MOL meets Namibia Tag 8: Show Jumping in Swakopmund und der Fridge ackert

 

Es gibt auf jedem Turnier Schlüsselpersonal. Die sind meist aus den Vereinen, arbeiten ehrenamtlich und laufen beim Turnier mit weit aufgerissenen Augen hektisch durch die Botanik. Andere sind die Ruhe selbst, tragen oftmals diese professionellen Augenschlitze zur Schau und stehen mit verschränkten Armen am Platzrand. Und dann gibt es noch die ganz stillen und heimlichen Arbeiter, welche immer am Ball sind. Sie ackern rund um die Uhr, um den Turnierteilnehmern und Zuschauern alles so angenehm wie möglich zu machen. Einer dieser fleißigen Helfer ist der Kühlschrank an der Bar am großen Springplatz. Hinter dem Counter hat man Russel und Eric als kompetente und vor allem zackige Ansprechpartner.

 

Die Bar ist eine ehemalige Filmkulisse aus „The Prisoner“. Und in dem kleinen Holzhaus arbeitet „er“. Der Fridge ist alt und rostig, hat seine besten Jahre hinter sich. Er braucht ab und zu eine kleine Herz-OP, damit er nicht muckt. Fast jeden Tag kümmern sich ein oder zwei Gefäßchirurgen um den kleinen, damit er noch lange durchhält… Er gehört einfach zum Team! Russel und Eric haben einen kleinen Fond aufgelegt und sammeln Geld, denn die beiden Chirurgen, die sich um ihn kümmern, kommen ja auch nicht umsonst…

 

Aber zurück zum Springplatz, den man von der Bar perfekt einsehen kann. Es standen insgesamt 16 Prüfungen auf dem Programm. Über 140 Starts sahen die Zuschauer, die extra zur Kategorie S erschienen waren. Im großen Zelt waren fast alle Tische besetzt. Nun weiß man auch, was der namibische Reitsportfan bevorzugt…

Der Vormittag gehörte den Equitation-Klassen. Das sind Wettbewerbe, die aus Dressur- und Springelementen bestehen. Der erste Teil der Aufgabe, der ebenfalls auf dem Springplatz zwischen den Sprüngen stattfindet, ist dressurorientiert. Nach Erfüllung der Aufgabe geht es nahtlos zum Springen über. Beide Elemente werden getrennt gerichtet und bewertet. Es gibt als zwei Noten, die im Anschluss addiert werden.

 

Das war nicht ganz so einfach… wenn man aus good old Germany kommt. Aber Turniersprecher und Vereinsboss Reiner Piepmeyer trug die Aufgabe in der Klasse Adult Equitation vor Prüfungsbeginn in deutscher Sprache vor. Lisa Hoffmann präsentierte sich auf Twahil auf dem Platz recht ordentlich, auch wenn es nicht ganz für eine Schleife gereicht hat.

Die Gewinner der Equitation-Klassen vom Vormittag:

Pony Rider Equitation Welcome:

Emily Braune – Only

Junior Equitation Welcome

Kira Rohloff – Hoseason Kahlua

Adult Equitation Welcome

Gesche Gilchrist – Starwalker

Pony Rider Equitation Novice

Nadine Flemming – Seeis Eymet

Junior Equitation Novice

Kira Rohloff – Hoseason Kahlua

Adult Equitation Novice

Gesa Flemming – Seeis Shelton

Pony Rider Equitation Intermediate

Karin Schommarz – Seeis Daniella

Junior Equitation Intermediate

Sabine Peters – Fireflight

Adult Equitation Intermediate

Michelle Künzle – M&A’S Caskari

Junior Equitation Open

Kira Rohloff – Dancing Wizzard

Adult Equitation Open

Michelle Künzle – Metzger Drilling Sambesi

 

Am Nachmittag wurde es dann richtig spannend. Es ging in die einzelnen Springwettbewerbe. Angesetzt waren die Klassen in den Höhen 40, 60, 70, 80 und 90 cm. Die Eröffnungsspringen sollen ja noch ein wenig motivieren und niemanden erschrecken. Parcourschef Heiko Wahlers aus Scheeßel im nördlichen Niedersachsen hatte noch nicht seinen Killerinstinkt auf dem Platz geweckt. Mit den Anforderungen kamen die meisten Reiter klar. Ihm zur Seite stand Eric Pohl aus Münchehofe als Teamchef der Parcoursmannschaft.

 

Ein paar Worte zum Springen in der Namibia-Variante: Die Wettbewerbe sind generell mit einem Stechen, wenn es denn sein muss. Nur der erste Reiter des gesamten Wettbewerbes grüßt im Namen aller Starter. Der Rest kann gleich loslegen. Das spart eine Menge Zeit. Es geht sehr flott hintereinander weg. Nach dem Umlauf wird am Parcours nicht rumgedoktert, sondern es werden nur noch schnell mal eben die Sprünge angesagt und schon geht es in den Jump Off. Dieses stramme Vorgehen ist irgendwie gar nicht so afrikatypisch, wo doch hier alles mit viel mehr Gelassenheit abgeht, als in Mitteleuropa.

 

Die Richter arbeiten auf den Turnieren in Namibia alle ehrenamtlich und sind oftmals auch noch selbst Turnierteilnehmer und/oder Eltern von Reitkindern. Wenn das Angebot an Fachpersonal nicht sonderlich groß ist, findet man halt Kompromisse.

 

Mal abgesehen von Kerstin Grosser, die erst am Freitag an den Start geht, war der Rest in den 80- und 90cm-Klassen eingetragen. In der 80er Klasse konnte man sich über 25 Reiter-Pferd-Paare freuen. Die drei deutschen Damen landeten allesamt im Stechen. Das ist schon mal bemerkenswert. Stella Kehlenbrink und Barbarossa hatten einen um und ganz vorne leider nix zu melden. Der „Bobby“ allerdings zeigte sich entschlossen, in den nächsten Tagen noch ein Schleifchen abgreifen zu wollen.

 

Kenisha Pohl war mit Jason unterwegs. Sie blieb null und übernahm die Führung, die allerdings nicht lange hielt. Sie wurde am Ende Vierte.

 

Auch Antje Leonhardt setzte nach Kenisha eine Bestzeit. Ihr Wüstenkönig machte seinem Namen alle Ehre und fegte mit ansehnlichem Stechtempo über den Platz. Der Lohn war ein zweiter Platz. Sie ritt mit der schwarz-rot-goldenen Schärpe ihres Heimatlandes zur Siegerehrung ein.

Den Sieg in der 80cm-Klasse holte sich Hester Neethling auf Tida.

 

Die 90er Klasse bildete den Abschluss des ersten Springtages. 22 Paare hatten die Richter auf dem Zettel. Lisa Hoffmann hatte Tavira gesattelt. Es gab eine Verweigerung, die irgendwie aus der Kalten kam. Kann man nix machen; passiert eben manchmal.

 

Kira Mier war wieder auf Mahati dabei. Sie hatten einen um und ebenfalls nichts mit dem Ausgang des Springens zu tun.

Insgesamt verlief der erste Springtag erfreulich. Die Stimmung auf und neben dem Platz ist großartig. Immerhin brennt der Planet zur Mittagszeit gerade schattenfrei auf die Sportler. Der zuverlässige Atlantikwind bringt a bisserl Erleichterung. Ohne dieses nette Lüftchen wäre es echt hart. Da müsste dann der Fridge noch mehr leisten, als er sowieso schon zu tun hat.

Die Sieger im Springen vom Mittwoch:

Welcome Stakes 40cm:

Teagan van der Poll – Home Seal Spiced Gold

Welcome Stakes 60cm:

Teagan van der Poll – Home Seal Spiced Gold

Welcome Stakes 70cm:

Anike Maritz – Midnight Rain

Welcome Stakes 80cm:

Hester Neethling – Tida

Welcome Stakes 90cm:

Gesa Flemming – Seeis Shelton

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos von Geneva Mathias und Jan-Pierre Habicht ©