Nachlese HIPPOLOGICA Berlin 2012: Man macht es nicht allen recht…

„Same procedure like last year…“  möchte man sagen. Es gibt mal wieder alle Fraktionen auf der HIPPOLOGICA in Berlin im Jahre 2012. Da sind die, die immer meckern und die, denen es egal ist. Es gibt die zielorientierten Käufer und die Konsumrausch-Maniacs. Viele kommen auch nur, um sich zu informieren oder um sich die Show und den Sport zu geben. Manche vereinen alles und sind entweder ganz zufrieden, ein wenig zufrieden oder auch nicht. Egal, von welcher Seite man die HIPPO betrachtet, man muss es mögen. Aber das ist ja bei jeder Messe so.

Gefühlt war für die meisten befragten Besucher in diesem Jahr mehr Platz, als in den vergangenen Jahren. Das könnte daran liegen, dass die Zahl der Aussteller zurückgegangen ist. Kann aber auch sein, dass sich vielleicht nur die Zahl der Händler etwas kleiner wurde, dafür aber mehr Infostände da waren. Informatives muss eine Messe in jedem Fall bieten. Das Geschrei wäre groß, wenn es das sinnvolle und gut besuchte HIPPOFORUM nicht mehr geben würde. Die eine oder andere Innovation wäre schön, wenn es denn so etwas noch gibt in der Branche…

Das Echo der Händler war in jedem Fall überwiegend positiv, was zumindest auf einen ordentlichen Umsatz hinweist. Und das ist wichtig, denn Manski, Petersen und Co. sollen möglichst im nächsten Jahr wiederkommen und die Kaufwilligen beglücken. Ab und an war auch zu hören, dass die Händler alle das Gleiche anbieten, was verständlich ist, denn jeder packt auf seiner kleinen und nicht gerade günstigen Verkaufsfläche das ein, was er auch am schnellsten und in großer Stückzahl los wird. Eine Messe muss sich nun einmal rechnen.

Ganze vorne lagen die Anbieter, die sich auf ausgesuchte Produkte beschränkten und dafür so viele Variationen wie möglich parat hatten. Selbstverständlich denkt natürlich jeder Besucher, dass sein Wunsch nun wirklich alltäglich ist und war dann enttäuscht, wenn es den absolut richtigen Farbton der Abschwitzdecke dann doch nicht gab. Soll vorkommen… Vielleicht hätte es mehr Reitstiefel geben sollen … egal. Nobody’s perfect. Auch nicht die HIPPO.

In den Messehallen unter dem Funkturm versucht man seit Jahren, die eierlegende Wollmilchsau zu züchten. Das gelingt eigentlich ganz gut. Man weiß nur nicht genau, ob die Kunden mehr auf Eier oder auf Wolle stehen – wahrscheinlich ja sowieso auf beide Sachen. Das „Triple–S“ aus Shopping, Show und Sport ist auf jeden Fall in der Region und darüber hinaus einzigartig.  Kann unsereins eben nur an diesen vier Tagen so erleben. Ähnliche Veranstaltungen sind hunderte Kilometer entfernt.

Und trotzdem fehlen einige Sachen, die bestimmt wichtig sind und nach Meinung der befragten Besucher einfach dazugehören. Das Thema „Hund“ in all seinen Facetten findet fast keine Beachtung und wurde von vielen schmerzlich vermisst. Irgendwie gehört der Wauzi für die meisten zum Reit- und Fahrsport dazu. Das wäre so ein Anstoß für das nächste Jahr. Bestimmt würde sich auch eine Art Wegweiser im Netz lohnen, wo die Händler schon im Vorfeld der Messe relativ detailliert beschreiben, wer was verkauft. Das ist nicht nur Werbung, sondern eine echte Entscheidungshilfe für Kunden mit einem nüchternen Konsumplan. Und dazu kann man auch gleich noch die Marken nennen, die man vertreibt. Ist für viele nämlich auch wichtig – zum Beispiel wegen des passenden Farbtons der Abschwitzdecke…

Dann ist da leider, leider noch immer die fehlende Anzeigentafel für den Sport. Zwei Sieben-Segment-Zeitanzeigen sind von den Tribünen nicht nur schlecht zu sehen; sie entsprechen auch nicht dem Niveau der Wettbewerbe und der sportlichen Qualität der Teilnehmer. Da eignet sich die große blaue Wand gegenüber der Tribüne hervorragend. Man könnte das dort übrigens mit einem vernünftigen Beamer machen. Der kostet bestimmt nur ein Zehntel einer 4m²-LED-Wand.

Auch wenn es vielleicht nicht pc ist, aber an dieser Stelle muss es einfach wieder erwähnt werden. Es fehlte auch der Präsident des Landesverbandes Pferdesport Berlin-Brandenburg. Die HIPPO ist mit Sicherheit das wichtigste Ereignis des märkischen Pferdsports zusammen mit den Landesmeisterschaften. Und so schön, wie es ist, dass die Stellvertreter des obersten LPBB-Repräsentanten da waren, aber Goldene Reitabzeichen werden hierzulande nicht auf jedem Turnier überreicht und die Berufung des Nachwuchskaders findet auch nur einmal im Jahr statt. Umso löblicher waren die Anstrengungen der anwesenden LPBB-Verantwortlichen, die gleichzeitig an allen Orten waren und in Multitasking-Manier die Show mit Leben füllten. Geschäftsführer Peter Fröhlich bekam hoffentlich kein Kilometergeld, sonst wären die Kassen des Landesverbandes jetzt bestimmt leer.

Was bleibt also von der HIPPO 2012? Gemischte Gefühle bei den Besuchern, traurige Gesichter bei den Profis, weil der Überflieger aus dem Osten mal wieder die Prämien in den eigenen Stall geholt hat, unvergessliche Eindrücke von beeindruckenden Showeinlagen, Reste von Adrenalin wegen der Spannung in den Wettbewerben,  jede Menge Geschenke unter dem Weihnachtsbaum und damit beruhigte Gewissen, weil man jetzt wenigstens nix mehr für die pferdeverrückten Verwandten suchen muss. Und am Ende des Tages freut man sich insgeheim doch anscheinend irgendwie schon wieder auf die nächste HIPPOLOGICA, die dann hoffentlich ein paar mehr Händler, einen Anzeigentafel und den Präsidenten des LPBB im Gepäck hat.

Wer in der restlichen Zeit des Jahres Zubehör für die Hotten oder sich selbst sucht, findet das Passende bestimmt auch bei seinem Local Dealer, der zwar kein Mega-Store ist, aber dafür der Sponsor des nächsten Turniers und die beste Tratschzentrale nach dem Facebook-Chat.