Pferdekrankheit: "Rotz"-Infektion im Landkreis Osnabrück bestätigt

Krankheit in Deutschland erstmals wieder seit 1956 nachgewiesen

Warendorf (fn-press/Pressemitteilung). Bei einem Sportpferd aus dem Landkreis Osnabrück hat sich der Verdacht auf die Infektionskrankheit „Rotz" bestätigt. Dies teilte das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit. Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), beruhigt: „Es sind bislang keine weiteren Fälle aufgetaucht, deshalb sollten Pferdehalter jetzt nicht in Panik verfallen. Bei Unsicherheiten oder gar Verdachtsfällen muss natürlich der Tierarzt informiert werden“, sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Das betroffene Turnierpferd, das in die USA exportiert werden sollte, war im Rahmen einer routinemäßigen Untersuchung Ende November 2014 aufgefallen. Die Infektion stellte jetzt nach weitergehenden Untersuchungen das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) fest. Das Pferd hatte keinerlei klini­sche Symptome aufgewiesen. Um den Befund abzuklären, war im Dezember 2014 eine diagnostische Tötung erforderlich. Nachdem bakteriologische Untersuchungen der Organe negativ verlie­fen, wurden gezielt Hautproben molekularbiologisch untersucht. In diesen Proben hat das FLI nun „Rotz"-spezifische DNA nachgewiesen, die In­fektion wurde somit amtlich bestätigt. Da die anderen Pferde im betroffenen Bestand im Abstand von jeweils zwei Wochen dreimal negativ getestet wurden, gilt die Seuche in diesem Bestand bereits als erloschen. In Ställen, in denen sich das Pferd vorher befand, werden nun weitere Untersuchungen durchgeführt. Wie sich das betroffene Pferd infiziert hat, ist bisher nicht geklärt.

Die bakterielle Infektionskrankheit „Rotz" (Burkholderia Mallei) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, tritt vornehmlich bei Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere, Zebras) auf und wird durch Körpersekrete übertragen. Die Erkrankung kann in Form knotiger und geschwülstiger Entzündungen in der Haut (Hautrotz), der Nasenschleimhaut (Nasenrotz) und der Lunge (Lungenrotz) auftreten. Bei Pferden dominiert die chronische oder latente Verlaufsform, wodurch sich die Krankheit manchmal auch unerkannt verbreitet.

Rotz kann auch auf andere Säugetiere und - bei engem direkten Kontakt zu erkrankten Tieren - auch auf den Menschen übertragen werden, etwa über kleine Hautläsionen. In der Vergangenheit waren Ansteckungen bei Menschen selbst bei hohen Erkrankungshäufigkeiten in der Pferdepopulation aber sehr selten. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war „Rotz" weltweit verbreitet, wurde in Westeuropa und Nordamerika aber in den fünfziger Jahren weitgehend ausgerottet. In Deutschland trat der letzte Fall bei Pferden 1956 auf. Zuletzt tauchte die Krankheit in Südamerika und Asien wieder vermehrt auf.