Pferdewirte „Klassische Reitausbildung“: Berlin-Brandenburg gewinnt Bundesberufswettbewerb 2012

Warendorf (fn-press). Berlin-Brandenburg hat die Teamwertung beim 15. Bundesberufswettbewerb für Pferdewirte mit der Fachrichtung „Klassische Reitausbildung“ gewonnen, der Ende November in der Deutschen Reitschule in Warendorf ausgetragen wurde. Platz zwei ging an das Team aus Hessen, gefolgt von Westfalen.

Insgesamt 29 angehende Pferdewirte der Fachrichtung „Klassische Reitausbildung“ maßen sich an den zwei Tagen miteinander. Neun Bundesländer stellten Mannschaften. Zum ersten Mal wurde der Wettbewerb nach der Neuordnung der Berufsausbildung im Jahre 2010 nach einem neuen, vielseitigeren Richtverfahren ausgetragen. Anders als in den vergangenen Jahren wurden die Auszeichnungen nicht jeweils in den Disziplinen Springen und Dressur verliehen, sondern im K.o.-Verfahren wurde das beste Team und der beste Einzelreiter mit der besten Gesamtwertung aus beiden Disziplinen ermittelt. Das Finale wurde schließlich durch ein neues Prüfungsfach, die Qualität der Unterrichtserteilung, entschieden.

Am besten schlugen sich bei diesem neuen Modus die Schützlinge von Mannschaftsführer Henning Müller, Ausbildungsleiter im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt-Dosse: Stephanie Fiedler und Stefanie Fahnauer, die beide in Neustadt-Dosse lernen, sowie Solveig Sörensen, die auf dem Pferdehof Neubeeren in Großbeeren ausgebildet wird, erreichten insgesamt 191,8 Punkte und setzten sich damit an die Spitze eines engen Feldes (Hessen 189,3 Punkte, Westfalen 187,9 Punkte. „Für mich ist der Wettbewerb eine Lernzielanregung, eine sinnvolle Nachwuchsförderung und eine gute Sache, um sich mit den anderen Bundesländern zu messen und das Leistungs- und Ausbildungsniveau bundesweit zu vergleichen“, sagte Hennig Müller, der als Ausbilder schon viele Bundesberufswettbewerbe miterlebt hat.

Den Einzelwettbewerb entschieden zwei Finalistinnen aus dem Rheinland unter sich. Sophie Albrecht (Ausbilderin: Regine Mispelkamp aus Kamp-Lintford) erhielt in der entscheidende Teilprüfung Unterrichtserteilung die Wertnote 8,2 und verwies damit ihre Teamkollegin Viola Wilke (Ausbilder: Matthias Gering aus Willich) auf Platz zwei (Note: 8,0). Vielleicht hatten sie es schon geahnt oder sie waren besonders motiviert und vorbereitet, denn schon am ersten Tag sagten beide Teilnehmerinnen, dass sie den Wettbewerb als eine Vorbereitung für die Abschlussprüfung sehen. Zudem hoffen beide, dass die Teilnahme und eine gute Platzierung ihnen bei ihrem beruflichen Werdegang hilft. Aus dem Landesverband Weser-Ems kam der Drittplatzierte Bastian Schleider (Wertnote:15,5 ), der bei Böckmann Pferde in Lastrup lernt. Dank seiner höheren Wertnote von 15,5 im Halbfinale setzte er sich in der Gesamtwertung vor Michael Pfisterer vom Nordrhein-Westfälischen Landgestüt in Warendorf (15,2).

Mit „Gut“ benoten den neuen Wettbewerbsmodus die Richter Ulrich Rasch (Brunnthal) und Arndt Wiebus (Duisburg), beide Pferdewirtschaftsmeister und Mitglieder der Prüfungskommission für Pferdewirte. Die vielseitige Förderung ist gewünscht. „Die Spezialisierung kommt bei den meisten jungen Reitern früh genug. Sie sollten so lange wie möglich vielseitig ausgebildet werden,“ sagte Wiebus. Bei dem Wettbewerb gehe vor allem darum, zu erkennen, wer letztendlich für den Beruf des Pferdewirtes geeignet. Dabei spielt die berufliche Perspektive ebenso wie die Professionalität in schwierigen Situationen mit dem Pferd eine große Rolle.

„Das K.o.-System hilft beim Meistern prüfungsähnlicher Situationen im Berufsalltag. Den Prüfungsstress auszuhalten und die Qualifikationsprüfungen zu bestehen, bereitet die angehenden Prüflinge optimal auf die Abschlussprüfung vor, die ja noch jedem der teilnehmenden Reiter bevorsteht“, so Wiebus „Viele Reiter heben sich schon bei dem Bundesberufswettbewerb hervor und bestätigen ihr Talent in naher Zukunft“, weiß Rasch. Ein Beweis dafür sei Vielseitigkeitsreiter Michael Jung (Horb), Doppel-Olympiasieger, Welt- und Doppel-Europameister, der 2002 den Wettbewerb gewann. Unter anderem sehen Wiebus und Rasch den Wettbewerb als eine Art Talentbörse, die es erleichtert junge Talente zu erkennen, zu fördern und richtig zu führen. Die Veranstaltung ist aber nicht nur für die Auszubildenden von Bedeutung. Es ist aus Sicht von Rasch und Wiebus auch ein Vergleich der Ausbilder. Der Wettbewerb spiegelt ihnen ihre Lehr- und Ausbilderfähigkeiten wider und schützt vor Betriebsblindheit. Rasch und Wiebus sehen in dem Wettbewerb einen guten Spiegel für die Ausbilder, um sie vor Betriebsblindheit zu schützen und den Vergleich der eigenen Ausbilderfähigkeit aufgezeigt zu bekommen. Christina Voecking