LQH-Portrait: Sylvia Maile – die Power-Frau und gute Seele vom Schwantelhof in Bitz


LQH-Portrait: Sylvia Maile –

die Power-Frau und gute Seele vom Schwantelhof in Bitz

 

(Hans-Peter Viemann). Die Aufgabenbereiche von Sylvia Maile bei Ludwig Quarter Horses (LQH) auf dem Schwantelhof sind deren viele: Mitinhaberin und Managerin des Ausbildungs- und Trainingsstalls sowie des dazugehörigen Zuchtbetriebes. Dazu kommen der Verkauf von Pferden und die Lehrlingsausbildung. Doch damit nicht genug: Außerdem gehört ein Landwirtschaftsbetrieb zum Unternehmen auf der Schwäbischen Alb in Bitz.

Sylvia Maile wurde im März 1968 in Waiblingen als ältestes von drei Kindern geboren. Ihre Eltern: Mutter Traudl (Lehrerin) stammt aus einer Arbeiterfamilie, und der Altvordere ihres Vaters Helmut (Schriftsetzermeister) war Landwirt und Weingärtner. Ihre Geschwister sind: der zwei Jahre jüngere Bruder Steffen, er ist Pfarrer geworden, und Volker, vier Jahre jünger, eiferte der Mama nach und wurde Lehrer. Traudl und Helmut Maile erzählen: „Sylvia war schon als Kind sehr genau mit einem ausgezeichneten Gedächtnis. Für ihre Brüder war sie eine lebendige Gebrauchsanleitung und Lehrmeisterin. In ganz jungen Jahren hat sie viel und ausdrucksstark gemalt. Als das Mädchen schreiben konnte, verfasste es Kinderbücher, in denen es anfänglich um personifizierte Tierkinder ging. Später kamen Bücher über Hunde, Katzen und natürlich ihrer heißgeliebten Pferde hinzu.“ Und dass Traudl Maile noch alle „Werke“ ihrer Tochter besitzt, sei noch am Rande erwähnt.

Im Alter von elf Jahren wurde Sylvia von einer Freundin in die Diakonie Stetten, wo Grischa Ludwigs Vater Heinz Dieter schon damals Reittherapien anbot, mitgenommen. Dort lernte sie den Umgang mit Behinderten und half bei der Arbeit. An den Feiertagen und wenn keine Therapie stattfand durfte sie reiten. Ein eigenes Pferd hatte sie nicht. Sie versorgte daheim den Vierbeiner des Vorsitzenden des Reitervereins Fellbach. Auf ihre Frage: „Papi, wann krieg ich ein eigenes Pferd?“ antwortete Helmut Maile: „Wenn du in Fellbach eine Pferdebox findest.“ Der Vater kannte die heimische Reit-Szene und wusste, dass da „in den nächsten Jahren nichts zu machen war“. Eines abends kam Sylvia vom Reitstall nach Hause und „heulte Rotz und Wasser“, wie sich Helmut Maile erinnert. Der schluchzenden Tochter entlockte er dann, dass „ihr“ Pferd eingeschläfert werden musste… Aber urplötzlich war die Welt für Sylvia wieder in Ordnung. Freudestrahlend sagte das Töchterlein: „Papi, jetzt weiß ich eine leere Box, du hast mir versprochen, dann krieg' ich ein Pferd.“ Was auch geschah (1983).

Nach vier Jahren Grundschulzeit und der anschließenden Umschulung ins Gymnasium erhielt sie 1987 ihr Abiturzeugnis. Nach einer zweijährigen landwirtschaftlichen Lehre folgte in der Diakonie Stetten eine Ausbildung in der Heilerziehungs-Pflege. Ihre Abschlussarbeit, mit einer 1,1 benotet, beinhaltete eine Dokumentation über den von ihr initiierten und durchgeführten Versuch einer erfolgreichen Therapie bei geistig und körperlich behinderten Jugendlichen mit Hilfe von Schweinen. Ein Thema, das eigentlich einer weitaus höheren Promotion genügen würde.

Anfänglich (1996) war Sylvia Maile mit etwa 20 Pferden alleine auf dem Reitgelände, da Grischa Ludwig zu jener Zeit noch seinen Zivildienst ableisten musste. Tagsüber arbeitete sie auf dem Hof, und da dieser nichts abwarf, jedoch Pacht, Strom, Wasser und Heizöl zu zahlen waren, zusätzlich – meist nachts – in einer Einrichtung der Körper-Behinderten-Förderung (KBF) in Bodelshausen. Und als ob dies nicht schon genug gewesen wäre, „büffelte“ Sylvia Maile, „während meiner äußert knapp bemessenen Freizeit“, wie sie sagt, weiter. Ihr angestrebtes Ziel war es, „alles und bis ins kleinste Detail über Pferde wissen zu wollen“. Zum Beispiel: die bestmögliche Haltung, das Erkennen des Gesundheitszustandes eines Vierbeiners und die dazu gehörige richtige, optimale Pflege und vieles mehr. Alles, was sich die Power-Frau bisher vorgenommen hatte, wurde verwirklicht. So auch diesmal: Im Juli 1999 bestand sie ihre Prüfung zur Pferdewirtschaftsmeisterin.

Die Tage der vielseitig ausgebildeten „guten Seele“ vom Schwantelhof sind voll ausgelastet. Tagtäglich klingelt vor sieben Uhr der Wecker, und gegen 7:30 Uhr ist Sylvia Maile auf der Reitanlage. Anschließend macht sie ihren Rundgang durch die Stallungen, um sich ein Bild vom Wohlergehen der Pferde zu machen. „Es ist jedes Mal ein besonders schönes Gefühl, wenn man mit einem Wiehern begrüßt wird und dann festgestellt hat, dass es allen Vierbeinern gut geht“, sagt die 43-Jährige, die sich nun zunächst einmal auf „die Fertigstellung der neuen Reithalle mit ihren Stallungen freut“. Doch von einer Pause kann keine Rede sein, denn getreu dem Motto: „Wer rastet, der rostet“, hat die LQH-Managerin schon jetzt weitere hehre Ziele vorgegeben: „Wir wollen in der Westernreit-Branche der erfolgreichste Sport-, Zucht- und Vermarktungsstall in Deutschland werden – und noch ein bisschen mehr.“ Und wer die Pferdewirtschaftsmeisterin Sylvia Maile kennt, der weiß nur zu genau, dass dies „nicht das Ende einer Fahnenstange ist“ und ihre Aussagen nicht nur Worthülsen sind…