Nur zehn Derby-Finalplätze in Mariendorf 2013: Wer kommt weiter?

 

Vierzig Traber kämpfen um die zehn Derby-Finalplätze. Beim Matadoren-Klassiker streiten zwölf internationale Cracks um 100.000 Euro Preisgeld

Das Eduard Winter 118. Deutsche Traber Derby: Deutschlands bedeutendstes Trabrennen hat einen enormen Zuspruch erfahren. Vierzig Pferde treten in den fünf mit jeweils 20.000 Euro dotierten Vorläufen an und wie schon im Vorjahr wagt keine Stute den Gang in die Schlacht. Für jeden Vorlauf wurde ein Pferd gesetzt, die fünf prominenten Namen lauten Tiger Woods As, Stanislawski, Shoemaker, Easy Lover und More Caviar.

Im 1. Vorlauf steht Shoemaker (Heinz Wewering) auf dem Prüfstand. Der Dreijährige sollte problemlos ins Finale einziehen, denn er hat reichlich Erfahrung auf hoher Ebene gesammelt. Im Gelsenkirchener Adbell-Toddington-Rennen biss er sich an Tiger Woods As zwar gründlich die Zähne aus und die geplante Revanche im Buddenbrock-Rennen verpatzte er mit einem Fehler im ersten Bogen. Doch die Generalprobe für den Derby-Auftritt verlief großartig. Pico’s Boy (Dominik Locqueneux) schlüpfte im Buddenbrock-Trial mit etwas Glück innen durch zum Sieg. Duke of Greenwood (Peter Strooper) verpasste in Kopenhagens 3års-Eliten Rang zwei nur knapp, holte sich dabei eine exquisite Rekordmarke. Zwei schwedische „Nachbarn“ treffen hier erstmals aufeinander: Magic your Way (Conrad Lugauer) reist mit zwei Siegen an und der die Lasbeker Farben tragende Ibar (Joakim Lövgren) besuchte im vierten Anlauf erstmals den Winner Circle. Immosand und Quibello begannen ihre Laufbahnen stark, danach wurden die Brötchen etwas kleiner. Enttäuschend liest sich die Saisonausbeute von Dino Newport, dem als Breeders-Crown-Sieger über Shoemaker große Vorschusslorbeeren galten.

Im 2. Vorlauf ist Easy Lover (Roland Hülskath) vom Rennstall Marion Jauß aufgrund seines Sieges im Trial I des Adbell-Toddington-Rennens der Favorit. Auch seine weiteren zwei Siege und zwei Ehrenplätze können sich sehen lassen. Nu Pagadis Vollbruder Nu I Nu (Hugo Langeweg) vermasselte sein Münchner Debüt am Start, wechselte das Quartier und zeigte vier Wochen später in Duindigt, was in ihm steckt. Dort zog er ziemlich einsam seine Bahnen und er ist zumindest für den Ehrenplatz prädestiniert. Der Rest muss wohl schon ein gehöriges Schippchen drauf packen. Höwings Südsturm (Georg Frick) blies nach drei Siegen beim Buddenbrock-Rennen ein eisiger Wind ins Gesicht. Ähnliches galt auch für Pirlo (Gerhard Biendl), der sehr konstant ist, aber bei der Generalprobe in Mariendorf gegen zwei Alterskameraden keinen Stich bekam - eigentlich zu wenig, um ins große Finale weiter zu ziehen. Velten HallofFame (Jan Wagenaar) schlug als glasklarer Favorit zum ersten Mal voll zu; danach gab es nur noch einen Probelauf. Für Dulco di Quattro und Gri Gerry muss schon alles passend verlaufen und der nobel gezogene Greenspan bekam nach zwei Siegen recht deutliche Grenzen aufgezeigt.

Im 3. Vorlauf führt kein Weg an Stanislawski (Robin Bakker) vorbei, auch wenn er der große Pechvogel des Buddenbrock-Rennens war. Er hatte seinen als quasi unverlierbar geltenden Trainingsgefährten Tiger Woods As trotz des schlechteren Rennverlaufs bereits in die Knie gezwungen, doch unmittelbar vor dem Zielpfosten verlor Stanislawski das Geläuf. Zuvor hatte er den Trial I souverän gewonnen. Im Trial II machte er die „Drecksarbeit“ und knackte More Caviar, doch der innen durchschlüpfende Pico’s Way schnappte ihm den Sieg weg. Erfahren, sicher, gut - das sind die Pfunde, mit denen Most Wanted As (Michael Schmid) wuchern kann; nur einmal nahm er kein Preisgeld mit. Anfang Juli kam er im direkten Vergleich gegen Wee Can As (Gerhard Biendl) mit dem anspruchsvolleren Rennverlauf sicher zum Zuge. Donehill (Rob de Vlieger) hat zuletzt sehr für sich geworben, nach zwei sicher herausgelaufenen Siegen steigt er nun ins große Geschäft ein; da ist die Endlaufteilnahme keine Utopie. Der Trostlauf sollte für Wirbelwind, Anubis Silk und Oldtimer Diamant das Ziel sein. Golfino Bo konnte nur zweijährig punkten.

Auch wenn er beim Buddenbrock-Rennen an den Rand einer Niederlage geriet – der im 4. Vorlauf antretende Tiger Woods As (Robin Bakker) bleibt der Hauptfavorit für den Derby-Sieg. Ein spektakulärer Traber: Schon der Preis von 34.000 Euro, den er auf der Jährlingsauktion gekostet hatte, war nicht alltäglich und seine Qualifikation absolvierte er in 1:15,0. Und auch wenn er gegen Stanislawski fast ins Stolpern geriet – seine Weste blieb weiß. Auch der Lokalmatador Fridericus (Thorsten Tietz) ist bisher ungeschlagen. Bei seinen letzten beiden Siege rollte der Wallach das Feld von hinten auf. Nächster Final-Kandidat ist David F Boko, der die Gegner kürzlich regelrecht stehen ließ. „Genau so muss er gehen, will er eine Chance auf den Derby-Endlauf haben“, kommentierte sein „Käpt’n“ Michael Schmid die Chancen. Obelix Diamant (Rob de Vlieger) löste die bisherigen Aufgaben recht locker - bis auf den letzten Start, den er schon nach 300 Metern in vorderer Linie verpatzte. Hier könnte die alte Theaterweisheit von der missglückten Generalprobe gelten, doch dafür muss er drei ganz schwere Steine aus dem Weg räumen. Während für Disjon TS und SJ’s Victor wohl der olympische Gedanke zählt, hat Hallo again schon mit der Jahrgangsspitze gekreuzt und dabei nicht schlecht ausgesehen. Aus dem Dunkeln kommt Prince Flevo, der sich zweijährig in allen wichtigen Prüfungen prächtig schlug und den Mariendorfer Winterfavoriten-Trial gewann. Ohne einen Jahresstart im Leib trifft er es hier aber sehr schwer an.

Der erfahrene und bombensicher daherkommende More Caviar (Arnold Mollema) sticht im 5. Vorlauf heraus. Der Ehrenplatz im Buddenrock-Rennen weit hinter den kämpfenden Tiger Woods As und Stanislawski kam eher glücklich zustande. An jenem Tag. war er aber deutlich vor dem Mitte des Einlaufs als müder Vierter angesprungenen Ciao Amore (Josef Franzl), der nach drei feinen Siegen im Alltagssport an seine Grenzen stieß. Dem mit guten Leistungen durchs Traberleben wandelnde Gentleman As (Michael Nimczyk) sollte zumindest der Sprung in das B-Finale möglich sein. Den dürfte auch Theodor Fontane (Thorsten Tietz) im Visier haben, der seine Karriere mit einem echten Paukenschlag begann. Danach ging es aber mit fehlerhaften Vorstellungen eher rückwärts, daher ist Lord Philipp (Michael Schmid) als gleichwertig einzustufen. Der Love-You-Sohn hielt sich gegen routinierte ältere Pferde bis zum Pfosten wacker. Let’s gos Champ schaffte auf den letzten Drücker seinen ersten Sieg. Dennoch bleibt er genauso Außenseiter wie der noch sieglose Valentien W., der als Zweiter im Buddenbrock-Trial I seine beste Leistung bot. Julio Cortina gewann die Probe aufs heutige Exempel stramm vorneweg, doch diese Taktik dürfte von der Startposition acht aus in dieser Gesellschaft kaum umzusetzen sein.

Als geradezu sensationell ist das Starterfeld des Matadoren-Rennens zu bezeichnen. Der erstmalig 1888 in Weißensee und dann ab 1919 regelmäßig in Mariendorf ausgetragene Klassiker besitzt einen exzellenten Ruf. Trotz der großen Konkurrenz durch das am 30. Juli in Schweden stattfindende Hugo Åbergs Memorial ist es dem Berliner Veranstalter gelungen, ein Teilnehmerfeld der Extraklasse für das mit 100.000 Euro dotierte Rennen zu generieren. An prominentester Stelle ist der Amérique-Dritte Main Wise As (Pierre Levesque) zu nennen, der auf eine Gewinnsumme in Höhe von über 1,4 Millionen Euro kommt. Der niederländische Derby-Sieger Amour de Occagne (Christophe Martens) gewann zuletzt in Vichy zwei mit 80.000 und 120.000 Euro dotierte Prüfungen – sein phänomenales Können ist noch nicht einmal annähernd ausgereizt. Classic Grand Cru (Stehen Juul) war im Elitloppet Dritter und er ist mit seinem Rekord von 1:09,6 min. das schnellste deutsche Pferd aller Zeiten. Joke Face (Lutfi Kolgjini) gewann das schwedische Derby, Lobell Countess (Peter Strooper) das deutsche Pendant. Man könnte die Liste der Erfolge der zwölf Siegertypen unendlich fortführen. Doch welch geballte Klasse in Berlin antritt, vergegenständlicht vor allem die Summe des Preisgeldes, das diese vierbeinigen Matadoren bisher erkämpft haben – nämlich zusammengerechnet 5,8 Millionen Euro!  

Unsere Tipps:

1. A Speedy Boy – Gibson – Bestseller

2. More Caviar – Ciao Amore – Lord Phillip                      

3. Alpamayo Montana – Garry – Rio Chavon – Afreiha                                                          

4. Nu I Nu – Easy Lover – Pirlo

5. Harry’s Bar – Acapulco Boshoeve – Preussenstern

6. Roma de Vandel – Proud Amber – Trible Laser

7. Lou Trec – Lord of Magic – Green Love

8. Shoemaker – Pico’s Boy – Magic your Way                  

9. News of Hanke – What a Feeling – Robert Keeper                                                                

10. Stanislawski – Most Wanted As – We Can As                

11. Danyel Gerard – Helios – Vantastic                                                                

12. Tiger Woods As – Fridericus – Prince Flevo                      

13. Amour d’Occagnes – Main Wise As – Monster Drive                                                                  

14. Radiosa Gual – Mona Kavenga – Oscar Eck