Pferdesteuer: Die FN bringt endlich Bewegung in die Sache – aber wozu?

Die Planungen schreiten zwar langsam voran, aber sie schreiten. Nachdem der von der FN als Flächenbrand bezeichnete gesellschaftliche Vormarsch der Pferdesteuer schon fast nicht mehr aufzuhalten ist, planen die Hüter des Hufes eine groß angelegte Petition. Die Unterschriftensammlung soll am 20. Februar starten und bis zum 31. März dieses Jahres andauern. Adressaten der Petition sind die Städte und Gemeinden, die als Entscheidungsträger eine Pferdesteuer einführen könnten oder bereits eingeführt haben. Außerdem soll die Aktion auch ein Zeichen setzen beim Deutschen Städtetag (Großstädte und kreisfreie Städte) und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (kreisangehörige Städte und Gemeinden), so die FN. Zugangsdaten für die Online-Petition werden zwei Tage vor dem Start auf www.pferd-aktuell.de und den Internetauftritten der einschlägigen Magazine bekannt gegeben. Dann gibt es auch Listen für den Download.

Reichlich spät startet der schwerfällige Tanker FN diese Aktion und verweist mit den immer gleichen Worten auf die Sinnlosigkeit dieser Steuer. Hier zeigen sich teilweise Parallelen zum Schenkelbrand auf. Erst reagiert man gar nicht, dann lange Zeit nach Bekanntwerden recht laut und später mit dünnen Beweisen und schlecht nachvollziehbaren Argumenten. Nach wie vor bemüht sich die FN nicht um die Integration des Reitsports in die Gesellschaft. Vor allem in den Kommunen vor Ort sind die Vorurteile groß und die Pferdesteuer in den Augen der Entscheider ein völlig legitimes Mittel, um die schwächelnden, öffentlichen Finanzen zu unterstützen. Gerne sonnen sich die Funktionäre aber im Lichte der millionenschweren Vierbeiner auf Großveranstaltungen oder bei Fernsehübertragungen und verzerren das Bild vom Reiter und seinem Tier, der in den allermeisten Fällen weder reich noch berühmt ist und in seiner sechsstelligen Gesamtheit trotzdem eine ernst zu nehmende Größe darstellt.

Am Ende haben die Reiterinnen und Reiter in der Breite ein Imageproblem, welches größer nicht sein könnte. Vergleicht man den Pferdesport mit dem Fußball, tun sich erschreckende Unterschiede auf. Während sich im besten Fall ab Oberliga messbare, wirtschaftliche Erträge bei den Playern ergeben, ist der Reitsport vom jüngsten Fohlen bis zum ältesten Gnadenbrotfresser ein Umsatzbringer und Freudenspender für alle Beteiligten.

Warum werden dann für Fußballstadien selbst auf Kreisebene Beträge ausgegeben, die im Reitsport auf Bundesebene selten oder eher unmöglich sind? Die Antwort ist einfach: Fußball ist Breitensport und akzeptiert. Während der Kauf eines Bayern-Spielers für zehn Millionen eine sportliche Randnotiz ist, steht in Zeitungsartikeln von heute hinter Totilas noch immer der gleiche Betrag als Wahnsinnssumme, obwohl der Kauf nun schon zwei Jahre her ist und der Preis noch nicht einmal bestätigt. Reiter werden in der Gesellschaft weiterhin für reich, oftmals arrogant („vom hohen Ross herab“) und rücksichtslos gehalten. Und mit jedem Haufen Pferdeäppel, der auf oder neben der Straße landet, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Da werden auch keine Unterschriften helfen oder überschwänglich angekündigte juristische Prüfungen durch die FN-Anwälte. Es ist in diesem Fall Sache der Kommunen, Steuern zu erheben und ihre öffentlichen Haushalte zu entlasten. Gefragt sind also nicht die Deutsche Reiterliche Vereinigung mit ihren Stars und auch nicht die einzelnen Landes- und Kreisverbände, sondern die Vereine, Hof- und Pferdebesitzer vor Ort.

Wenn die Steuer auf kommunaler Ebene erhoben werden kann, muss auch dort die Lobbyarbeit beginnen. Die Parlamentarier einer Stadtverordnetenversammlung werden sich mit großer Sicherheit nicht für eine FN-Resolution interessieren, aber für Artikel in ihrem Amtsblatt zum therapeutischen Reiten, zu KiTa-Ausflügen auf den ortsansässigen Reiterhof oder auch über die Sieger des letzten Reitertages im Nachbarort.

So eine Petition ist eine feine Sache, fällt aber leider in die Kategorie „reagieren“, wo doch das Agieren viel wichtiger wäre. Ein „Tag der offenen Stalltür“ bringt vielleicht neue Kunden auf den Reiterhof und mehr Mitglieder, die ihre Beiträge dann an Verbände und FN überweisen, aber noch lange keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Herzen müssen sich öffnen und nicht Stalltüren…