Pat Parelli auf der Equitana – ausverkauftes Haus, glückliche Besucher

 

 

 

Pat Parelli auf der Equitana – ausverkauftes Haus, glückliche Besucher

Essen (Equitana) Der Meister in Essen. Das wollten sich die Pat Parelli-Fans des Natural Horsemanship (NHS) nicht entgehen lassen. Dem entsprechend war das "EQUITANA-Wohnzimmer", der große Ring in Halle 6, bis unter das Dach gefüllt.

 
Zu sehen gab es zunächst eine kleine Ouvertüre von den "Parelli-Instructors", ehemaligen Schülern, die die Methode des NHS in die Welt hinaustragen. Danach erschien Parelli persönlich mit einer bereits 20 Jahre alten, aber noch topfitten Stute. Für diejenigen, die sich noch nie mit Parelli und seiner Biografie auseinandergesetzt haben, gab Parelli zunächst eine ausführliche Einleitung. Wie er zum Natural Horsemanship gekommen ist, dass Pferde der Partner des Menschen sein sollten, es aber leider oft genug nicht sind, was Pferde ihm bedeuten usw. Parellis Fazit seines Vortrages: "It's all about synchronisation", übersetzt: "Alles dreht sich um Synchronisierung." So wie ein Fohlen seiner Mutter alles nachmacht, spiegelt das Pferd auch "seinen" Menschen wieder.

 Ein kurzer Videoclip auf der LED-Wand zeigte den züchterisch vielleicht weniger versierten Besuchern, wie ein Fohlen und eine Mutterstute miteinander umgehen. Und tatsächlich, das Fohlen "klebte" in Schritt, Trab und Galopp an seiner Mutter, folgte ihr auf den Anhänger usw. Das Publikum lauschte gebannt. "Ich finde diese Einleitung absolut super. Die Instruktoren, die Erklärungen, wie er zum Horseman wurde, einfach alles. Das Ganze hat so eine Leichtigkeit, auch durch die Musik. Eine tolle Show!", lautete die Meinung einer Zuschauerin auf den Rängen. "Genial, dass er endlich mal wieder in Deutschland ist! Er ist ein fantastischer Lehrer. Er erklärt alles so, dass man es versteht", war von anderer Seite zu hören. Wer bemängelte, dass das Pferd, das Parelli mitgebracht hatte, die Methode ja bereits kenne, musste sich nur etwas gedulden. Später veranschaulichte Parelli seine "Synchronisierungsmethode" auch an einem noch nicht eingeweihten Pferd.

 Was in einer Parelli-Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch alles möglich ist, zeigte zunächst der schwarze Show-Veteran. Parelli stieg ab, tauschte Trense gegen ein Halfter und ein langes Leitseil, nahm einen Stock mit langer, an einem Ende befestigter Schnur ("mein verlängerter Körper") und legte los. "Haben sie schon mal Pferdefreunde auf der Weide beobachtet? Was machen Sie? Sie stehen in entgegengesetzter Richtung und verscheuchen sich gegenseitig die Fliegen mit dem Schweif." Das machte Parelli dann auch, stellte sich neben die Hinterhand seines Rappen, nahm den Schweif und verscheuchte die imaginären Fliegen aus seinem Gesicht, während er gleichzeitig die Peitschenschnur - quasi sein Schweif - über den Pferdekopf tanzen ließ.

 Anschließend wurde die Musik flott und Parelli "tanzte" im Takt dazu mit seinem Pferd am langen Seil durch die Bahn. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Das Pferd machte alles synchron zum Meister. Nachdem er gezeigt hatte, wie Synchronisierung auf dem Boden aussieht, ging's ans Reiten. Mit Halsring führte Parelli ein bisschen Dressur im Westernsattel vor, ließ die Stute Seitwärtsgänge gehen, zeigte Piaffen, Pirouetten, Galoppwechsel, sprang zwischendurch über die in der Mitte der Bahn liegenden Tonnen, spielte "Basketball" mit einem überdimensional großen Horseball und ließ sein Pferd dann ein paar Volten um den liegenden Ball kreisen.

 Richtig spannend wurde es aber eigentich erst, als das Pferd eines Schülers in die Bahn gelassen wurde, das laut Parelli von Synchronisation noch nichts gehört hatte. Der Schimmel wurde losgelassen und durfte sich ein paar Runden frei bewegen, während Parelli sich sein Arbeitsgerät zurecht legte. Dabei handelte es sich um eine ausziehbare Peitsche von gut zwei Metern Länge. Als der Schimmel sich neugierig dem anderen Pferd näherte, ging die eigentliche Vorstellung los. Zunächst trabte und galoppierte Parelli auf seiner Rappstute durch die Bahn, trieb den Schimmel mal in die eine mal in die andere Richtung und nahm dabei wenn nötig seinen Stock ("mein Körper") zur Hilfe, um das Pferd in die gewünschte Richtung zu stupsen. Irgendwann hatte der Schimmel verstanden, was er tun sollte und trabte tatsächlich brav neben der Parellis Rappstute her. Verstärkter Schwierigkeitsgrad wären dann Kunststückchen wie "auf ein Podest klettern" gewesen. Das sah der Schimmel dann aber nicht ein und Parelli akzeptierte das.

 Mit der Botschaft "Lassen Sie uns eine bessere Welt für Mensch und Pferd schaffen!" gab er die "Bühne frei" für eine kleine Musical-Einlage seiner Schüler, bei der ein kleines Mädchen auf einem Steckenpferd seinen Traum vom Reitenlernen um ein Haar begraben hätte, weil es so frustriert war von der militärischen Art und Weise des Unterrichts. Dann lernte es, wie frei und zwanglos Reiten mit der Parelli-Methode sein kann. Happy End. Auch das des Parelli-Abends. Zu den Klängen von Michael Jacksons "Heal the World" wurde das restlos begeisterte Publikum in den Abend entlassen.