Oderbruch-Connection Teil 1: Erik Schubert aus Gorgast

Oderbruch-Connection Teil 1:

Erik Schubert aus Gorgast

Es gibt wohl wenige Menschen in der Pferdebranche, die hierzulande so bekannt und so beliebt sind wie Erik Schubert aus Gorgast im Oderbruch. Der mittelgroße, bescheidene Mann ist irgendwie immer gut drauf und hat für so ziemlich jeden und jede ein Lächeln im Angebot. Und dieses Lächeln ist niemals aufgesetzt oder gezwungen. Erik Schubert ist eben ein ehrlicher Typ, der aus der Pferdesportszene in Brandenburg und Berlin nicht mehr wegzudenken ist.  Dabei strahlt „Uns Erik“ wahrscheinlich mehr positive Energie aus, als Nina Hagen zu Weihnachten. Er kommt also an bei Reiters und den anderen drum herum. Und er ist ein offensichtlicher Sympathieträger des Pferdesports, von denen die Region viel zu wenige hat.

Erik Schubert ist kein echter Brandenburger. Im Jahre 1968 wurde er im sächsischen Freiberg geboren. Aber bereits mit sieben Jahren verschlug es seine Familie in den Bezirk Frankfurt/Oder nach Gorgast. Erik war in der Schule mit seinem sächsischen Dialekt die Sensation schlechthin. Heute merkt man nichts mehr von seiner sprachlichen Herkunft. Ein bisschen Mühe gibt er sich aber schon noch beim Sprechen; so ganz will der Dialekt nicht weichen.

In der DDR waren die Biografien geschrieben, bevor sie gelebt wurden. Erik Schubert als sehr guter Schüler machte eine Berufsausbildung mit Abitur zum Maschinen- und Anlagenmonteur in Nauen. Dann kam die Einberufung zur NVA und eigentlich sollte darauf ein Studium des Maschinenbaus folgen. Erik Schubert erkannte allerdings schnell, dass der Anteil Marxismus und Leninismus hoch war. Entschieden zu hoch für den jungen Mann. Das Studium ließ er sein. Er begann seine berufliche Karriere als Landarbeiter in der LPG in Klosterdorf bei Strausberg. Dort lernte er auch Uwe Nordt kennen. Die Zeit bis zur Wende war allerdings nicht mehr lang und mit Öffnung der Grenzen ging Erik in den Westen, um seine reiterlichen Erfahrungen zu nutzen, die er daheim in den letzten Jahren erlangt hatte. Neben Schule und Beruf ging es in der Familie Schubert nämlich irgendwie immer um Pferde. Auf dem elterlichen Hof waren welche zu finden und auch nebenan auf dem Volksgut. Klein-Erik fing nach seiner Eingewöhnungszeit in der Schule mit zehn Jahren an zu reiten. Bereits ein Jahr später trat er zu seinem ersten Turnier an. Dann war es um ihn geschehen; Diagnose: Pferdevirusinfektion im Endstadium-keine Rettung mehr möglich-Heilung ausgeschlossen. Erik Schubert hatte zum Glück frühzeitig sein zweites Standbein im Leben gefunden.

Und eben diese Reiterei brachte ihn nach der Wende in die Gegend um Gießen. Dort arbeitete er als Reitlehrer und Bereiter. Wohl hat er sich dort nicht gefühlt. Nach weniger als zwei Jahren war Schluss im Westen und er ging zurück in die Heimat. Im Oderbruch schlug er sich als Versicherungsvertreter und Verkäufer von Bauelementen durch. Es war keine leichte Zeit in Ost-Brandenburg in den frühen 90-er Jahren. Da war Reiten ein teures Hobby und musste irgendwie finanziert werden. Zum Glück mehrten sich im Laufe der Zeit die Einsteller und die Arbeit auf dem eigenen Reiterhof war wichtiger und brachte mehr ein als der Verkauf von Versicherungen. Das teure Hobby wurde zum Beruf. Und auch hier kam alles, wie es kommen musste. Land wurde dazu gepachtet, Gebäude erworben und seine spätere Frau Iris hat er auch durch das Reiten kennen gelernt. Beide haben einen 9-jährigen Sohn. Der kleine Hendrik hat es aber nicht so mit dem Reiten. „Um Gottes Willen“, entfährt es Erik. „Der soll mal schön Trecker fahren!“ Noch ist die Ansteckungsgefahr mit dem P-Virus sicher nicht gebannt. Ein Jahr hat der Kleine noch Zeit, um es seinem Vater gleich zu tun. Bis jetzt haben es ihm erst mal die dröhnenden Motoren angetan.

Seit Ende der 90-er ist Erik bereits als Parcoursbauer tätig. Sein Wissen hat er hauptsächlich von Wolfgang Meyer, der preußischen Parcoursbau-Legende. Erik nennt ihn „unseren großen Mentor“. Er hat ihm viel zu verdanken; auch das Schleppen von Stangen gegen Bezahlung beim CHI in der Deutschlandhalle, als sie noch stand und das CHI eine beachtenswerte Veranstaltung war. Meyer half offensichtlich auch kräftig dabei mit, Erik von der Berufsreiterei abzubringen. Mit einem gesunden Maß an Selbsteinschätzung ausgestattet, war für ihn die Profireiterei schnell kein Thema mehr. Der Parcoursbau allerdings schon. Im Jahre 2001 machte er in Warendorf seine Prüfung zum Parcoursbauer Klasse L. Noch in diesem Jahr wird er eine weitere Prüfung ablegen. Wenn er die bestanden hat, darf er bis S**** bauen. Dann hat er viel erreicht als Parcoursbauer.

Selbstverständlich: Sein Terminkalender ist voll bis zum Oktober. Nur mit Mühe kann er sich einige Termine für den eigenen Reitsport freihalten. Schließlich stehen in den eigenen Stallungen noch der 15-jährige Wallach Remus (Restaurator x Kai) und der 8-jährige Oldenburger (OS) Wallach Call me lion (Colanda x Sandro). Während Remus bereits 76 Springen gewonnen hat und sein Besitzer mit ihm die 100 anpeilt, ist die Zeit für Call me lion nun ebenfalls gekommen. „Remus ist ja etwas speziell und eigenwillig. Da habe ich es mit Call me lion schon leichter, aber er gehört mir nicht“, gibt der 43-jährige zu. Der Oldenburger war mit sieben Jahren zum ersten Mal S-platziert.

Aber die Reiterei und der Parcoursbau bringen auch Verpflichtungen mit sich. Als eine Größe des Pferdesports im Oderbruch stiehlt er sich nicht davon, wenn es um Verantwortung geht. Das beliebte Reitturnier in Gorgast/Manschnow wird ab sofort vom neu gegründeten PSV Oderland e.V. durchgeführt. Die Reiter haben sich vom dortigen SV gelöst und gehen nun eigene Wege. Erik Schubert ist der Vereinsvorsitzende und hat mit seiner gewinnenden Art bereits 30 Mitglieder zusammen getrommelt und kooperiert mit dem Gemeinderat sowie der Freiwillige Feuerwehr.

Auf die Frage nach Licht und Schatten im Brandenburger und Berliner Reitsport weiß er keine richtige Antwort. Er kann nichts Schlechtes sagen, auch wenn es in der Region vielleicht schwierig ist, ein Pferd zu verkaufen. Reittalente haben es auch schwer. Nach seiner Meinung gäben die geringen Verdienste im Osten nicht mehr her. Und damit hat er sicherlich recht. Andererseits freut er sich darüber, dass es hier nicht so kommerziell zugeht wie anderswo und dass man viel Platz zum Reiten hat. Erik Schubert mag den ländlichen Charakter seines Lebensraumes und macht daraus keinen Hehl. Und während er das erzählt, huscht wieder so ein leichtes Lächeln über sein Gesicht. Er erzählt von seinem Lieblingsturnier in Wustrow. Dort ist er schon als Kind geritten. Als erwachsener Mann gewann er dort mehrmals den Großen Preis.  Dabei ist aber kein Stolz in seiner Stimme. Er bleibt selbst bei Erinnerungen an aufregende Zeiten bescheiden und bodenständig. Die Transformation zum Preußen ist damit also abgeschlossen. Uns Erik gehört hierher und wir können froh sein, dass er da ist.

 

Die Story um die Oderbruch-Connection geht weiter. Teil 2 folgt in Kürze...