Öffentliches Training der Ostsee-Quadrille in Pritzhagen: Harte Arbeit im Samba-Rhythmus

Wenn die Ostsee-Quadrille zum Training bittet, wird es voll auf Deutschlands Straßen. Aus fast allen Bundesländern und Luxemburg setzt sich eine kleine Armada an Fahrzeugen mit Anhängern in Bewegung. Ziel: Pritzhagen im Osten Brandenburgs. Das kleine Dorf mit der Reitanlage der Familie Senftleben ist nicht nur wunderschön, sondern vor allem etwas zu klein für all die Gespanne und sonntags zusätzlich für Gäste, die beim öffentlichen Training dabei sein wollen. Schon von Weitem sieht man am Dorfteich, dass in Pritzhagen nicht Alltägliches passiert. Kommen dann noch die vielen Zuschauer hinzu, wird es voll. Aber das ist für die überwiegend weiblichen Hauptdarsteller im Sattel und hinter der Bande nichts Neues. Große Zuschauermengen kennt man zur Genüge.

Jeweils vier Tage an zwei Wochenenden ist die helle und geräumige Reithalle der Familie Senftleben der Mittelpunkt für insgesamt fast fünfzig Paare mit 300 Beinen. Hinzu kommen die Helfer am Rand, Organisatoren usw. Und da ja nicht jedes Pferd zu  jedem Zeitpunkt immer fit ist oder gar nicht jede Show mitmachen soll und kann, wächst der Kreis der Mitglieder der Ostsee-Quadrille an und verändert sich ständig.

„Im letzten Jahr hatten wir eine ganze Reihe Abgänge zu verkraften“, beschreibt die künstlerische Leiterin Nicole Walper die Situation. Dabei ging es hauptsächlich um Pferde, die ein Alter erreicht hatten, in dem sie lieber auf der Weide als in der Arena sein sollen. „Aber wir haben viele neue Talente in unseren Reihen“, fügt sie nicht ohne Stolz in der Stimme hinzu.

Bevor jedoch jemand den Status als vollwertiger Member erhält, dauert es ein wenig. Zuerst bewirbt man sich mit Fotos und Videos. Ausbildungsstand von Pferd und Reiter werden abgecheckt. Meist reist ein Vertreter der OSQ zum Bewerber und lässt sich alles live vorführen. Dann wird diejenige (seltener derjenige) zu einem geeigneten Zeitpunkt zum Training eingeladen.

Bis dahin ist viel Zeitvergangen. Aber irgendwann stand in einer Mail drin: Auf nach Pritzhagen! Darüber freuen sich im Übrigen nicht nur die Reiter, die zum ersten Mal dabei sein dürfen, sondern alle die anderen, erfahrenen auch. Die Familienmitglieder der Ostsee-Quadrille nehmen viel auf sich, um gemeinsam zu trainieren und sich weiter zu entwickeln. Das ist kein Solo-Projekt von Einzelkämpfern, sondern harte Team-Arbeit - inklusive Unterordnung, Zurückstecken und öffentlicher Kritik. Das muss man schon abkönnen. Dickes Fell ist da immer gut.  

Am Standort Pritzhagen machen die Schwarzen und Weißen bereits zum dritten Mal Station. Es gefällt den Damen dort. Die Trainingsbedingungen sind sehr gut und für die abendlichen Zusammenkünfte gibt es ja noch das lauschige Kaminzimmer, in dem schon ganze Generationen von Reitern und Reitvereinen zusammen Zeit verbracht haben. Die wenigen Herren der Runde sind seltener im Sattel anzutreffen, als vielmehr mit Mistboy oder Stangen in der Hand. Für das Wohl aller sind hinter der Bande etliche Damen und Herren zuständig (pferdefreunde.co berichtete bereits im letzten Jahr von der großen Hilfsbereitschaft untereinander und den Kochkünsten der mitgereisten Gatten).

Warum eigentlich der ganze Aufwand mit dem Training? Die Mitglieder der Ostsee-Quadrille halten nach wie vor ihre eigenen Ansprüche sehr hoch und wollen diesen auch in jeder Sekunde gerecht werden. Die perfekte Show muss es eben nicht nur für die Zuschauer sein, sondern selbstverständlich ebenso für die Akteure. Anders ist es nicht möglich. Dafür muss trainiert werden - einzeln und in der Gruppe. Im heimischen Stall bringt jeder seine Lektionen hoch zu Ross allein auf Level. Beim Team-Training muss das alles unter einen Hut mit den anderen passen. Das ist vor allem dann eine Herausforderung, wenn sich die Vierbeiner noch nicht so gut kennen und ein wenig aneinander gewöhnt werden müssen. Denen geht es nicht anders als jenen, die oben drauf sitzen. Es handelt sich schließlich um sehr viele Herren, die da unter dem Leder zugange sind. Und die haben es bekanntermaßen mit dem Teamspirit manchmal nicht ganz so…

Das Trainingsziel: Am 01. und 02. Mai dieses Jahres steigt in der Lindenau-Halle zu Neustadt (Dosse) die 13. Nacht der Schwarzen Perlen. In diesem Jahr steht die Show unter dem Motto „Saltarello - Das Festival der Pferde“. Zu brasilianischen Samba-Rhythmen wird die Halle unter dem Hufschlag erbeben. So wie man es von der Ostseequadrille gewohnt ist. Nicole Walper ließ die große Friesen-Quadrille in Pritzhagen noch in etwas kleinerem Rahmen üben und machte so Andeutungen über den vielen Platz in Neustadt. Mal sehen, wie viele Friesen diesmal in einer Nummer zu sehen sein werden. Das bunte Programm bietet in diesem Jahr aber auch leise Töne. Mit viel Gefühl wird man sich den Herzen der Zuschauer nähern. Darin sind die Damen ja wahrliche Meister. Musik und Choreographie lassen wie in den Jahren zuvor nichts zu wünschen übrig. Die Nummer 13 macht da keine Ausnahme. Mehr wird aber seitens der Ostsee-Quadrille nicht verraten.

Wer sich eine kleine Vorstellung davon machen will, was in Neustadt zu sehen sein wird, kann am Sonntag, 19.04.2015 ab 14.00 Uhr beim öffentlichen Training in Pritzhagen dabei sein.

HIER geht es zu Bildern vom öffentlichen Training.

HIER geht es den Tickets für die Nacht der Schwarzen Perlen in Neustadt.

Bilder von Jan-Pierre Habicht ©