Nationenpreis Zweispänner und Vierspänner Riesenbeck 2015: Doppel-Gold für Deutschland

Fast zu schön, um wahr zu sein und ‚Mission erfüllt‘: Die beiden Nationenpreise der Zwei- und Vierspännerfahrer wurden von deutschen Teams gewonnen. Eine großartige Leistung, die den Kollegen im Springsattel und in der Dressur in diesem Jahr nicht vergönnt war! 9500 Zuschauer säumten am Wochenende in Riesenbeck die Strecke im Wald und im Rasenstadion. Zufriedene Gesichter, glückliche Gewinner und ein 1. Vorsitzender des austragenden Reitervereins Riesenbeck, Freiherr Philipp Heereman, der sich bestätigt fühlt: „Riesenbeck ist das Mekka des Fahrsports. Spitzenfahrsport hat hier ein zuhause, und so soll es auch bleiben!“

Zweispänner, Zusammenfassung:

Die Zweispännerfahrer haben es geschafft: Die deutsche Hymne erklingt im Stadion in Riesenbeck für den Sieg im Preis der Nationen. Arndt Lörcher, Anna Sandmann und Sebastian Warneck stehen mit 285,75 Punkten deutlich vor Gerald Rössler, Christian Schlögelhofer und Isidor Weber aus Österreich, 312,14 Punkte. Sie verdrängten in der letzten Teildisziplin, dem Kegelfahren am Sonntagmorgen, die bis dahin an zweiter Stelle rangierenden Niederländer auf den dritten Platz, 312,39 Punkte.

Auch in der Einzelwertung der Kombinierten Prüfung musste sich der beste Niederländer, Harrie Verstappen, nach 10,39 Strafpunkten im Kegelparcours hinter vier deutschen Fahrern einreihen. Vor dem Weltmeister von 2009 stand Stefan Schottmüller, als Einzelfahrer für Deutschland am Start, der mit einer von nur drei Nullrunden im Kegelparcours von Platz acht auf den vierten Rang fuhr, 148,41 Punkte. Der dritte Platz ging an Anna Sandmann (147,57 Punkte), die ganz knapp an einer Nullrunde im Kegelfahren vorbeischrammte. Als eine von wenigen Fahrten in der erlaubten Zeit fiel ausgerechnet am letzten Tor ein Ball, drei Strafpunkte. Zweiter in der Kombinierten Wertung wurde Sebastian Warneck. Der Staatsanwalt aus Nussdorf ist seit Wochen in guter Form, brachte auch in Riesenbeck in allen drei Teilprüfungen solide Leistungen und hatte am Ende 142,51 Punkte auf seinem Konto. Strahlender Sieger war der jüngste Teilnehmer im Feld, der erst 18- jährige Marco Freund aus Dreieich. Selbst ein Fehler im Kegelparcours und eine nicht ganz gelungene Marathonfahrt konnten den Sieg nicht gefährden, so gut war seine Dressurleistung. Der Sohn von Fahrsportlegende Michael Freund fährt seit Wochen auf einer Welle des Erfolges, Riesenbeck war sein dritter Sieg in Folge in einer Kombinierten Prüfung, 138,12 Punkte standen im Protokoll. Er wäre sicher ein heißer Titelanwärter bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft der Zweispännerfahrer im September in Ungarn, dafür steht er leider nicht zur Verfügung. Bereits in wenigen Tagen fährt der junge Mann in die USA um dort sein letztes Schuljahr zu absolvieren.

Claudio Fumagalli aus Italien hatte sich schon in der Dressur an die Spitze des Feldes setzen können, die Ehrenrunde nach dem Kegelfahren führte er ebenfalls an. Er war der Schnellste, hinter ihm rangierte der Deutsche Stefan Schottmüller, Rafal Wojtacha aus Polen folgte auf Platz drei.

Für die Weltmeisterschaft m September in Ungarn hat der Ausschuss Fahren des Deutschen Olympiade- Komitees das siegreiche Team aus Riesenbeck benannt. Arndt Lörcher (Wolfenbüttel), Anna Sandmann (Lähden) und Sebastian Warneck (Rangsdorf) versuchen ihren Sieg zu wiederholen. Als Einzelfahrer sind Sandro Koalick (Drebkau) und Stefan Schottmüller (Kraichtal) nominiert. Letzterer ist Reserve für das Team.

Vierspänner, Zusammenfassung

‚Mission erfüllt‘ können auch die Vierspännerfahrer melden. Nach acht Jahren endlich wieder der Sieg in einem Nationenpreis im eigenen Land, da war die Freude groß. Michael Brauchle, Christoph Sandmann und Georg von Stein siegten mit 317,80 Punkten von den nur mit zwei Fahrern angetretenen Ungarn. Vater und Sohn Doborvitz waren in allen drei Teilprüfungen gleichmäßig stark, mit 326,23 Punkten setzten sie sich deutlich von den Niederländern auf Platz drei ab, 338,98 Punkte.

Schon nach dem zweiten deutschen Starter im Kegelfahren war der Sieg sozusagen „in trockenen Tüchern“. Christoph Sandmann als letzter Starter konnte deshalb volles Risiko fahren um seinen zweiten Platz in der Kombinierten Wertung auf jeden Fall zu halten und den ganz knapp vor ihm liegenden Boyd Exell unter Druck zu setzen. „Fahr mal los“, gab Bundestrainer Karl- Heinz Geiger dem mehrfachen Deutschen Meister mit auf den Weg, „schmeiß nur die Kutsche nicht um“! Und Sandmann gab alles, blieb auch in der eng bemessenen Zeit, kassierte aber einen Abwurf. Der gefährdete nicht seinen zweiten Platz (155,61 Punkte), verringerte aber den Druck auf den dreifachen Weltmeister Boyd Exell. Der bewies einmal mehr seine Klasse, fuhr ohne Strafpunkte durch den Parcours und siegte, wen wundert`s noch, in der Kombinierten Prüfung (152,00 Punkte). Exell fährt seit langem in einer anderen Liga, so scheint es. Als Australier ist er in Aachen bei der Europameisterschaft außen vor. Schon vor einigen Wochen erklärte Christoph Sandmann mit leichtem Schmunzeln dass es „nicht so schlecht ist, wenn Boyd mal nicht am Start ist…“.

Jéròme Voutaz aus der Schweiz gewann vor Exell das Kegelfahren in unglaublichen 174,12 Sekunden. Diese Zeit erreichte niemand mehr auch nur annähernd, außer ihm und Exell blieb nur József Dobrowitz strafpunktfrei in der Zeit. Dieses Ergebnis verbesserte seine Rangierung in der Kombinierten Wertung auf Platz drei (160,42 Punkte). Michaels Brauchle verbuchte 165,13 Punkte in der Einzelwertung, Platz sechs. Zwei Abwürfe im Kegelparcours warfen den dritten Mannschaftsfahrer, Georg von Stein, mit 166,64 Punkten auf den achten Platz zurück. Dennoch eine starke Leistung für den Mann aus Modautal, der wegen seines Gipsfußes nicht den Parcours abgehen sondern lediglich auf einem Golfcar sitzend den Kurs besichtigen konnte.

Die Fahrer der siegreichen Mannschaft im Nationenpreis in Riesenbeck werden auch in Aachen die deutschen Farben vertreten. Als Einzelfahrer benannte der Ausschuss Fahren des Deutschen Olympiade- Komitees Rainer Duen (Minden), Dirk Gerkens (Paderborn) und Ludwig Weinmayr (Fischbachau).

Fazit des Siegers der kombinierten Wertung der Zweispännerfahrer, Marco Freund (18 Jahre alt):

„Riesenbeck ist unvergleichlich. Für mich ein Highlight im Jahr, das war schon immer so. Auch als ich noch nicht selbst hier gefahren bin, habe ich mich immer darauf gefreut und war wahnsinnig gern hier. Und jetzt als Sportler ist es natürlich noch besser.

Riesenbeck hat ein besonderes Flair, das machen nicht nur, aber zum großen Teil, die Zuschauer aus. Wo gibt es schon mal so viele Zuschauer bei der Marathonfahrt, so viel Applaus? Sogar heute Morgen beim Kegelfahren sind hier viele Leute, das spornt uns Fahrer an.

Ich freue mich sehr, hier gewonnen zu haben, ein Sieg in Riesenbeck ist ein besonderer. Das Turnier muss unbedingt bestehen bleiben, dafür müssen wir kämpfen. Wir sind deshalb dankbar für das schöne Turnier, das wir hier wieder erleben durften und hoffen, dass es weiterhin ein Highlight im Turnierkalender bleibt.“

Fazit von Arndt Lörcher, Aktivensprecher der Gespnnfahrer und Goldmedaillengewinner im Nationenpreis Zweispänner:

„Das Turnier war die letzte Station vor der WM, es ist sehr gut, dass wir den Nationenpreis gewonnen haben und diesen Schwung mitnehmen können. Riesenbeck ist für uns ein absolutes Saison-Highlight. Es hat einen hohen Stellenwert, wir hoffen, auch weiterhin unseren Sport hier austragen zu dürfen. Die Marathonstrecke ist sehr anspruchsvoll, hier finden wir einen Standard vor, der es zulässt, sich mit anderen Nationen zu messen.

Fazit des Siegers der kombinierten Wertung der Vierspännerfahrer, Boyd Exell:

„Das war ein hartes Stück Arbeit für mich, jetzt bin ich sehr zufrieden. Riesenbeck ist für uns Fahrer immer eine Reise wert, das Turnier hat große Tradition.“

Fazit des 1. Vorsitzenden des Reitervereins Riesenbeck, Philipp Freiherr Heereman:

„Wir sind überglücklich mit dem Verlauf der Turniertage. 9500 Zuschauer erlebten internationalen Spitzenfahrsport, und als Sahnehäubchen siegten beide Teams in den Nationenpreisen. Riesenbeck ist das Mekka des Fahrsports, hier dominiert der Sport und nicht die Show. Man kommt hierher zu uns, um Kutschen zu sehen. So wird es auch in Zukunft bleiben.“

Bilder:

Siegerehrung Nationenpreis Zweispänner, Foto: Dr. Jürgen Schwarzl

Siegerehrung im Nationenpreis der Vierspänner - Foto: Dr. Jürgen Schwarzl