Pferderennen: Near England ist die Top-Stute von Hamburg

Andreas Helfenbein gewinnt mit Near England das Nutan-Rennen (Foto: Frank Sorge)

Pure Freude bei Andreas Helfenbein und Trainer Markus Klug (Foto: Frank Sorge)

Überraschender Erfolg mit Andreas Helfenbein im Nutan-Rennen am Derby-Vortag

Ein Triumph von Trainer Markus Klug (Köln-Heumar) im Nutan-Rennen (Gruppe III, 55.000 Euro, 2.200 m) am Samstag in Hamburg-Horn war allseits erwartet worden. Denn der Erfolgstrainer hatte vier Kandidatinnen am Start des Hamburger Stuten-Preises, der den Namen des Derbysiegers von 2015 trug. Doch mit der dreijährigen Lord of England-Tochter Near England aus dem Gestüt Wittekindshof von Hans-Hugo Miebach (Rüthen-Kneblinghausen) hatten nach dem drittletzten Platz zuletzt in den klassischen 1.000 Guineas in Düsseldorf nur wenige der 7.000 Zuschauer gerechnet -  an einem sonnigen Nachmittag, der im Unterhaltungsprogramm auf der Bahn starke japanische Akzente aufwies.

Zu einer Überraschungs-Quote von 117:10 gewann die nun beim fünften Start zum dritten Mal siegreiche Pferdedame das bedeutendste Rennen am Derby-Vortag sicher mit einer Länge Vorsprung auf die sehr unglücklich agierende Son Macia, die Mitte der Zielgeraden keinen Platz zum Angriff hatte, und die lange führende She’s Gina (wie Near England aus dem Klug-Stall).

Jockey Andreas Helfenbein, der in Kürze seinen 49. Geburtstag feiern wird, teilte der Siegerin das Rennen bestens ein, ergriff von zweiter Stelle schon vor der Zielgeraden die Initiative und konterte alle Angriffe von Son Macia und der an der Spitze wacker standhaltenden She’s Gina. 

„Nach den Arbeitsleistungen waren andere meiner Stuten stärker einzuschätzen, aber auf diesem schweren Boden kamen die Pferde zum Zuge, die einen Strich marschieren können und gleich am Anfang prominent waren. Sie hatten gegenüber den Speedpferden einen Vorteil. Near England kommt aus einer Linie des Gestüts Wittekindshof, die den schweren Boden gut kann. Sie hatte heute einen idealen Rennverlauf“, kommentierte Coach Markus Klug.

Die moralische Siegerin war sicherlich Son Macia, die unter Filip Minarik einfach keine Lücke fand und nur eine Länge hinter Near England als Zweite einkam. „Ohne den Stopp Mitte der Zielgeraden gewinnt nur sie“, schilderte ihr Betreuer Andreas Löwe. Auch die lange führende She’s Gina verdiente sich als Dritte gute Noten. Die stark gewetteten Night Music, Kasalla und Olala kamen auf dem sehr schweren Geläuf über Platz vier, fünf und sechs nicht hinaus.

„Das war nicht viel Feind‘, aber trotzdem haben wir gerne gewonnen“, meinte Karl-Dieter Ellerbracke, der Mitbesitzer des Gestüts Auenquelle, nach dem einleitenden Zweijährigen-Rennen über 1.400 Meter, nachdem der für die Zuchtstätte angetretene Bariton unter Jockey Alexander Pietsch den Ton angegeben hatte. Auf der äußeren Spur setzte sich der 20:10-Favorit locker von Alwina und Ashiana im dreiköpfigen Feld ab.

„Ich hatte genau damit gerechnet, denn er ist ein sehr frühes und gutes Pferd“, durfte sich Siegtrainer Jens Hirschberger bestätigt fühlen. Pietsch legte gleich eine halbe Stunde später in einem 1.400 Meter-Handicap mit Olga Laznovskas Edelstein (55:10) in einem 1.400 Meter-Handicap nach. Pietsch erklärte: „Wenn man die beste Spur erwischt, kann man heute einen Vorteil erhaschen. Im Derby denke ich aber, dass an der Innenseite gewonnen wird.“

Und in einem 2.800 Meter-Handicap bescherte Pietsch erneut nach einem Start-Ziel-Ritt Trainerin Olga Laznovska mit Downton (63:10) den zweiten Tagestreffer und sich selbst den dritten Erfolg.  Sensationsquote der Viererwette mit Culworth Boy, Shalin und Well’s Wonder auf Platz zwei bis vier: 275.028:10 Euro. Ein Wetter bekam über 13.000 Euro ausgezahlt.

Die Longines World Fegentri Championship für Gentlemen Riders (Ausgleich IV, 1.600 m) machte Station in Hamburg. Und dieser bedeutende Amateur-Wettbewerb war wieder sehr international besetzt. Auf dem von Christian von der Recke in Weilerswist trainierten Ronnie Rockcake (40:10) setzte sich der Franzose Guilain Bertrand souverän durch, der zuvor schon 25 Rennen gewonnen hatte.

Eine Ehrung der ganz besonderen Art gab es im Rahmen der Veranstaltung, bei der die Gewinner von über 20.000 Rennen auf dem Podest standen: Erika Mäder vom Trainer- und Jockey-Verband zeichnete Mario Hofer, Andreas Wöhler, Hein Bollow (zum 80. Mal beim Derby), Christian von der Recke, Hans-Jürgen Gröschel, Jozef Bojko, Peter Schiergen, Filip Minarik, Eduardo Pedroza, Andreas Helfenbein, Andreas Löwe sowie Andrasch Starke und Hans-Albert Blume (die beide in Abwesenheit geehrt wurden) für jeweils mehr als 1.000 Erfolge aus!

Einen Familien-Erfolg für Trainer Dr. Andreas Bolte und seine Ehefrau Annette Christina (als Besitzerin) sah man in einer 1.800 Meter-Prüfung durch den achtjährigen Wallach Ever Strong (23:10), der unter Filip Minarik mit der ebenfalls schon zur Gruppesiegerin avancierten Bourree Start-Ziel nicht die geringsten Probleme hatte.

Auch die Wetter kamen voll auf ihre Kosten, denn die Viererwette Cindaralla (56:10), Lairy, Divantia und Grand Rex in einem 1.800 Meter-Handicap bezahlte stolze 91.917:10 Euro. Auch hier war ein Ehepaar Trumpf – Alexander Weis ritt die von seiner Frau Sarah Weis in Köln trainierte Stute.

Seit dem Samstag darf sich die junge Esther Ruth Weißmeier Jockey nennen – denn im Amazonenreiten (Ausgleich III, 1.800 m) feierte sie auf der Außenseiterin Germanwings (105:10) in leichter Manier ihren 50. Karrieretreffer. Da war der Jubel ihrer großen Rennsport-Familie natürlich riesengroß, zumal ihre Mutter Regine die Trainerin und Vater Joachim Thomas der Besitzer von Germanwings ist.