Matthias Alexander Rath: Für Totilas kann die Kulisse zur EM in Aachen nicht groß genug sein

Die letzten Championate hat das aktuell berühmteste Paar des Pferdesports verpasst. Pünktlich zur Europameisterschaft Aachen 2015 vom 11. bis zum 23. August zeigen sich Matthias Alexander Rath und Totilas in einer prima Verfassung. Was sein Start in Aachen mit Aberglauben zu tun hat, was er sich vom Duell der Giganten Totilas und Valegro erwartet, und warum ihm der Start im Hauptstadion zugute kommen könnte, erzählt der 30-jährige Dressurreiter im Interview.

Einen Monat noch bis zum Start der Dressurwettbewerbe bei der EM in Aachen…

Matthias Alexander Rath: …und die Vorfreude ist unbeschreiblich. Zum einen ist es für Totilas und mich super, überhaupt bei einer EM starten zu dürfen, denn die letzten Jahre waren wir bei keinem Championat dabei. Dann ist eine Europameisterschaft im eigenen Land natürlich immer besonders, aber das es auch noch Aachen ist, das ist einfach das Größte. Zumal Totilas bislang wenn er in Aachen gestartet ist jeden Grand Prix gewonnen hat – könnte es ein besseres Omen für den August geben?

Die Dressurreiter starten im Hauptstadion, ist das eine zusätzliche Motivation?

Rath: 2006 bei der WM habe ich die Dressur als Zuschauer im großen Stadion erlebt – das war gigantisch. Beim CHIO im Deutsche Bank Stadion reiten zu dürfen, ist schon außergewöhnlich, eine solche Arena gibt es für uns kein zweites Mal auf der Welt. Jetzt selber im Hauptstadion zu reiten, vor dieser gewaltigen Kulisse, das wird super.

Kann der Druck durch diese Kulisse auch zu groß werden? Für Reiter und Pferd?

Rath: Für Totilas kann es gar nicht groß genug sein. Je größer die Kulisse, desto größer und präsenter ist Totilas. Und mir gelingt es bislang immer sehr gut, mich zu fokussieren, ich bekomme dann während der Prüfung gar nicht mehr so viel von dem mit, was außerhalb des Vierecks passiert. Und ein bisschen habe ich ja schon im großen Stadion geübt – beim Abschied der Nationen (lacht).

Also ist Ihnen vor dem Duell der Dressur-Giganten Totilas und Valegro gar nicht bange?

Rath: Auch da sind die Omen ja nicht so schlecht. Beim bislang einzigen Aufeinandertreffen der beiden 2014 in Aachen hatte Totilas ja das bessere Ende für sich. Aber es wird natürlich ungeheuer schwierig: Valegro und Charlotte Dujardin haben alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, einige Titel sogar inzwischen verteidigt. Sie sind das Maß aller Dinge. Aber Aachen vor einem Jahr hat gezeigt, dass vieles möglich ist. Und Kristina Bröring-Sprehe und Desperados sind auch in absoluter Weltklasse-Form, das wird eine spannende Geschichte.

Wie geht es jetzt für Sie weiter bis zur EM?

Rath: Die nächsten Tage werden etwas ruhiger, um dann das Training wieder rechtzeitig aufzunehmen und zu intensivieren. Das wird so gegen Ende der kommenden Woche sein. Natürlich werden wir dann auch ein paar Proberunden drehen, um wieder Prüfungsroutine zu bekommen. Aber das letzte Jahr hat ja gezeigt, dass wir auch ohne viele Turnierstarts schnell wieder hohe Leistungen abrufen können.

Ein Hektiker waren Sie nie, hat Sie die Geburt Ihres Sohnes noch etwas gelassener gemacht?

Rath: Na klar. Wenn man abends nach Hause kommt, weiß man: Es geht eben nicht nur um Sport, und es gibt Wichtigeres als gewinnen und verlieren. Aber klar ist auch: Wenn ich im Sattel sitze, bin ich voll konzentriert und will gewinnen.

Bild: Matthias Alexander Rath und Totilas nach ihrem Sieg im MEGGLE-Preis beim CHIO Aachen 2014 (Foto: Aachen 2015/ Arnd Bronkhorst)