Le Carrousel de Sanssouci in Potsdam: Gelungene Premiere mit Standing Ovations

Da hatte sich das Team der Höfischen Festspiele in Potsdam anlässlich des 300. Geburtstages Friedrichs II. ordentlich etwas vorgenommen. Neben vielen anderen Vorhaben in der preußischen Landeshauptstadt sollte das Carrousel de Berlin wiederbelebt werden. Diese Show gab Friedrich II. 1750 zu Ehren seiner Schwester Wilhelmine, nachdem der König den Friedensvertrag von Dresden unterzeichnet hatte. Das  brachte ihm damals nicht nur die souveränen Rechte an Schlesien, sondern auch noch eine Millionen Taler von den Sachsen als Kriegsentschädigung. Friedrich II. besiegelte damit auch das Ende der Ära Augusts des Starken in Sachsen.

In diesem Jahr nun wird nicht nur dieser geschichtlichen Ereignisse gedacht, sondern ein ganzes Jahr lang das Wirken und die Bedeutung von Friedrich dem Großen analysiert und interpretiert. Bestimmt ist es nicht einfach, Einheimische und Touristen für das Thema zu begeistern. Das Schlagwort „Friederisiko“ ist dabei auch allzu hölzern und uninteressant; ebenso wie die Informationsstände, die rund um das Neue Palais in Potsdam und anderswo zu finden sind. Dreihundert Jahre nach seinem Geburtstag hätte man sich vielleicht einen etwas weniger kritischen und etwas weniger wissenschaftlichen Umgang mit der Thematik gewünscht.

Aber nicht jeder verbindet mit dieser Zeit große Gefühle und Patriotismus kommt in den preußischen Breiten heutzutage eh nicht mehr auf. In Bayern sind solche Traditionen besser aufgehoben. Da ist es doch umso schöner, dass die Höfischen Festspiele zu Potsdam mit dem Carrousel de Sanssouci einen, wenn nicht den einzigen, Geniestreich zum 300. Gebrtstag Fritzens landeten, um die Zeit und die Promis von damals zum Leben zu erwecken. Der künstlerische Leiter des Projekts Kaspar von Erffa griff dabei mit dem Carrousel de Berlin ein Ereignis auf, wie es besser nicht hätte ausgewählt werden können.

Und damals wie heute war das Thema Mobilität in aller Munde und jeder führte gerne seinen neuesten Sportwagen respektive  sein neuestes Pferd vor. Übrig geblieben von damals ist die heute als barocke, klassische oder auch höfische Reitweise bezeichnete Art des Reitens. Damals wie heute geht es dabei um Pferde, die von Reitern im Sinne der Ecole de cavallerie des französischen Reitmeisters François Robichon de la Guérinière in hohem Versammlungsgrad geritten werden. Betont werden dabei Leichtigkeit und Eleganz mit einhändiger Zügelführung ohne Anlehnung. Highlights der Dressur sind dabei schwierige Lektionen wie Piaffen, Passagen und Seitengänge sowie die Kunstgangarten im Galopp (Tummeln, Courbetten etc.).

Und wer sich nun über zwei Stunden dieser Augenweide hingeben will, muss einfach nach Potsdam zum Carrousel de Sanssouci. Dort zelebriert die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg an vier Tagen (19. bis 22. Juli 2012) diese Form des Reitens, die einer Lebenseinstellung gleichkommt. Vor der preußisch-gigantischen

Für Pferdefreunde ist diese Veranstaltung mit Sicherheit ein bleibendes Erlebnis und jeden Taler des Eintrittspreises wert. Die Anreise ist entspannt per KFZ oder ÖPNV möglich. Die Schlange am Parkautomaten ist nachher aber etwas länger. Der Parkplatz ist vom Veranstaltungsort etwa 150 m entfernt. Es gibt auch einen Zugang für Rollis und nach dem Event fahren kostenlose Shuttlebusse zum Hauptbahnhof.

Leider gibt es nur noch einige wenige Restkarten an der Abendkasse oder per Telefon unter 01805-288 244. Aus Veranstalterkreisen hörte man allerdings munkeln, dass diese erfolgreiche Show auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden könnte. Das wäre zu wünschen und Potsdam hätte ein seltenes aber lebendiges Highlight mehr zu bieten.

Bilder von Jan-Pierre Habicht

Noch mehr Bilder zum Carrousel de Sanssouci gibt es HIER.