Liebenberger Pferdeforum 2015: „Die Pferdebranche muss sich besser verkaufen“

Das 2. Liebenberger Pferdeforum, veranstaltet durch die Deutsche Kreditbank AG (DKB), den Oldenburger Pferdezuchtverband und die Persönlichen Mitglieder der FN, entfachte spannende Diskussionen. Rund 230 Teilnehmer folgten auf Schloss & Gut Liebenberg den zukunftsweisenden Thesen der hochkarätigen Referenten zum Thema „Pferde und Medien - Wie begeistern wir mehr Menschen für die Pferdezucht und den Pferdesport?“ Der allgemeine Tenor aller Referenten lautete: „Unsere positiven Botschaften erreichen viele Menschen nicht. Die deutsche Pferdebranche muss sich gemeinsam positiver verkaufen.“

Dr. Axel Brockmann, Landstallmeister des Niedersächsischen Landgestüts Celle, eröffnete das 2. Liebenberger Pferdeforum mit dem Standpunkt: „Ohne Medien können wir die Begeisterung für das Pferd nicht ins Volk tragen. Wir müssen Emotionen wecken in einer breiten Bevölkerungsschicht.“

Mit großem Applaus wurde der Vortrag von Hartmann von der Tann, ehemaliger Chefredakteur der ARD, bedacht. Der Fachmann sieht die Problematik darin, dass der Reitsport „über die Jahre aus der Zeit gefallen“ sei. Eine verstädterte Gesellschaft mit Veränderungen wie dem Vegetarier-Trend sei dem Reitsport nicht mehr so verbunden wie in früheren Zeiten. Hinzu käme das Herrenreiter-Vorurteil - Reiter seien reich, arrogant und rücksichtslos, das Tierquäler-Vorurteil und die mangelnde Nachvollziehbarkeit, besonders des Dressursports. Kurzum dem Reitsport fehle die Lobby. Als Lösungsansatz empfiehlt Hartmann von der Tann den engen Kontakt zu Sportjournalisten. Die Verbände und Reiter haben den Kontakt zu den Journalisten verloren. Denn das persönliche Gewicht der Redakteure spiele eine entscheidende Rolle in der Übertragungsentscheidung. „In Schweden ist der Reitsport en vogue. Der Sache würde ich nachgehen. Es geht um die Lobby. Ich würde zum Beispiel darüber nachdenken, ein Kürfinale mit einem Symphonieorchester zu inszenieren. Wir dürfen die Flinte nicht ins Korn werden. Ich glaube man muss auf die Gesellschaft zugehen“, ist das Fazit von Hartmann von der Tann.

Clara Briefs, Reporterin bei RTL Nord, setzt hingegen direkt in der Berichterstattung an. „Man braucht eine gute Geschichte und muss Leidenschaft transportieren. Dann ist das Thema Pferd im Fernsehen erfolgreich. Schaffen Sie keine fachliche Distanz, sondern persönliche Nähe“, empfiehlt die Reporterin, die jüngst mit einer sehr erfolgreichen Wochenserie über das Pferdeland Niedersachsen auf sich aufmerksam machte.

Dieter Medow, Vorsitzender der Persönlichen Mitglieder der FN, brachte es auf den Punkt: „Wir müssen das Pferd zu den Menschen bringen.“ Auch Urs Schweizer, Geschäftsführer des Dressurpferde Leistungszentrums Lodbergen, schloss sich dem an: „Wir müssen neue Märkte erschließen und die Jugendarbeit verbessern.“ Genau an diesem Punkt setzte der holländische PR-Experte Dirk Willem Rosie an und stellte das niederländische Erfolgsrezept vor. Vom Talent-Scouting der Rabo-Bank über den Investmentfond SFN zum Erwerb von holländischen Championatspferden bis hin zur Lobbyarbeit, durchleuchtete Rosie das holländische Konzept. „Es gibt in Holland keine PR- Kampagne. Man hat Erfolg und dann kommen die Kameras. Wir Holländer sind eine Familie. Wir haben eine Nationalfarbe und das schafft Einigkeit und Aufmerksamkeit. ‚Orange is the new Gold‘ titelte sogar die FEI“, so der Chefredakteur des holländischen Fachmagazins De Paardenkrant.

Schon Hartmann von der Tann äußerte zuvor die Vermutung, Lars Tjaden, von der Internet-TV Firma Clip My Horse, sagte es ganz konkret: „Der Reitsport wird sich künftig komplett auf die digitalen Medien beschränken.“ Paul Schockemöhle fügte hinzu: „Die Turnierlandschaft hat sich verändert, dem müssen wir uns stellen. Wir müssen wieder dahin kommen, die Turniere zu gesellschaftlichen Events werden zu lassen.“

Ein weiterer, oft zu hörender Kritikpunkt war das Fehlen von Idolen und Volkshelden des Sports, sowie anrührende Geschichten von Aufsteigern. Hier könnte das Erfolgstrio rund um Deutschlands erfolgreichste Dressurreiterin Isabell Werth, Top-Aufsteigerin Beatrice Buchwald und deren Mäzenin Madeleine Winter-Schulze in Zukunft Begeisterung in den Medien auslösen. „Unser Traum ist es, dass Beatrice Buchwald mit Weihegold OLD und ich mit Bella Rose in Rio in einer Mannschaft reiten. Die Spannkraft von Madeleine Winter-Schulze ist dabei bei uns im Stall nicht zu ersetzen. Wir wissen das kein Pferd verkauft wird“, gab Isabell Werth Einblicke in die sportlichen Perspektiven der deutschen Dressur.

Das 2. Liebenberger Pferdeforum, moderiert von Christoph Hess, Persönliche Mitglieder der FN, und Heiner Kanowski, Oldenburger Pferdezuchtverband, gab den Anstoß zu einer dringend benötigten Imagekampagne des deutschen Pferdesports. Die Gastfreundschaft der DKB auf Schloss & Gut Liebenberg, im Löwenberger Land, vor den Toren Berlins, bot das herrliche Ambiente für einen kontroversen, jedoch sehr konstruktiven Gedankenaustausch zur medialen Zukunft des Pferdesports und der Pferdezucht.

Fotos von: Schreiner