Magic Horse Gala Berlin 2013: Verzauberte Max-Schmeling-Halle

 

Das Hufgeklapper war weithin zu hören und übertönte sogar den Sound der Party, die im Mauerpark stattfand. Fußgänger blieben stehen, Boarder bremsten ab und Fahrradfahrer machten lieber einen Bogen. Kein Zweifel: Vor und in der der Schmeling-Halle hatten die weißen und schwarzen Hengste das Sagen. Na gut, es war auch eine Stute dabei, aber wer konnte das von denen schon sehen, die den Pferden inmitten der Stadt begegneten.

 

Der Auftrieb und die Menschenansammlung begannen schon am Freitag. Zur besten Mittagszeit öffnete sich das Zeitfenster für die Ankunft der Stars. Am Stallzelt wartete die Crew und nahm alles in Empfang, was mit der Show zu tun hatte. Morgens um drei begann der Aufbau des Stallzeltes und schon zwölf Stunden später schnaubte und wieherte es zufrieden in den Boxen. Die Hauptakteure der Magic Horse Gala hatten Quartier bezogen.

 

Gleichzeitig wurde in der Schmeling-Halle innerhalb kürzester Zeit durch die Firma ecora unter der Federführung von Peter Mächold der Reitboden eingebracht. Das war kein leichtes Unterfangen, denn schließlich ging es nur mit leichtem Gerät durch die Gänge und Tunnel auf die Fläche. Dort mussten hunderte Kubikmeter feinsten Reitbodens auf Matten verteilt, geebnet, gewässert und verdichtet werden. Immerhin so um die 160 Hufe wollten einen sicheren Untergrund.

 

Den bekamen sie auch und 28 Stunden vor Showbeginn konnte die erste richtige Probe beginnen. Pferd, Mensch, Licht und Sound musste in Einklang gebracht werden. Das während der Gala zu verwendende Repertoire der Ostsee-Quadrille, der Excalibur Horse Show und weiterer Akteure musste den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Überall schwirrte die Security herum. Das Hallenmanagement raufte sich ein ums andere Mal die Haare. Mit Pferden und Reiterinnen ist es auch nicht leichter als mit Pop- oder Rockstars…

 

So ging das mit ausgiebiger nächtlicher Pause nur für die Pferde bis in den Samstag hinein. Am Nachmittag des Show-Samstags stieg die Betriebstemperatur ein wenig an. Reiterinnen und Reiter blockten allerdings jede Aufregung von den Vierbeinern ab. Direkt neben der Halle wurde ein kleiner Abreiteplatz vorbereitet, auf dem sich vor der Show allerdings nicht nur die Akteure trafen, sondern auch sehr viele Schaulustige. Mehr als vierzig Pferde auf einem kleinen Rasenviereck im Zentrum der deutschen Hauptstadt hatte niemand so recht in seiner Erinnerung. Trotzdem gelang es der Ostseequadrille, die Mischung aus Konzentration für die Aufgabe und Nähe zu den Schaulustigen aufrecht zu erhalten. Das war nicht einfach, denn der im Umgang mit Pferden meist unerfahrene Stadtmensch musste am Abreiteplatz immer wieder auf Abstand gebracht werden. Sicherheit bleibt bei solchen Veranstaltung eben immer höchstes Gebot.

 

Pünktlich um 19.00 Uhr ging es für die ersten beiden Akteure – die Fahnenreiter – in den Tunnel. Und noch während die beiden Paare zur Eröffnung unter dem Beifall von zweitausend Menschen durch die Halle flogen, ritten 160 Hufe über die ausgelegten Matten durch den Tunnel zur Position hinter den Vorhang. Die Magic Horse Gala 2013 war nicht mehr aufzuhalten.

 

Durch das Programm führte Nicole Walper, die getrost als das Herz und die führende Hand der Ostseequadrille bezeichnet werden kann. Auf manchmal charmante, manchmal aber auch mystisch-pittoreske Weise stimmte sie das Publikum zu Fuß oder hoch zu Ross auf die nächste Nummer ein. Frau Walper ist mit ihrer Ausstrahlung, im Viereck, auf ihrem Iberer und angeleuchtet von den Spots bereits selbst ein Ereignis. Immer wieder aufs Neue fing sie das Publikum ein und öffnete die Geister der Menschen für ein weiteres Highlight.

 

Nach den Fahnenreitern ging es in einen Traum. Ein kleines Mädchen legte sich am Rande des Vierecks schlafen und träumte von einem Karussell. Aber es war nicht irgendein Karussell. Es war ein Pferdekarussell mit vierzig schwarzen und weißen Pferden. In der Mitte stand ein Leierkastenmann, der die Musik vorgab. Mit jedem Glockenton wurde das Karussell größer und größer. Der Traum wurde immer realer. Am Ende bewegten sich vierzig Pferde auf drei Kreisen um den Leierkastenmann herum.

 

Das Pas de Trois. Drei weiße spanische Hengste wurden von drei deutschen Damen ganz in weiß zu schwierigen Lektionen geführt. Mehrfacher Zwischenapplaus war der Beweis für die überzeugende Darstellung und das Entzücken des Publikums. Ähnlich schwer in der Choreografie, aber mit mehr Pferden ging es in die Schachbrettquadrille im Anschluss. Es war im dämmrigen Licht der Halle ein seltsamer Anblick, als sich schwarze Reiter auf weißen Pferden und umgedreht zur schwungvollen Musik durch das Viereck bewegten. Eine kafkaeske Atmosphäre lag im Raum und legte sich schwer auf die Gemüter der Anwesenden. Beeindruckend und vor allem beeindruckend schön.

 

Nach so viel Schwermut brauchte es etwas Aufheiterung und Seelennahrung. Die brachten vier beißwütige und sehr bockige Hengste, die nach dem Entladen aus dem Anhänger erst einmal auf vernünftiges Benehmen getrimmt werden mussten. Schon im Anhänger ging es hoch her und alles wackelte gewaltig. Aber sie wurden mit der Peitsche gezähmt und folgsam gemacht. Der eine Rapphengst hatte allerdings einen merkwürdigen roten Bart und ein anderer einen kleinen Bauch. Sehr merkwürdig, sehr lustig und vor allem sehr entspannend…

 

Danach wurde es wieder sportlich auf Dressurniveau der Klasse S. Die bekannte Langzügel-Spezialistin Amrei E. Rieso aus Vlotho zeigte mit ihrem 12jährigen Deutschen Partbred Shetlandpony Aragon Grand-Prix-Lektionen; u. a. Seitengänge, Pirouetten, Serienwechseln, aber auch zirzensische Aufgaben. Und wie gesagt, das alles wurde am Langzügel vorgeführt. Der kleine Aragon jedenfalls hatte offensichtlich Spaß dabei und präsentierte stolz sein Können.

Und während die Zuschauer noch verträumt an das Pony dachten, wurde es mächtig laut in der Arena. Zu acht lackschwarzen Friesenhengsten gesellten sich vier ebenfalls lackschwarze Fahrzeuge der Marke Renault aus dem Autohaus Olbricht & Söhne. So manche Hand hielt sich verkrampft am Sitz fest, wenn zwischen den Pferden und den Fahrzeugen nur noch ein paar Zentimeter Platz waren. Eine Art BIOTEC-Quadrille, die alle schwarzen Akteure gleichermaßen forderte – ob nun an den Hilfen oder an Kupplung, Lenkung und Gaspedal. Eine atemberaubende Vorführung, die Seltenheitswert besitzt und wahrscheinlich nur für echte Könner im Sattel zur Nachahmung empfohlen ist.

Und wenn die Autoreifen den Boden schon mal zur Schnecke gefahren haben, kann man auch gleich die Quadriga mit vier Schwarzen samt Römerwagen und Nicki Pfeifer von der Excalibur Horse Show an den Leinen reinholen. Dann haben die Platzpfleger in der Pause auch richtig was zu tun. Der fetzte nämlich römisch-katholisch durch das Viereck und ließ den schönen Sand reichlich weit fliegen. Wenn Nicki seinen Auftritt hat, rumpelt es immer gewaltig im Karton. Der begnadete Entertainer, Reiter und Fahrer holt das Publikum direkt ab und fordert den ihm zustehenden Beifall im Stile eines römischen Kaisers unmissverständlich ein. Da kann man nix machen. Von der Excalibur Horse Show muss man einfach gefesselt sein. Vor allem, wenn er nicht mehr in, sondern auf dem Römerwagen steht. Ave Nicki!

So endete der erste Teil der Magic Horse Gala in der Max-Schmeling-Halle. In der Pause schlenderte man zum Merchandising-Stand und deckte sich mit kleinen Souvenirs der Show und der Ostsee-Quadrille ein. Der Boden wurde wieder fit gemacht für den zweiten Teil.Der begann mit dem Herzstück der Ostsee-Quadrille – einer Dressur-Quadrille aus 16 Friesenhengsten. Die große Herausforderung bestand darin, die spektakuläre Choreographie auf engstem Raum zu realisieren. Wer etwas höher saß, hatte einen guten Blick auf die Bewegungen, die fast immer harmonisch und exakt geritten wurden. Großes Kino für Freunde der Dressur und ein gewaltiger Anblick dazu.

Nach so viel imposantem Reiten musste es im Programm zwangsläufig wieder etwas ruhiger werden. Nicki Pfeifer zeigte mit seiner Gefährtin zu spanischen Rhythmen und auf einem spanischen Hengst eine Love Story mit viel Gefühl und Leidenschaft. Spätestens aber, als aus dem Liebhaber Nicki der Dressurreiter Nicki wurde, fielen die Blicke aller nicht mehr auf die schöne, blonde Dame, die im wahren Leben seine Ehefrau ist, sondern nur noch auf den majestätischen, spanischen Hengst, seinen Reiter und die vorgetragenen Lektionen. Tja, so ist das bei einer Show mit Pferden… Der Mensch tritt irgendwie immer einen Schritt hinter das Pferd in den Schatten zurück. Wahrscheinlich geht das auch gar nicht anders.

Nicht hinter, sondern einzig und allein mit ihrem Pferd zeigte Stephanie Bolle und ihr Hengst Tjerragonn, was man mit viel Liebe und Vertrauen erreichen kann. In einer sehr unaufgeregten und unaufdringlichen Freiheitsdressur ging es nicht um das wilde Wegschicken oder Anlocken von Pferden mit wedelnden Armen. Nein, es waren die leisen Töne, die das Paar anschlug. Die innige Verbindung zwischen dem Friesen und seiner Reiterin berührte alle, die sich auf diese Vorstellung einließen. Tjerragonn fühlte sich in der Stille der große Halle wohl und demonstrierte Aufmerksamkeit und Hingabe. Zwei Lebewesen, die sich gegenseitig die Freiheit zeigten – wunderbar.

Nach so viel Gefühl musste es im Programm mal wieder etwas rationaler werden. Vier Damen traten auf zwei Pferden mit Kandarre und zweien mit Halsring den Beweis an, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, dem Pferd eine gute Ausbildung angedeihen zu lassen, auch wenn ein Teil der Hilfen entfällt. Was man mit dem Rest bewerkstelligen kann, zeigten die beiden Damen eindrucksvoll und umfassend. Das Publikum jedenfalls hatte keine Chance, einen Unterschied zu erkennen.

Mystisch, magisch und mehr als hinreißend wurde es im nächsten Schaubild. „Die Moldau“ ist eine Hommage an den großen Komponisten Friedrich Smetana und sein gleichnamiges Werk aus dem Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“. Getanzt, gespielt, aber vor allem geritten wurde aus Smetanas Musik ein optisch bemerkenswertes Gesamtkunstwerk – wahrscheinlich der künstlerische Höhepunkt der Magic Horse Gala und leider auch ein Hinweis darauf. Dass sich die Show dem Ende neigte.

Vorher aber musste Excalibur-Nicki wenigstens noch einmal für Furore sorgen und samt Ehefrau die Flammen lodern lassen. Fackeln statt Zügel und der Reigen zu Pferde um den brennenden Speer mündeten in den apokalyptischen Tanz im Feuerring. Atemberaubend wurde es eigentlich erst, als schon alles vorbei war: Nach dem Verklingen der Musik schritt das Pferd ohne jegliche Regung über den brennenden Feuerring.

Und es brannte zum Finale weiter. In diesem Fall und als Abschlussnummer wurde es modern und optisch eindrucksvoll. In völliger Dunkelheit erstürmten acht schwarze Pferde mit acht schwarz gekleideten Reiterinnen das Viereck und hatten als Beleuchtung lediglich schmale blaue Lichtbänder als Gamaschenverkleidung und Andeutung der Pferdekonturen. Daraus ergab sich zu der entsprechenden Musik ein völlig ungewohntes Bild aus sich bewegendem Licht im Takt der Gangarten und eine Mixtur aus Ungewissem und Nervenkitzel. Wer so etwas schon einmal mit Menschen gesehen hat, war bestimmt beeindruckt. Den gleich Stil auf Pferde zu übertragen, die in der Dunkelheit auch noch angstfrei reagieren müssen, war eine Herausforderung, die alle Beteiligten eindrucksvoll gemeistert haben.

Und so ging mit dem großen Meet & Greet an den Pferden und mit den Reiterdamen eine mehr als zweieinhalbstündige Magic Horse Gala zu Ende, die sich sehen lassen konnte. Zum letzten großen Aufmarsch stellte Nicole Walper alle Reiterinnen und Reiter mit ihren Pferden einzeln vor. Gedankt wurde den vielen Sponsoren, Helfern, Unterstützern und Organisatoren. Einen besonderen Applaus erhielt Franziska Lange, die als Veranstalterin alle Wagnisse auf sich nahm und mit der Magic Horse Gala gezeigt hat, was mit viel Herz und echter Liebe zum Pferd alles möglich ist. Ihr zur Seite stand Bettina König.

Die Magic Horse Gala 2013 in Berlin war ein Ereignis und man darf hoffentlich auf eine Fortsetzung hoffen.

Links zu den Akteuren:

Ostsee-Quadrille – www.ostsee-quadrille.de

Excalibur Horse Show – www.horse-shows.de

Aragon am Langzügel mit Amrei E. Rieso – www.amrei-rieso.com

Autohaus Olbricht & Söhne – www.renault-olbrich.de

Links zu den Unterstützern:

Reitstall & Hengststation Verworner – www.hengststation-verworner.de

Pferdefreunde.co – www.pferdefreunde.co

ecora – www.ecora.de

Hitradio SKW - www.hitradio-skw.de

LBS – www.lbs.de

Krämer Pferdesport – www.kraemer-pferdesport.de

thehorse – www.thehorse.info

DIOGENES Akademie – diogenes-akademie.de