O’simoni foppt den Seriensieger


O’simoni foppt den Seriensieger

 

Die Stute schlägt den Ultrafavoriten Donald Douglas.

Ihr Fahrer Michael Hamann punktet außerdem mit Foto Finish

 

Es muss wohl ein ganzes Weilchen her sein, dass der zweite Favorit eines Mariendorfer Rennens unglaubliche 133:10 am Wettmarkt stand. Am Sonntag war es der Fall: Kaum jemand glaubte daran, dass der 10:10-Ultrafavorit Donald Douglas nach zehn Siegen hintereinander mit seinem Besitzer Ulrich Mommert ins Stolpern geraten könnte. Erst recht nicht, nachdem der Toptraber schon nach wenigen Metern seine geliebte Position an der Spitze bekam. Doch die Sensation geschah: Hundert Meter vor der Linie sprintete die Stute O’simoni tatsächlich an dem für unschlagbar gehaltenen Gegenspieler vorbei.

Ihr Fahrer Michael Hamann hatte der Fünfjährigen vom Rennstall Peter Simoni allerdings auch ein Traumrennen serviert. O’simoni war sogar kurz in Front, überließ dann aber ausgangs der Startgeraden dem heranstürmenden Donald Douglas die Führung. Bei unterwegs sehr ruhiger Pace, die selbst im Schlussbogen nur auf eine mäßige siebzehner Zwischenzeit anzog, blieb O’simoni immer im Windschatten des Favoriten. Ulrich Mommert zündete den Turbo seines Stallcracks erst beim Einbiegen auf die Zielgerade – doch obwohl Donald Douglas das Tempo nun ad hoc auf 11,5 steigerte, ließ sich O’simoni nicht abschütteln. Im Gegenteil: Schon Mitte des Einlaufs deutete sich die Niederlage des „Unverlierbaren“ an. O’Simoni nahm Donald Douglas bis zum Pfosten eine komplette Länge ab.

Das Rennen lieferte etliche Parallelen zu Michael Hamanns zweitem Tagessieg, der wenig später mit Foto Finish erfolgte. Denn ähnlich wie zuvor O’simoni war die Stute, die über viel Klasse verfügt, mit einer Quote von 59:10 am Wettmarkt deutlich unterschätzt. Zudem ging Michael Hamann mit der absolut identischen Taktik vor: Hinter dem Piloten Super Neil (Steffen Schulz) stürmte Foto Finish sofort an die zweite Stelle an der Innenkante. Als die Braune im letzten Bogen das entscheidende Zeichen bekam, machte sie sich in leichter Manier mit zwei Längen Vorsprung frei. Jetzt wird es spannend: Denn mit seinem Doppeltriumph hat sich Michael Hamann beim Kampf um das Mariendorfer Amateurchampionat gewaltig ins Gespräch gebracht. Er liegt mit elf Saisonsiegen nur noch einen Zähler hinter Sarah Kube.

Dreistellige Quoten für ein Pferd, das am Wettmarkt an zweiter Stelle steht – das war sicherlich schon eine Rarität. Den absoluten Vogel schoss aber Carola Kirchners fünfjährige Stute Fun to run ab. Denn die Traberlady war in der Gewinnsummenklasse bis 3.500 Euro als längste Außenseiterin angetreten und landete mit Thomas Heinzig im Sulky einen gigantischen Überraschungscoup. Ihre Quote von 2.141:10 wurde in diesem Jahr noch auf keinen anderen Mariendorfer Sieger ausbezahlt. Fun to runs Erfolg fiel obendrein nicht glücklich aus, sondern er war hochverdient. Denn Thomas Heinzig hatte den „Longshot“ während des Rennens an vierter Stelle liegend clever aus allen Gefechten herausgehalten. Als das Feld auf den letzten Metern breit auseinanderfächerte, hatte Fun to run die entscheidenden Reserven zur Hand.

Die Favoritenanhänger gingen am Mariendorfer Nachmittag aber nicht leer aus, denn zwei im Vorfeld ähnlich wie Donald Douglas als unverlierbar eingestufte Traber konnten sich auch tatsächlich durchsetzen. Und das dank der ausgeschütteten Siegjackpots zu überaus lukrativen Odds – beide Pferde zahlten mit einer Quote von 16:10 glatte sechzig Prozent Rendite aus. Franzl Crown machte den Auftakt und blieb mit Benjamin Hagen zum fünften Mal hintereinander ungeschlagen. Der Erfolg fiel dem Dreijährigen aber trotz der mäßigen Gesamtzeit von 20,0/2.500m alles andere als leicht. Denn sein Kontrahent Butch (Christian Zimmermann), dem er Mitte November noch klar die Grenzen aufgezeigt hatte, präsentierte sich diesmal als hartnäckiger Verfolger und ließ sich nie abschütteln. Ganz anders verlief es für Sugar und Daniel Wagner: Die Fuchsstute stand bei ihrem vierten Erfolg en suite meilenweit über den Gegnern. Der Kilometerschnitt von 17,5/1.900m drückt nicht annähernd aus, was Sugar wohl hätte leisten können, wenn die Konkurrenten sie ernsthaft herausgefordert hätten. Das Rennen in zweiter Spur war für Sugar lediglich eine bessere Trainingseinheit – aus dem Schlussbogen heraus reichte der Fünfjährigen ein einziger trockener Sprint, um die Verfolger zu deklassieren.

Für Franzl Crowns Siegfahrer Benjamin Hagen kam ein zweiter Tageserfolg durch Elton (68:10) hinzu und seine Freude darüber war unübersehbar. Der Wallach, der zuletzt im September 2010 auf die Ehrenrunde gegangen war, beendete die lange Durststrecke mit einem exzellenten Vier-Längen-Triumph. Das Handicap-Rennen war Elton geradezu auf den Leib geschneidert. Zum Spaziergang wurde die Aufgabe trotzdem nicht, denn der erst auf der letzten halben Runde in die Schlacht geworfene Achtjährige musste einen Schnitt von 16,5/1.900m aufbieten, der die Tagesbestzeit der Mariendorfer Veranstaltung darstellte. Gleich im Anschluss sah es ebenfalls nach einem Erfolg für Benjamin Hagen aus, denn sein Schützling Master Ho offenbarte unterwegs einiges Laufvermögen. Doch in der entscheidenden Phase biss sich der Dreijährige die Zähne an dem gleichaltrigen, von Heinz Wewering gesteuerten Kay Ray Mo (12:10) aus, der das Kommando Ende der Gegenseite übernommen hatte und bis zur Linie nicht mehr abgab. Die Kilometerzeit von 18,6/1.900m spielte dabei eine untergeordnete Rolle – was Kay Ray Mo wirklich leisten kann, hat der nach zwei Starts noch ungeschlagene Hengst bisher nicht verraten müssen.

Neben Benjamin Hagen und Michael Hamann war Thorsten Tietz, der weiterhin in starker Form agiert, der dritte Doppelsieger des Nachmittags. Der in Schöneiche beheimatete Profi punktete zunächst mit Oscar Eck (45:10). Der Wallach gewann nach einem unspektakulären Verlauf in 20,6/1.900m und musste nicht allzu viel tun, um seinen zweiten Karrieresieg sicherzustellen. Oscar Eck hatte sich nach eher mäßigem Start kurz vor dem letzten Bogen an die dritte Position verbessert und ging im Einlauf recht locker an Morning Cloud (Herbert Strobl) vorbei, die das gesamte Rennen in der Außenspur bestritten hatte und sich tapfer verkaufte. Der zweite Treffer des Berufsfahrers fiel sogar noch deutlicher aus, denn Grand Slam (30:10) gewann völlig unangefasst. Bei seinem vierten Erfolg hintereinander ging der Fünfjährige noch auf der Startgeraden nach vorne und regierte das Geschehen in 18,3/1.900m wie ein König.

Ein waschechter Seriensieger könnte auch Udit de L’Aulnay (29:10) werden, obwohl er nach Meinung seines Mitbesitzers Werner Brendel vor allem in der Startphase noch sehr unruhig ist: „Das ist auch der Grund, warum sich Wladimir Gening auf den ersten Metern immer Zeit mit ihm lässt – keiner kennt das Pferd wie er!“ In der Tat: Der in der schleswig-holsteinischen Ortschaft Struckum lebende Profi setzte den Hengst goldrichtig ein. Auf dem ersten Kilometer lag Udit de L’Aulnay noch ganz hinten, doch auf der Gegenseite verbesserte der Dreijährige seine Position im Rush und zwang die führende Dynamic (Daniel Goehrke) in 18,3/1.900m nach Kampf mit einer halben Länge Vorsprung nieder.

Ähnlich wie der bereits genannte Elton hatte auch Milena (77:10) den Zielrichter über ein ganzes Jahr nicht mehr belästigt. Doch in der Hand von Roland Anders, der sie zuvor nur ein einziges Mal gesteuert hatte, bot die Siebenjährige am Sonntag eine wirklich ausgezeichnete Leistung, die mit Sicherheit keine Eintagsfliege sein wird. Die in den Farben von Thomas P. Feldhahn laufende Stute flog eine halbe Runde vor dem Ziel wie ein Pfeil an ihren Gegnern vorbei. Im Einlauf konnte der 20:10-Favorit Pedro MH (Daniel Wagner) den Abstand auf die 17,6/1.900m trabende Vierbeinerlady nicht mehr entscheidend verkürzen. Der Wallach hat mittlerweile eine ganz besondere Serie aufgestellt: Pedro MH landete schon zum fünften Mal hintereinander auf dem Ehrenplatz.  

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz:  117.432,28 Euro – Bahnumsatz:  35.229,50 Euro – Außenumsatz: 82.202,78 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 12. Dezember ab 18.30 Uhr statt.