Nachlese EM Pony Jaszkowo/POL: Dressur, Springen und Vielseitigkeit



 

Nachlese EM Pony Jaszkowo/POL:

Dressur, Springen und Vielseitigkeit



 Dressur:

Jaszkowo/POL (fn-press). Die „Mission Gold“ war erfolgreich. Nach einjähriger Pause eroberte die deutsche Dressurmannschaft bei den Pony-Europameisterschaften im polnischen Jaszkowo den Titel zurück. Bundestrainerin Cornelia Endres (Dülmen-Buldern) hatte ihre EM-Paare auf den Punkt genau vorbereitet und so kam zu Team-Gold auch noch Gold, zwei Mal Silber und Bronze in der Einzelwertung hinzu. „Meine Mädchen waren hier alle in einer super Verfassung und sind toll geritten. Wir haben fünf Medaillen geholt und unser Mannschafts-Gold mit deutlichem Vorsprung zurück erobert“, zog Endres sportlich gesehen ihr positives EM-Fazit.


Als „spektakulär“ bezeichnete Cornelia Endres die Ritte von Grete Linnemann (Sittensen)  mit Cinderella M WE (77,9 Prozent) und Jessica Krieg (Heinsberg) mit Danilo (76,2 Prozent), die mit ihren Noten in der Mannschaftsprüfung den Ton angaben. „Den vielleicht bisher besten Ritt in ihrem Leben mit Lord“ (O-Ton Endres) lieferte die Drittplatzierte Lena Charlotte Walterscheidt (Mönchengladbach) mit Equestrions Lord Champion (76,1) ab. Ein großes Lob bekam auch die erst elfeinhalbjährige Semmieke Rothenberger, die sich erst kurz vor der EM mit klasse Vorleistungen ins Team geritten hatte. „Unsere Jüngste ist hier obercool geritten und hatte nur einen kleinen Fehler“, freute sich Endres über deren Euro-Premiere (72,1 Prozent, Platz sieben). Nach dem „Ausrutscher“ der seit Jahren auf Gold abonnierten deutschen Ponydressurreiter bei der Vorjahres-EM – damals gab es „nur“ Silber – eroberten sich die Mädchen den Titel von den Holländern zurück. Diese mussten mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen. Bronze gab es für das Team aus Dänemark.

Wie in der Mannschaftsprüfung hatte Grete Linnemann mit Cinderella M WE v. Constantin – Donnerhall auch in der Einzelwertung die Nase vorn (76,92 Prozent) „Grete ist heute mutig und mit viel Risiko zu Gold geritten. Es gab nur winzige technische Fehler“, lobte Endres nach der Vorstellung. Auch Silber ging an die Deutschen. Mit einem „superfeinen, stilistisch anspruchsvollen und vor allem blitzsauberen Ritt“ steuerte Lena Charlotte Walterscheidt ihren „Lord“ durchs Viereck (75,84 Prozent). Bronze ging an die Holländerin Dana van Lierop mit Day of Diva (75,47 Prozent). Jessica Krieg, die mit Danilo in der Mannschafts-Aufgabe noch den zweiten Rang im Starterfeld belegt hatte, schrammte mit nur einem Zehntelpunkt an der Bronze-Medaille vorbei (75,34), auch wenn drei der fünf Richter sie mit ihren Noten sogar auf Platz eins sahen. Auf Rang acht platzierte sich Semmieke Rothenberger, die mit Domino Dancing 71,96 Prozent erritt. „Semmi hat wieder einen tollen Job gemacht“, lobte Endres. Für das „Küken“ im deutschen Team ging damit die EM zu Ende, da jeweils nur drei Reiter pro Nation in der Kür startberechtigt sind.

Wie schon 2010 ging das Kür-Silber an Lena Charlotte Walterscheidt, die in diesem Jahr allerdings nicht im Sattel von Deinhard B saß, sondern ihre neues Pony Equestricons Lord Champion vorstellte. „Lena hat hier auf der EM mit Mannschafts-Gold und zwei Mal Einzel-Silber die gleichmäßigste Leistung abgerufen. Das waren alles Ritte wie an der Schnur aufgezogen“, freute sich die Bundestrainerin. Zwei Punkte trennten Walterscheidt am Ende von der Goldmedaille. Diese durfte sich die Holländerin Dana van Lierop umhängen lassen die mit ihrer Don’t Worry-Tochter Day of Diva als Einzige die 80-Punkte-Marke (80,75 Prozent) knackte. Wie im Vorjahr sicherte sich die Heinsbergerin Jessica Krieg mit Danilo Kür-Bronze (78,55). „Das waren hier wirklich Nuancen, die über die vorderen Plätze entschieden haben. Und auch die Kür-Musik ist natürlich immer Geschmackssache“, so Conny Endres. Da kann jeder kleine Fehler teuer sein. So kostete ein falsches Umspringen im Galopp die frisch gebackene Einzel-Europameisterin Grete Linnemann und ihre Stute Cinderella M WE wertvolle Prozentpunkte (77,65 Punkte). Sie landete im Finale auf Platz vier.

Während die Bundestrainerin sportlich gesehen ein positives Fazit zog, gab es für die Organisation des Dressurbereichs in Jaszkowo allerdings weniger gute Noten. So war die Mannschaftsdressur erst mit einem Tag Verspätung gestartet. „Auch die Kür konnten wir am Vorabend nicht bei Musik üben, weil keine Lautsprecher aufgebaut waren. Und die Fans im Lande waren traurig, weil es keine Ergebnisse im Internet nachzulesen gab“, sagte Endres.                                                                      Tina Pantel/Hb


Springen:

Bei den diesjährigen Pony-Europameisterschaften im polnischen Jaszkowo hatten lediglich die deutschen Dressurreiter gut lachen. In der Vielseitigkeit und im Springen schienen die Deutschen dagegen vom Pech verfolgt. So verpasste zuletzt auch Justine Tebbel (Emsbüren) die zum Greifen nahe Medaille in der Einzelwertung im Springen. Sie beendete ihre EM-Premiere auf Platz fünf.

Es sah so gut aus für die erst zwölfjährige Reiterin aus Emsbüren. Mit ihrem Schecken Okehurst Little Bow Wow leistete sich die Preis-der-Besten-Siegerin bis zum zweiten Umlauf des Finales keinen einzigen Fehler. Damit lag sie vor der letzten Runde in Führung und ging auch als Letzte an den Start. Fast hatte sie das Gold schon in der Hand, da fiel am letzten Sprung die Stange. Das hieß vier Strafpunkte und hatte ein Stechen zur Folge, in dem sechs Paare um drei Medaillen ritten. Alle sechs blieben fehlerfrei. „Und einer ritt schneller als der andere“, sagte die deutsche Equipechefin Simone Gummelt (Warendorf). „Justine hat wirklich alles gegeben, war auch richtig schnell, aber mehr ging eben nicht.“

Die Zahlen beweisen es: In nur 29,88 Sekunden kam die Britin Beth Vernon mit Falaza ins Ziel und holte damit Gold. Platz zwei ging an Titelverteidiger Bertram Allen aus Irland. Er benötigte mit Acapalla Z 30,38 Sekunden und war damit um zwei Hundertstel schneller als Jessica Mendoza (Großbritannien) im Sattel des Europameisters von 2007, Tixylix, und nur ein Zehntel schneller als die viertplatzierte Emma O’Dwyer mit Jacknell Street. Justine Tebbel und Okehurst Little Bow Wow benötigen 30,92 Sekunden. Ein weiterer Brite, Graham Babes, folgte mit Dollar Girl mit 32,47 Sekunden auf Platz sechs.

„Der fünfte Platz ist natürlich ein tolles Ergebnis für so eine junge Reiterin und für deren erste EM überhaupt. Trotzdem ist es traurig, dass es mit der Medaille nicht geklappt hat. Wir waren selten so nahe an Gold dran wie in diesem Jahr. Justine hätte es wirklich verdient gehabt. Sie ist so cool und super geritten“, sagte Gummelt.

Tapfer, wenn auch weniger erfolgreich schlugen sich auch die übrigen deutschen Springreiter, allesamt Neulinge auf einem Championat. Das zeigte sich bereits im ersten Wertungsspringen, wo bis auf Justine Tebbel kein Paar fehlerfrei blieb, und setzte sich im Nationenpreis fort. Wieder war es die Tochter des dreimaligen Deutschen Meisters René Tebbel, die mit „Doppel-Null“ glänzte. Das zweitbeste Resultat erzielte Maxi Emilian (Paunzhausen) mit Dafina K, die als erste deutsche Mannschaftsreiterin in den Parcours ging. Sie hatte in beiden Umläufen je acht Fehler. Auf je drei Abwürfe plus je einen Zeitfehler kam Franziska Doetkotte (Gronau) mit Mr. X. Besonderes Pech hatte Fabienne Graefe (Osnabrück). Sie war schon fast im Ziel des ersten Umlaufs, als ihr Campino am vorletzten Hindernis, dem Aussprung aus der dreifachen Kombination, patzte und in Folge auch noch den letzten Sprung verweigerte. Beim zweiten Versuch fiel die Stange, was im Ergebnis zwölf Strafpunkte plus zwei Zeitfehler hieß. Der zweite Umlauf begann bereits mit einem Fehler am ersten Sprung, insgesamt kamen 24 Strafpunkte zusammen. Damit lieferte das Paar in beiden Umläufen das Streichergebnis.

In der Gesamtwertung hieß dies Platz acht für die deutsche Mannschaft. Der Titel ging an die Briten, die am Ende nur acht Strafpunkte auf dem Konto hatten. Einen weniger als das irische Quartett, das damit Silber gewann. Die Bronzemedaille holten sich in einer spannenden Aufholjagd die niederländischen Ponyreiter. Sie starteten mit 14 Strafpunkten aus dem ersten Umlauf, zu denen nur vier in der zweiten Runde hinzukamen. Mit ihren Ergebnissen verpassten die deutschen Teamreiterinnen bis auf Justine Tebbel den Einzug ins Finale. So auch die deutsche Einzelreiterin Madita Brauer (Kalkar), die nach zwei Wertungsspringen mit Mona Liesa 28 Punkte auf dem Konto hatte.

Etwas versöhnlich stimmte das Trostspringen, das Fabienne Graefe für sich entscheiden konnte. Sie benötigte im Stechen nur 30,97 Sekunden für eine Nullrunde. Mit einem Abwurf und einer Zeit von 34,87 Sekunden landete die ebenfalls erst 14-jährige Madita Brauer auf Platz elf. „Das gibt zum Schluss natürlich noch einmal ein gutes Gefühl. Aber es hat sich eben auch gezeigt, dass es noch an Erfahrung und Konstanz fehlt“, sagte Peter Teeuwen (Hanstedt).                                                          Hb


Vielseitigkeit:

Einen Doppelerfolg landeten die französischen Vielseitigkeitsreiter bei den Pony-Europameisterschaften im polnischen Jaszkowo. Mit nur einem Zehntel Vorsprung gewann die „Equipe Tricolore“ vor der Mannschaft aus Irland. Dritter wurde Großbritannien. In der Einzelwertung holte sich Luce Bentejac mit Mon Nantano de Florys den Titel. Silber ging an Sam Ecroyd (Großbritannien) mit Three Wells Breeze, Bronze gewann Jodie O’Keefe aus Irland mit Castleview Rakish Milly. Die deutschen Reiter gingen erstmals seit Langem leer aus.

Es war im Jahr 2000, als in Hagen a.T.W eine französische Mannschaft zuletzt den Titel holte. Und genau so lange ist es her, dass ein deutsches Vielseitigkeitsteam ohne Medaille von den Pony-EM zurückkehrte. In diesem Jahr musste das deutsche Quartett bereits in der Dressur den Franzosen und Briten den Vortritt lassen. Im Gelände kam dann nur Stefanie Bendfeldt (Stöttwang) mit Dara fehlerfrei ins Ziel. Flora Reemtsma (Groß Walmstorf) mit Pamira LK und Hanna-Lea Kehrer (Reutlingen) mit Cyrano mussten sich je eine Verweigerung und Zeitfehler ankreiden lassen und Leoni Leuwer (Königswinter) schied mit Camissa Nera sogar aus. Damit fiel das Team zwei Plätze zurück und es nützte auch nichts, dass am Sonntag noch einmal alle „null“ im Parcours waren. Es blieb bei Rang fünf.

Noch länger als in der Mannschaftswertung ist es her, dass kein einziges deutsches Paar auf dem Treppchen zu finden war, zuletzt 1994. Bis kurz vor Schluss war Einzelreiterin Rebecca-Juana Gerken (Rümpel) mit Chagall dicht an einer Medaille dran. Mit nur 40,8 Minuspunkten in der Dressur und einem astreinen Geländeritt lag die 15-jährige Holsteinerin vor dem Springen auf Platz zwei. Im Parcours hatte sie allerdings vier Abwürfe – zwei zuviel für Edelmetall. Das hieß Platz zwölf. „Es war bekannt, dass das Springen die schwächste Disziplin der beiden ist“, sagte Bundestrainer Fritz Lutter (Warendorf). „Es kann gut gehen oder eben auch nicht. Heute hat es nicht geklappt. Aber bei einer EM kommt natürlich noch eine besondere Anspannung dazu.“

Als beste Deutsche beendete damit die 16-jährige Stefanie Bendfeldt ihre zweite und – aus Altersgründen – letzte EM. Sie kam mit ihrem Dressurergebnis von 52,9 Minuspunkten nach Hause und wurde Fünfte. „Schade, schade. Wenn die Dressur nur etwas besser gewesen wäre, hätte es für eine Medaille gereicht“, bedauerte Lutter.

Die übrigen deutschen Paare reihten sich in der zweiten Hälfte der Ergebnisliste ein. Flora Reemtsma belegte Platz 24, Hanna-Lea Kehrer kam auf Patz 29. Das Schlusslicht machte die zweite deutsche Einzelreiterin Anna-Katharina Vogel (Biessenhofen) mit McIde. Zu den Fehlern im Geländeritt gesellten sich Abwürfe im Springen. So blieb es für sie beim 40. Platz.                       Hb