestrainerin der deutschen Ponydressurreiter, Cornelia Endres (Dülmen-Buldern). Nachdem am Vortag noch Sanne Vos knapp die Nase vorn hatte im Rennen um Einzel-Gold, konnte Semmieke Rothenberger im Finale an ihrer schärfsten Konkurrentin vorbeiziehen. „Zwei Ritte von fast 82 Prozent in der Kür – das zeigt das sportlich ganz hohe Niveau bei diesen Europameisterschaften. Denn diese Noten wurden erritten und nicht verschenkt“, so Endres.

Aber auch die beiden EM-Neulinge, die sich mit kontinuierlich guten Leistungen bis ins Kür-Finale der Top 15 vorgearbeitet hatten, bestätigten mit den Plätzen fünf und sechs ihre Nominierung. Anna-Christina Abbelen (Kerpen), mit Dornik`s Donovan in der Einzelwertung noch Sechste, tauschte in der Kür den Platz mit ihrer Team-Kollegin Nadine Krause (Bad Homburg) mit Danilo und wurde Fünfte. „Donovan hat heute alles gegeben. Mehr ging wirklich nicht“, lobte Endres. „Und auch Nadine reitet Danilo ja erst seit ein paar Monaten. Dafür hat sie konstant super Leistungen gezeigt.“

Nicht ins Kürfinale einziehen durfte dagegen Lena Charlotte Walterscheidt. Bereits in der Mannschaftswertung hatten Schwärme von Kriebelmücken ihr Pony Equestricons Lord Champion aus dem Konzept gebracht, so dass das Paar das Streichergebnis lieferte. Die erhoffte Besserung trat auch in der Einzelwertung nicht ein, das Paar musste sich mit Platz acht zufrieden geben. „Kinder und Ponys sind nun mal keine Maschinen. Es ist diesmal vielleicht nicht ihr Wochenende. Und die Richter stellen sich auch nicht so schnell um, wenn beim ersten Ritt einer Favoritin keine Top-Platzierung herauskam“, fand Endres tröstende Worte, für die Schülerin aus Mönchengladbach, die im Vorjahr Einzel- und Kürsilber bei der Pony-EM gewonnen hat.

Insgesamt war die Teamchefin sowohl mit dem Sport in Fontainebleau als auch mit der gesamten Organisation der französischen EM-Gastgeber zufrieden: „Die Plätze waren topp und die Boxen ein Traum. Wir hatten hier erstmals 13 Nationen mit kompletten Teams am Start. Und man hat überall richtig gute Ponys gesehen, nicht nur bei uns und den Holländern, sondern auch bei den Dänen, Engländern und Belgiern. Noch nicht alle schaffen es, vier geschlossen gute Paare mitzubringen, aber der Ponydressursport ist europaweit gesehen auf einem sehr guten Weg.“

Tina Pantel/Hb

EM Pony Springen: Silber für deutsche Mannschaft

Fontainebleau/FRA (fn-press). „Mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Ich habe gedacht, wenn alles gut läuft, kann die Mannschaft Vierter oder Fünfter werden“, sagte Peter Teeuwen (Hanstedt). Erfreulicherweise hatte er seine Reiter unterschätzt. In einem spannenden Stechen sicherte sich das deutsche Team – Marie Schulze Topphoff (Havixbeck) mit Mentos Junior, Julia Schacht (Osnabrück) mit Tiara, Justine Tebbel (Emsbüren) mit Patty und Lars Volmer (Legden) mit Carrick – im Nationenpreis die Silbermedaille. Eine Einzelmedaille als Sahnehäubchen war dem deutschen Springreiternachwuchs allerdings nicht mehr vergönnt.

Den Weg zur Silbermedaille hätten sich die Deutschen allerdings leichter machen können. Schon nach dem ersten Umlauf lag das Team auf Platz zwei. Im zweiten Umlauf hätte der letzte deutsche Reiter Lars Volmer lediglich seine Nullrunde wiederholen müssen. Doch alles „wenn und hätte“ erübrigte sich, als Volmers Schimmel am drittletzten Hindernis die oberste Stange traf. Das deutsche Quartett zog mit Dänemark und der Schweiz gleich, die ebenfalls 16 Strafpunkte aus zwei Umläufen mitbrachten. Damit gab es ein Stechen um Silber, Bronze und „Blech“.

Im Stechen war der Schwarze Peter schnell vergeben. Die Dänen fielen bereits vorzeitig aus, nachdem ihre erste Reiterin vom Pony gefallen war und die zweite Starterin nach zweimaliger Verweigerung ausscheiden musste. Die Schweizer, die nach einem etwas zögerlichen Auftakt im ersten Umlauf mit drei Nullrunden in der zweiten Runde gewaltig aufgeholt hatten, blieben auch im Stechen zwei weitere Male fehlerfrei. Zwei Mal gab es je einen Abwurf zu verzeichnen. Da auch die Deutschen bis dahin mit zwei „Nullern“ aufwarten konnten, lastete die Verantwortung erneut auf Schlussreiter Lars Volmer. Dieses Mal klappte alles: Der 14-jährige Reiter und sein halb so alter Hengst Carrick kamen fehlerfrei ins Ziel. Sie sicherten der Mannschaft die dritte „Null“ und damit die Silbermedaille. Die Schweizer wurden Dritte. „Nach dem ersten Umlauf sind die Hoffnungen dann schon gestiegen, aber dass es dann wirklich geklappt hat, ist schon phänomenal“, sagte Peter Teeuwen.

Dank der guten Vorleistungen war auch der Einzug ins Finale gesichert. Lediglich EM-Neuling Julia Schacht musste verzichten, nachdem sie im zweiten Umlauf des Nationenpreises ausgeschieden war. Dafür konnte sich Einzelreiter Philipp Houston (Leichlingen) fürs Finale empfehlen. Zwar hatte er mit Caspar im ersten Wertungsspringen als einziger Deutschen einen Fehler gemacht, in den beiden Umläufen des Nationenpreises, dem zweiten Wertungsspringen, kamen aber nur zwei weitere Abwürfe dazu. Die besten Ausgangsbedingungen für das Finale hatte sich Marie Schulze Topphoff verschafft: Zusammen mit der Britin Millie Allen trat sie am letzten Tag mit weißer Weste zum Springen an. Lars Volmer brachte vier Strafpunkte mit, Justine Tebbel startete wie Philipp Houston 12 Strafpunkten.

Doch schon im ersten Umlauf blieb kaum etwas, wie es war. Als einzige deutsche Reiterin blieb die Preis-der-Besten-Siegerin Justine Tebbel mit Patty fehlerfrei (12). Philip Houston kassierte zwei Abwürfe (20), Lars Volmer (8) und Marie Schulze Topphoff machten jeweils einen Fehler (4). Damit machte sie den Weg zum Gold frei Millie Allen mit Song Girl, die erneut fehlerfrei blieb und sich nur im zweiten Umlauf einen Abwurf leistete.

Denn auch der zweite Umlauf hatte es in sich. Schnell zeigte sich, dass die Zeit knapp bemessen war. Lediglich vier Paaren gelang ein fehlerfreier Ritt, nur zwei davon blieben in der erlaubten Zeit. Diese Leistung führte zwei der vier aufs Treppchen: Lisa Nooren (Belgien) gewann im Sattel von Rock Dee Jay mit insgesamt sieben Strafpunkten – einer davon aus dem Finale – die Silbermedaille. Alex Chitty (Großbritannien) beendete ebenso wie die Schweizerin Emilie Paillot mit Top Jezabel de L’Etape das Finale sogar mit Doppel-Null. Beide hatten am Ende acht Strafpunkte auf dem Konto. Im Stechen um Bronze setzte sich Chitty mit der gewaltig springenden Schimmelstute Amelie JR Z dank einer weiteren Nullrunde durch, Paillot wurde Vierte.

Der vierte Reiter, der im zweiten Umlauf ohne Springfehler ins Ziel kam, war Philipp Houston. Mit nur einem Zeitstrafpunkt zog er erneut mit Justine Tebbel gleich, die in der zweiten Runde neun Strafpunkte verbuchen musste. Mit jeweils 21 Punkten landeten die beiden auf Platz 16. Ebenfalls ex aequo beendeten Lars Volmer und Marie Schulze Topphoff die EM. Volmer machte im zweiten Umlauf erneut einen Fehler, Schulze Topphoff kassierte gleich zwei Abwürfe. Beide überschritten die Zeit um eine Sekunde. Damit lautete ihr gemeinsamer Endstand 13 Punkte – Platz acht. „Das ist zwar schade, kam aber nicht so überraschend. Lars’ Pony ist noch recht jung und Maries’ Pony tut sich noch etwas schwer, wenn wie hier der Zeitfaktor dazukommt“, sagte Teeuwen. „Daher bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Diese EM war für uns ein voller Erfolg.“            Hb

 

Vielseitigkeit: EM Pony Fontainebleau/FRA

Kein Glück für deutsche Vielseitigkeitsreiter

Fontainebleau/FRA (fn-press). Zum zweiten Mal in Folge waren die früher deutschen Pony-Vielseitigkeitsreiter bei den Europameisterschaften glücklos. Allerdings waren sie jetzt in Fontainebleau – zumindest in der Einzelwertung – ganz dicht an einer Medaille dran. Ein Springfehler weniger und Einzelreiterin Leoni Leuwer aus Königswinter hätte mit Camissa Nera sogar Gold gewonnen. So beendete sie die Prüfung als beste Deutsche auf Platz fünf. Die deutsche Mannschaft war bereits im Gelände ausgeschieden.

Mit dem besten Dressurergebnis der insgesamt 50 Teilnehmer und einem fehlerfreien Geländeritt startete Leoni Leuwer als letzte Reiterin ins abschließende Springen. Mit ihrem Zwischenstand von nur 40,6 Minuspunkten hatte sie den Titel schon fast in der Hand. Doch hatte sie die Rechnung ohne ihr Pony Camissa Nera gemacht. Nach einem guten Beginn patzte die schwarzbraune Stute an einem überbauten „Wassergraben“ und wurde danach zunehmend heftig. Der erste Fehler wäre noch folgenfrei geblieben, mit einem zweiten hätte es sogar noch für Silber gereicht. Doch der dritte Abwurf war einer zuviel. Mit einem Endstand 52,6 Minuspunkten wurde das Paar auf Platz fünf durchgereicht.

Über die Goldmedaille durfte sich stattdessen der Ire Cathal Daniels freuen. Er blieb mit seinem Schimmel Master Murrose im Springen fehlerfrei und beendete die EM mit seinem Dressurergebnis von 45,2 Minuspunkten. Ihrer Nullrunde im Springen verdankte auch die Britin Louisa Nesbitt mit Carrowmore Gemstone eine Medaille. Es blieb für sie bei 49,0 Minuspunkten, womit sie vom vierten auf den zweien Platz vorrückte. Auf dem Bronzerang landete Ana O’Brien zurück. Die Irin, im vergangenen Jahr noch Mannschafts-Vizeeuropameisterin, trat damit in die Fußstapfen ihrer Schwester Sarah O’Brien, die vor zwei Jahren mit Ice Cool Bailey ebenfalls EM-Bronze holte (49,9).

Die beiden Einzelmedaillen der irischen Reiter waren das Sahnehäubchen auf dem Sieg der irischen Mannschaft, die in Fontainebleau von der ehemaligen Olympiareiterin Susan Shortt betreut wurde. „Ich wusste schon in den letzten Wochen, dass wir das beste Team haben, das je bei einer EM gestartet ist“, sagte Shortt. „Ihre Leistungen hier waren fantastisch.“ Ganz besonders freute sich Shortt, dass das irische Team erstmals schon nach der Dressur in Führung lag – vor dem britischen und deutschen Reitern. Während die Briten ihre Position allerdings halten konnten und Silber holten, ging die Bronzemedaille in der Teamwertung an die Niederlande. Die deutsche Mannschaft war dagegen im Gelände „geplatzt“, nachdem die beiden ersten Reiterinnen ausgeschieden waren.

„Es ist eindeutig schon besser für uns gelaufen“, sagte Bundestrainer Fritz Lutter (Warendorf) enttäuscht. Nicht nur, dass es keine Medaillen gab, hatte sich die erste deutsche Starterin Hanna-Lea Kehrer (Reutlingen) bei einem Sturz von ihrem Pony Cyrano auch noch verletzt. „Sie hat sich den MiIttelhandknochen gebrochen, konnte aber am Sonntag schon wieder mit allen anderen nach Hause reisen“, sagte Fritz Lutter. Durch den Vorfall zu Beginn der Geländeprüfung war auch die zweite Deutsche, Katja Wolff (Ditzingen) so beeindruckt, dass sie nach drei Verweigerungen ausschied. „Das ist sehr schade, denn ihr Puccini ist eigentlich ein sehr geländesicheres Pony“, bedauerte der Bundestrainer.

Nach dem Ausscheiden des Teams ruhten die Hoffnungen auf den beiden verbliebenen deutschen Teamreiterinnen, die nach Dressur und Gelände gute Chancen auf einen Platz in en Top Ten hatten. Doch auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Mit einem Abwurf im Springen landete die EM-erfahrenste deutsche Reiterin Flora Reemtsma (Groß Walmstorf) mit Pamira LK auf Platz elf (59,1), Ihre Teamkollegin Lara Bergmann (Ahrensbök) musste im Springen sogar zwei Abwürfe hinnehmen und wurde 13te (59,5). Die zweite deutsche Einzelreiterin Sarah Schmierer (Erdmannhausen) und ihr Bundeschampion Moonlight Kiss beendeten ihr EM-Debüt auf Platz 24. Ein „Vorbeiläufer“ am letzten Wasserhindernis der Geländestrecke hatte das Paar bereits 20 Strafpunkte gekostet, im Springen kamen weitere acht für Springfehler hinzu. Ihr Endstand: 85,9 Minuspunkte.   Hb