Ludger Beerbaum: Im Gespräch mit Mr. Springreiten – „Vater“ des Longines Equestrian Beijing Masters

Ludger Beerbaum mit Frank Kemperman und Michael Mronz

Dass Ludger Beerbaum das Gesicht des Springreitens in Deutschland ist, ist alles andere als ein Geheimnis. Doch auch in China ist er ein echter Superstar. Vor sechs Jahren rief er gemeinsam mit Partnern das „Longines Equestrian Beijing Masters“ ins Leben. Im legendären Olympiastadion „Bird’s Nest“ werden in der kommenden Woche wieder internationale Topstars auf die besten chinesischen Reiter treffen. Heute wird „Mr. Springreiten“ 53 Jahre alt, wir sprachen mit ihm über seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft, seine Pläne für die Zukunft und das einzigartige Konzept des Pekinger Reitturniers.

Frage: Ihr Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft liegt nun einige Tage zurück. Überwiegt die Wehmut oder die Freude auf das Kommende?

Ludger Beerbaum: Beides habe ich im Moment nicht so richtig. Ich bin jetzt erstmal zufrieden mit dem, was ich da entschieden habe und lasse alles andere ganz entspannt auf mich zukommen. Ich bin mit mir im Reinen und glaube, dass das im richtigen Moment die richtige Entscheidung war. Und alles was jetzt kommt, kommt. Das nehme ich gerne an.

Frage: Sie werden aber weiterhin bei internationalen Turnieren starten?

Beerbaum: Ja, genau.

Frage: Die Ausbildung junger Talente wird zukünftig eine deutlich größere Rolle in Ihrem Sportler-Dasein spielen…

Beerbaum: Die hat ja immer eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Ich hab auch schon in der Vergangenheit Lehrgänge gegeben oder junge Reiter hier gehabt. Nehmen Sie mal Marco Kutscher, Philipp Weishaupt, Henrik von Eckermann, die haben alle als junge Buben hier angefangen, und natürlich werde ich das auch weitermachen. Aber zukünftig werde ich mich wohl noch mehr um andere Regionen kümmern. So wie ich jetzt aktuell mit der Longines World Equestrian Academy, in Asien unterwegs bin oder Asiaten hier nach Riesenbeck einlade, um sie zu trainieren.

Frage: Können Sie die Nachwuchsförderung in China, in die Sie involviert sind, näher erläutern?

Beerbaum: Wir haben mit der Academy vor, junge Leute auszubilden und ihnen den Weg in den internationalen Reitsport zu ebnen. Das ist das Ziel der Academy und daran würde ich mich gerne mal in fünf, acht, zehn Jahren messen lassen.

Frage: Sie verfolgen die Entwicklung des Pferdesports in China seit vielen Jahren. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Beerbaum: Seit 2006 bin ich in den chinesischen Reitsportmarkt involviert. Die Dinge wachsen dort extrem schnell, jedes Jahr gibt es mehr Turniere, mehr Turnierstarts, mehr vor allem junge Leute, die den Weg zum Pferd finden. Aber es gibt eben auch großen Bedarf an Vermittlung von Know-how. Und wo die eine Entwicklung tatsächlich schnell ist, ist die andere Entwicklung im Bereich Know-how  langsamer. Da gibt es großen Aufholbedarf, das fängt bei der Pflege an und hört bei den Reitfähigkeiten und -grundlagen auf.

Frage: Welche Rolle spielt bei der Entwicklung des Pferdesports in China das Longines Equestrian Beijing Masters?

Beerbaum: Das ist im chinesischen Turnierkalender ein Highlight und für viele junge Leute ein großes Ziel, einmal in dieser Traditionsstätte, dem Bird’s Nest, reiten zu dürfen. Insofern ist das ein großer Motivationsfaktor. Aber auf dem Weg dahin sind viele Stufen zu durchlaufen, hier ist dann wieder  die Akademie mehr gefragt. Aber als Motivationsfaktor ist das mit Sicherheit ein ganz wichtiger Eckpfeiler, ohne Frage.

Frage: Welche anderen Partner sind in Peking mit im Boot, wie ist die Organisationsstruktur?

Beerbaum: Das ist natürlich die Dashing Equestrian, die Firma, die vor Ort die Verträge mit dem Bird’s Nest und der Föderation hat, und die letztlich auch das wirtschaftliche Risiko trägt für das Event. Dann die chinesische Föderation CEA natürlich. Und dann natürlich die Organisatoren des CHIO Aachen, die jetzt im vierten Jahr dabei sind.

Frage: Vom 1. bis zum 4. September erlebt das Turnier seine inzwischen sechste Auflage. Was ist das Besondere an Ihrem Konzept?

Beerbaum: Es ist das einzige Turnier in China, wo wirkliche internationale Top-Reiter – wegen der Quarantäne-Bestimmungen auf geliehenen Pferden – in derselben Prüfung gegen chinesische Reiter antreten. Anders als jetzt z.B. bei der Global Champions Tour in Shanghai, wo wir auch hinfliegen, aber da die Chinesen nur auf der Tribüne sitzen und zugucken. Im Bird’s Nest haben sie wirklich die Möglichkeit, mit ihren Pferden gegen uns anzutreten.

Frage: Welchen Weg soll das Longines Equestrian Beijing Masters gehen? Was sind Ihre kurz- und mittelfristigen Ziele?

Beerbaum: Das größte Ziel ist, dass aus dem heutigen 3-Sterne- ein 5-Sterne-Event wird. Und das wir uns dann auch mit unseren Pferden mit den chinesischen Reitern messen können. Wie schnell das jetzt geht, das hängt aber nicht nur von uns ab, sondern auch von den Quarantänebestimmungen,  der EU, den Chinesen, der Einführung eines Impfstatus in China und anderen Dingen. Ob das jetzt ein Jahr dauert, zwei oder drei, das kann ich nicht sagen.

Frage: Im vergangenen Jahr konnten Sie im Bird’s Nest gewinnen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf eine Titelverteidigung ein?

Beerbaum: Das hängt von dem Pferd ab, das ich am Ende bekomme. Letztes Jahr habe ich wirklich ein richtig gutes Pferd zugelost bekommen und dadurch hatte ich einfach die größten Chancen, zu gewinnen.

Frage: Wir feiern Sie heute Ihren Geburtstag?

Beerbaum: Es gibt keinen Plan. Ich hoffe, dass es keiner merkt, weil es auch kein runder oder besonderer Geburtstag ist, sondern einer von 53. Und da gibt’s keinen Plan, den irgendwie besonders zu feiern. Es ist auch ein normaler Wochentag, also ich hoffe, dass der Kelch ganz normal an mir vorübergeht.

Longines Equestrian Beijing Masters 2016
2. bis 4. September 2016, Peking, Bird’s Nest
Internationale Reiter:

Ahlmann, Christian (GER)

Beerbaum, Ludger (GER)

Bost, Roger-Yves (FRA)

Delestre, Simon (FRA)

Dubbeldam, Jeroen (NED)

Kutscher, Marco (GER)

Richard, Jane (SUI)

Schröder, Gerco (NED)

Wathelet, Gregory (BEL)

Whitaker, John (GB)

Ludger Beerbaum mit den CHIO Aachen-Organisatoren Frank Kemperman (links) und Michael Mronz (rechts) beim Besuch der chinesischen Mauer (Foto: Longines Beijing Masters/ Arnd Bronkhorst)