Last Man Standing siegt im Wimpernschlag-Finale

 

 

Last Man Standing siegt im Wimpernschlag-Finale

 

Mit dem österreichische Champion Gerhard Mayr baut

der Hengst die Serie aus – doch die Gegnerin Zovilja

(Seth Ronland) unterliegt nur mit einer Nüsternbreite

 

Schafft Meringo Star den vierzehnten Saisonsieg oder nicht? Das war die zentrale Frage der Mariendorfer Montagveranstaltung. Und sie wurde klar beantwortet – diesmal stieß Daniel Goehrkes Vorzeigetraber an seine Leistungsgrenze. Doch der Berliner Publikumsliebling brach sich trotzdem keinen Zacken aus der Krone.

Denn auf der 2.500-Meter-Strecke war der mit Zulage bedachte Meringo Star (34:10) ohnehin nicht als Hauptfavorit angetreten. Diese Rolle musste stattdessen Last Man Standing übernehmen, der auf 14:10 heruntergewettet war. Aus gutem Grund: Bei den drei gemeinsamen Starts mit seinem Fahrer und Trainer Gerhard Mayr, dem österreichischen Dauer-Champion, hatte der fünfjährige Hengst zuvor noch keine einzige Niederlage bezogen. Um es vorweg zu nehmen: Die Serie hielt. Last Man Standing, der im Anschluss von den anlässlich ihrer Weihnachtsfeier auf der Bahn weilenden HVT-Mitarbeitern geehrt wurde, blieb auch bei seiner Berliner Stippvisite auf der Siegerstraße.

Doch der Weg zum Erfolg war für den in den Farben des Münchners Josef Kofler laufenden Hengst, der nach tausend Metern die Spitze übernommen hatte, ein verdammt hartes Stück Arbeit. Und das Finish war derartig spannend, dass sich Gerhard Mayr unmittelbar nach der Zieldurchfahrt nur als Zweitplatzierter wähnte. Allerdings war es nicht der weiterhin die Saisonstatistik anführende Meringo Star, der den Favoriten bis an seine Leistungsgrenze und zur Tagesbestzeit von 1:16,5 min. getrieben hatte. Sondern die 112:10-Außenseiterin Zovilja (Seth Ronland), die nach einem perfekten Rennverlauf an vierter Stelle außen bis auf eine Nüsternbreite an Last Man Standing herangestürmt war.

Meringo Star dagegen musste auf der Schlussrunde die undankbare Aufgabe als Angreifer in der zweiten Spur übernehmen und schon im letzten Bogen war deutlich zu erkennen, dass es an diesem Abend nicht für den Wallach reichen würde. Am Ende sprang für den Goehrke-Traber hinter Love Times (Thorsten Tietz) und Belgino (Heiner Christiansen), die trotz wesentlich besseren Rennverlaufs keine auffälligen Akzente setzen konnten, lediglich der fünfte Platz heraus. Angesichts der klaren Niederlage verlangte Daniel Goehrke seinem Schützling auf den letzten vierhundert Metern nichts mehr ab.

Das „Frei für Alle“ bildete also den Mittelpunkt – doch neben Last Man Standing zeigten auch andere Pferde hervorragende Leistungen. Vor allem bei Lord of Magic war der Name Programm, denn der krass unterschätzte 131:10-Außenseiter verzauberte das Mariendorfer Publikum mit einem bärenstarken Endspurt und präsentierte sich besser denn je. Heiner Christiansen hatte dem Hengst ein perfektes Rennen an vierter Position im Windschatten der 14:10-Favoritin Romantika (Rolf Hafvenström) verschafft. Die Stute verkaufte sich zwar teuer – doch Lord of Magic konnte es noch besser und sprintete achtzig Meter vor dem Ziel endgültig an der Gegnerin vorbei. Die Tagesbestzeit verfehlte der Mommert-Traber an dem nieseldurchregneten Abend trotz der ungemütlichen äußeren Bedingungen nur um eine Zehntelsekunde, denn die Uhr blieb bei imponierenden 16,6/1.900m stehen.

Nur wenig später ging Heiner Christiansen mit einem weiteren Mommert-Pferd auf die Siegerparade, das ähnlich beeindruckend agierte: Defiant Dancer (23:10) bewies, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Der hervorragend gezüchtete Traber, dessen Mutter Defiant Dream mit 108.437 Euro an Gewinnen ein sportliches Schwergewicht ist, stürmte ausgangs der Startgeraden in Front und diktierte fortan das Geschehen. In 17,2/1.900m ließ der Wallach nicht einen einzigen gefährlichen Angriff zu. Lediglich Lotte (Thorsten Tietz) arbeitete sich im Schlussbogen noch etwas näher an den Sieger heran, biss bei Defiant Dancer aber mit zwei Längen Rückstand auf Granit.

Michael Nimczyk steht unmittelbar vor einem Jubiläum: Der Profi holte sich seinen 999. Fahrersieg mit O’dalema Byrds (98:10), die sich in Berlin immer besonders wohl zu fühlen scheint und ihr Laufvermögen überzeugend ausspielt. Unmittelbar nach dem Start lag die Stute zunächst noch an vierter Position, doch bereits auf der ersten Tribünengeraden schickte der Bronzehelm die Fünfjährige an die Spitze des Feldes. Die in Dänemark aufgewachsene Vierbeinerlady erzielte einen Kilometerschnitt von 17,8/2.000m. Der Ehrenrang ging zwei Längen zurück an Lavinia Love (Heiner Christiansen), die ihrem jüngeren Bruder Lord of Magic brav nacheiferte.

Fantastic BR (19:10) traf es beim dritten Karrierestart verlockend an, denn der Wallach musste keine unüberwindbaren Klippen umschiffen und münzte die relativ leichte Aufgabe prompt in einen sicheren Start-Ziel-Erfolg um. Sein Trainer und Fahrer Heinz Wewering musste dem Wallach unterwegs nicht allzu viel abfordern und so hatte der Braune in 20,3/1.900m genügend Reserven zur Hand, als die stets in seinem Fahrwasser platzierte Manila SAS (Gerhard Mayr) einhundert Meter vor der Linie freikam.

In der Gewinnsummenklasse bis 3.000 Euro hatte Wewering dagegen weniger Glück, denn die ihm anvertraute Okidoki kam nach langer Führung Mitte des Einlaufs von Beinen. Der Endkampf wurde durch weitere anspringende Teilnehmer kräftig durcheinandergewirbelt und auch der Sieger Jean Pierre Corner musste zunächst noch eine Überprüfung der Rennleitung überstehen. Doch nach einer kurzen Verzögerung konnte Thorsten Tietz den 25:10-Mitfavoriten schließlich auf die Ehrenrunde führen. Für den Berufsfahrer sprang mit Achilles noch ein zweiter Tageserfolg heraus, den er sich allerdings mit Ariba Boshoeve (Roman Matzky) teilen musste – die speedstarke Stute hatte ihren Trainingsgefährten genau auf der Linie erwischt.

Der 17:10-Favorit It’s my birthday hatte mehr mit seinem Temperament, als mit den Konkurrenten zu kämpfen. Die kommende Deutsche Amateurmeisterin Sarah Kube musste schon ihre ganze Routine in die Waagschale werfen, um den sofort in Front gestürmten Wallach erfolgreich zu bändigen. Erst nach einer ganzen Runde wurde der heftig pullende Traber etwas ruhiger. Die Gegner kamen in dieser Phase zwar näher an It’s my birthday heran, aber der Fünfjährige blieb am Ende in 19,1/1.900m souverän vor Live and let die (André Schiller).

Das zweite Amateurfahren der Veranstaltung ging an Bernd Nebel, der Anita offensiv in die Schlacht geworfen hatte. Die Sechsjährige rangierte mit einer Quote von 68:10 hinter Milena (Thomas P. Feldhahn / 37:10) und Billy Turf (Sarah Kube / 38:10) nur an dritter Stelle. Doch der aus der sächsischen Kleinstadt Oderwitz stammende Nebel verstand sich mit der nicht ganz einfachen Stute prächtig. Seine Erfolgsbilanz geht in den letzten Wochen ohnehin steil nach oben: Bei noch nicht einmal sechzig Starts sind dem Hobbyfahrer bereits zehn Siege gelungen.

Auch Inedita (Matthieu Hegewald) war schon nach wenigen Metern an der Spitze des Feldes zu sehen. Ihr letztes Engagement hatte die Stute mit einem Fehler verpatzt – doch diesmal verkniff sich die Sechsjährige, die bei lukrativen 44:10 am Toto notiert war, jeglichen Fehler und ließ die Verfolger nie entscheidend herankommen. Als Zweiter verkaufte sich Taifun (Christian Zimmermann), der das gesamte Rennen in der Außenspur bestritten hatte, mehr als ordentlich.

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz:  94.473,09 Euro – Bahnumsatz:  27.663,00 Euro – Außenumsatz: 66.810,09 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 18. Dezember ab 13.30 Uhr statt.

Im sportlichen Mittelpunkt steht der mit insgesamt 14.000 Euro dotierte Advents-Preis der Amateure.