Lernen von den Besten - Vielseitigkeitslehrstunde mit Ingrid Klimke auf der Equitana 2011

 

Lernen von den Besten - Vielseitigkeitslehrstunde mit Ingrid Klimke auf der Equitana 2011

 

Essen (Equitana-PM) "Ich möchte Ihnen jetzt gerne etwas über die Ausbildung zum Alleskönner erzählen", schickte die Multi-Championesse im Busch, Ingrid Klimke, vorweg als sie die Halle 6 für ihre Ausbildungsdemonstration betrat. Ingrid Klimke schreibt nicht nur Bücher über die vielseitige Reitpferdeausbildung, sie praktiziert sie auch. Ihre - teilweise S-erfolgreichen - Dressurpferde galoppieren und arbeiten regelmäßig im Gelände und ihre Vielseitigkeitspferde müssen auch Dressur- und Springturniere gehen. "Gerade im Gelände müssen die Pferde dressurmäßig absolut duchgearbeitet und durchlässig sein. Die Vielseitigkeitskurse werden immer technischer mit vielen Ecken. Da müssen die Pferde sicher an den Hilfen stehen."

Durchlässigkeitsübungen bestimmten auch das Lösungsprogramm der beiden Reiter, die Ingrid Klimkes Ausführungen veranschaulichen sollten. An der langen Seite zulegen und an einem festgelegten "Vorbreitungspunkt" wieder aufnehmen, lautete das Kommando. Diesen Vorbereitungspunkt benötigt man im Cross vor jedem Hindernis, um das Pferd auf das kommende Hindernis vorzubereiten. "Man muss sein Pferd genau kennen, um einschätzen zu können, wie lange man braucht, um das Pferd aus dem flotten Galoppieren wieder einzufangen, deshalb ist es wichtig, das immer wieder zu üben." Ingrid Klimkes Wunsch sind kurze, fleißige Galoppsprünge vor den Geländehindernissen.

 Nachdem beide Reiter die Aufgabe zufriedenstellend erledigt hatten, ging's ans Springen. Eine Tonne simulierte einen schmalen Geländesprung ("Sie können aber auch einen Stuhl oder eine Gartenbank nehmen!"). Die Tonne galt es dann zuerst mit begrenzenden Büschen, dann ohne zu überwinden. "Das A und O im Geläde ist das Vertrauen. Das Pferd muss wissen: ,Auf diesem Weg, in diesem Tempo kann mir nichts passieren'!"

 Damit das klappt, müssen Vielseitigkeitspferde in der Lage sein, ihre Galoppsprünge blitzschnell zu variieren. Der Reiter muss sich darauf verlassen können, dass das Pferd auch selbstständig weiß, wie es sich am Sprung zu verhalten hat, ob es seine Galoppsprünge verlängern oder verkürzen muss.

 Weitere, im Gelände unerlässliche Ratschläge gab es von der Championatsreiterin für das Überwinden von Tiefsprüngen mithilfe des sogenannten Sicherheitssitzes. "Die Zügel dürfen im Gelände nicht zu kurz sein. Bei einem Rumpler muss das Pferd seinen Hals als Balancierstange gebrauchen können. Es gilt die Regel: Zehenspitze bei der Landung immer vor dem Knie! Der Reiter muss im Bügel landen und sein Gewicht mit den Füßen abfedern. Er darf dem Pferd keinesfalls in den Rücken fallen!" Wem da noch nicht ganz klar war, was gemeint ist, dem half wahrscheinlich die Weisheit, die Klimke einst vom Honorartrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter, dem Briten Chris Bartle, für Tief- und Wassereinsprünge mit auf den Weg bekam: "Your head has to touch his tail!" Auf Deutsch: "Dein (Hinter-)Kopf muss den Schweif des Pferdes berühren!" Je nach Höhenunterschied zwischen Absprung- und Landestelle kann es dann passieren, dass der Reiter mit dem Rücken quasi auf der Kruppe des Pferdes liegt.

 Solchen Herausforderungen mussten sich die Teilnehmer der USG-Indoor Vielseitigkeit im Anschluss an Klimkes Vortrag nicht stellen. Aber auch so wurde das eine spannende Veranstaltung!