Neue Initiative „Pferde für unsere Kinder“: Kinder sollen vom vierbeinigen Lehrer Pferd profitieren

„Pferde für unsere Kinder“ – unter diesem Motto fiel mit einer großen Gründungsgala Ende Juni in Dagobertshausen der Startschuss für die gleichnamige Initiative. Ihr Ziel: In zehn Jahren soll jedes Kind in Deutschland die Möglichkeit haben, in seiner persönlichen Entwicklung durch den positiven Einfluss des Pferdes unterstützt zu werden.

Dazu hat der gemeinnützige Verein „Pferde für unsere Kinder“ mehrere Projekte und Maßnahmen aufgelegt, für die er nun Unterstützer sucht. So sollen in den kommenden Jahren 10.000 Holzpferde an Kindergärten verteilt werden, um erste Berührungen zwischen Kind und Pferd zu ermöglichen. Unternehmen und Förderer können ein oder mehrere Holzpferde für Kindergärten erwerben und stiften. Zusammen mit dem Lernkoffer für Kindergärten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) können die Kleinsten dann „Pferd spielen“ und die Erzieher ihnen das Thema Pferd inhaltlich vermitteln. Idealerweise werden die Kindergärten von Züchtern, Reitvereinen und privaten Pferdehaltern zu einem Pferdetag in ihren Betrieb eingeladen, um die Vierbeiner mit allen Sinnen zu erleben und hautnah vom Pferd fasziniert zu werden.

Dienen diese Projekte dazu, Kindern einen positiven Erstkontakt mit Ponys und Pferden zu bieten und Eltern und Erzieher über die pädagogische Wirkung der Pferde zu informieren, zielen zwei weitere Projekte auf die Verbesserung der Infrastruktur mit Ponyreitschulen ab. Mit einem Gründungswettbewerb sollen neue Ponyreitschulen als Existenzgründer finanziell gefördert und inhaltlich begleitet werden, damit andere ihrem Beispiel folgen und die praktischen Erfahrungen nutzen können. Auch wenn viele der bestehenden Ponyreitschulen aus pädagogischer Überzeugung entstanden sind: Dass man mit der Zielgruppe „Vorschul- und Grundschulkinder“ Geld verdienen kann, haben nicht erst Reitschulen wie das im Rahmen der Gründungsgala vorgestellte Kinderreitsportzentrum von Ulrike Mohr bewiesen. Wartelisten sind – leider – Standard. Die Nachfrage ist riesig. Gerade hat Ulrike Mohr ihren zweiten Betrieb eröffnet. Mit Ponys spielen, reiten und Hausaufgaben machen – jede Woche ist für 600 Kinder in Bensheim das Leben ein Ponyhof.

Eine Aufgabe, die Spaß bringt und neben Leidenschaft erfahrene Ausbilder braucht. Daraus ergibt sich ein weiteres Projekt: Das Hessische Landgestüt in Dillenburg soll als bundesweiter Leuchtturm für die Heranführung von kleinen Kindern an Ponys ausgebaut werden. Auch eine Beziehungspflege zu den Kindergärten und Schul-AGs soll aufgezeigt werden. In jedem Bundesland soll ein Stützpunkt entstehen.

„Wir alle lieben Pferde, müssen uns aber um die Zukunft des Pferdes in unserer Gesellschaft Gedanken machen“, sagte Frank Henning, einer der fünf Initiatoren und Veranstalter der Reitsport-Lehrserien „Reiter Forum“ und „Die Alten Meister“. Die Zahl der Kinder in Deutschland nimmt ab. Die Kinder, die es gibt, haben aufgrund von Schulzeiten immer weniger frei verfügbare Zeit. Zudem leben immer mehr Menschen und damit auch Kinder in Städten. Kurzum: der Kontakt zu Pferden nimmt ab. Das Pferd verschwindet zunehmend aus dem Bewusstsein der Gesellschaft. Ein großer Verlust, denn damit verliert die Gesellschaft einen vierbeinigen Lehrer, von dem Kinder sich gerne erziehen lassen. „Viele Eltern wissen gar nicht, wie positiv der Einfluss von Pferden auf Kinder sein kann: Sie lehren Kameradschaft, Verantwortungsbewusstsein, emotionale Stabilität, Zuverlässigkeit, Respekt vor der Natur, Selbstvertrauen und Geborgenheit“, sagte Mit-Initiator Volker Wulff, Turnierveranstalter und Chef von EN GARDE Marketing.

„Wir widmen uns seit einem Jahr mit viel Herzblut dieser Initiative. Je länger wir uns mit dem Thema befassen, desto mehr ist uns die Notwendigkeit und Größe der Aufgabe klar geworden“, sagte Mit-Initiator Thomas Casper, Inhaber des Gestütes Birkhof. „Das muss eine nationale Aufgabe werden. Jeder muss in seinen Möglichkeiten mitmachen“, forderte er alle Pferdeleute auf, sich zu beteiligen. Möglichkeiten bietet die Initiative viele: Von Geldspenden über Fördermitgliedschaften bis hin zu praktischer Unterstützung. Allein um die Initiative an den Start zu bringen, hat das Initiatoren-Quintett, zu dem auch Dr. Christina Münch, HorseFuturePanel, und Georg Ettwig, Leiter der FN-Abteilung Marketing und Kommunikation, gehören, Geld und Zeit investiert.

Dass der Start einen attraktiven Rahmen bekam, dafür sorgte die Familie Pohl. Sie spendete die Ausrichtung der Gründungsgala auf ihrem Hofgut Dagobertshausen. Und auch das Programm stimmte: Ulrike Mohr gab den über 100 Gästen mit ihren kleinen Reitschülern und Ponys einen Einblick in ihren Alltag als Kinderreitschule. Maja Hegge mit Shetty Gijs begeisterte mit einer Freiheitsdressur und mit der freilaufenden Araber-Stutenherde des Haupt- und Landgestütes Marbach in der Reithalle sprachen die Pferde für sich.

Zusammen mit den Reden und vielen emotionalen Momenten wie einer Videobotschaft von Fußballweltmeister Thomas Müller – „die Beziehung zu Pferden ist ein Riesenspaß“ – legte die Initiative einen überzeugenden Start hin. Müller ist einer von vielen prominenten Unterstützern. Weitere Mitstreiter und Förderer wurden noch vor Ort gewonnen. „Wir finden, das ist eine tolle Aktion. Meine Familie und ich, wir leben mit und von den Pferden. Deshalb unterstützen wir die Initiative“, sagte Stella Böckmann, Böckmann Fahrzeugwerke. Ähnlich überzeugt äußerten sich Ralf Laubheimer, Inhaber von hiwo-systembau, Burkhardt Preuß, Verkaufsleiter der Mercedes-Benz Niederlassung Neu-Ulm, und Alfred Behrens, BSC-Partner, die zusammen mit vielen anderen die Initiative mit einem Startkapital ausstatteten, um die verschiedenen Projekte und Maßnahmen zu realisieren, mit denen das Ziel erreicht werden kann. „Pferde vermitteln Werte, die für unsere Gesellschaft ziemlich nützlich sind. Und darum brauchen wir Pferde für unsere Kinder“, sagte Gastredner Hartmut von der Tann, Fernsehjournalist und ehemaliger ARD-Sportkoordinator. Und darum braucht die Initiative viele Unterstützer.