Königin Silvia, Mans Zelmerlöw und Pippi & Co. eröffnen den CHIO Aachen 2016

Foto von CHIO Aachen/ Michael Strauch: Das Königspaar in der Königlichen Gala-Barouche, welche um 1850 in Hamburg vom deutschen Kutschenhersteller Croissant & Lauenstein gebaut wurde

Alter Schwede, war das schön. Mit einer 90minütigen Eröffnungsshow rund um das diesjährige Partnerland Schweden begeisterten die Organisatoren des Weltfests des Pferdesports, CHIO Aachen, gestern fast 40.000 Zuschauer im nahezu ausverkauften Hauptstadion. Schon im Vorfeld hatte es geheißen, diese Eröffnungsfeier würde alles bislang Dagewesene in den Schatten stellen. Man hatte nicht zu viel versprochen.

Das Land der Dalapferde hatte seine Königin nach Aachen geschickt. Ihre Majestät, Königin Silvia von Schweden, wurde an der Seite ihres Gatten, Seiner Majestät, König Carl XVI Gustaf, begleitet vom königlichen Leibgardebataillon und der königlichen Feuerwehrkapelle, unter dem Jubel der Menge mit der Kutsche in die Soers gefahren. Sie nahm dann auf der Ehrentribüne Platz, wo sie unter anderem bereits von Prinzessin Benedikte von Dänemark erwartet wurde. Doch zuvor galt es, das Aachener Publikum zu begrüßen und den CHIO 2016 offiziell zu eröffnen. Damit, dass sie zwischendurch immer wieder vom Applaus im ausverkauften Stadion unterbrochen werden würde, hatte sie gerechnet: „Ich habe schon gehört, dass in Aachen ein besonderes Publikum ist.“

Dieses besondere Publikum hatte heute Abend jede Menge Gelegenheit, ausgiebig zu applaudieren. In der Show wurde heute in der Soers Schwedens Geschichte vom Mittelalter bis zum Eurovision Songcontest-Gewinner von 2015 durchgespielt. Ritter trafen sich zum Turnier mit Ringreiten und Lanzenstechen („Lasset das Turnier beginnen, möge der beste Ritter gewinnen!“). Das Mittelalter machte einer Horde wilder Winkinger Platz, die schließlich mit ihren Kaltblütern zu Popmusik von Avicii (der bekanntlich aus Schweden kommt) eine Quadrille vor der Loge der Ehrengäste zelebrierten.

Doch was wäre ein schwedisches Fest ohne Mittsommer bzw. Midsommar? Eben. Kein schwedisches Fest. Also hatten die Aachener rund 400 bis 500 „Mittsommernachtsgäste“ in die Soers geladen, die in Tracht unter den geschmückten Mitsommerstangen zu schwedischer Tanzmusik feierten. Das fröhliche Treiben wurde kurzfristig unterbrochen als Michel von Lönneberga nebst Schwester Ida in der Ponykutsche in die Soers einfuhr, um die Nationalflagge zu hissen. Doch da baumelte plötzlich statt des schwedischen Banners Ida am Mast. Typisch Michel! Wahrscheinlich sitzt Michel noch immer im Schuppen und schnitzt Holzmännchen – so denn sein Vater bei der Verfolgung des Missetäters erfolgreicher war als die Polizisten Kling und Klang, die Pippi Langstrumpf (Greta Klimke, Tochter von Vielseitigkeits-Star Ingrid) und ihrem Kleinen Onkel mal wieder vergeblich auf den Fersen waren.

Als Abba dann auf vier Schimmeln spanischer Rasse einritten, um zu „Waterloo“ und „The Winner takes it all“ die Hohe Schule der Dressur zu präsentieren, erklangen statt des Pippi Langstrumpf-Songs nun jene 1970er-Jahre Hits, die noch heute beinahe jedes Kind kennt.

Nachdem Königin Silvia den schwedischen CHIO-Teilnehmern, die im Kutschenkorso paradierten, noch zugewinkt und ihnen viel Glück gewünscht hatte, wurden Luftballons in den Himmel geschickt, mit denen auf die Europameisterschaften 2017 hingewiesen wurde. Die finden nämlich in der schwedischen Metropole Göteborg statt.

Den krönenenden Abschluss, der gleichzeitig die Brücke ins Hier und Jetzt schlug, bildete der Gewinner des Eurovision Songcontest 2015, Måns Zelmerlöw, der die Zuschauer endgültig von den Sitzen riss.

Ab morgen steht in Aachen nun bis Sonntag der Sport im Mittelpunkt. Denn in diesem Jahr heißt es: „Erst CHIO, dann RIO.“ Für viele Nationen, unter anderem Deutschland, ist der CHIO Aachen die entscheidende Sichtung zu den Olympischen Spielen. Mit anderen Worten: Wer ein Ticket nach Südamerika buchen will, muss in Aachen Leistung zeigen. Dementsprechend kann man sich in den kommenden Tagen auf Weltklasseleistungen von Zwei- und Vierbeinern freuen.

Ihre Majestät Königin Silvia von Schweden im Interview

Seit gestern ist das schwedische Königspaar Seine Majestät König Carl XVI Gustaf und Ihre Majestät Königin Silvia auf Einladung der Organisatoren des CHIO Aachen zu Gast in Aachen. Schweden ist das diesjährige Partnerland des Weltfests des Pferdesports. Am Abend besucht das Königspaar den Gala-Abend „Media Night“, bevor die Königin das Turnier offiziell eröffnet. Wir sprachen kurz vor der Eröffnungsfeier mit Königin Silvia von Schweden.

Wie ist Ihr erster Eindruck vom CHIO Aachen?

Königin Silvia: Das ist für mich ein Traumtag. Ich habe ja lange Zeit in Düsseldorf gelebt, also ganz in der Nähe, und habe schon immer davon geträumt, den CHIO Aachen zu besuchen. Jetzt habe ich es endlich einmal geschafft (lacht). Dieses Jahr ist das für Schweden eine große Möglichkeit, sich hier als gastfreundliches und vielseitiges Land zu präsentieren.

Welche Botschaft haben Sie mit nach Aachen gebracht?

Königin Silvia: Eine solche Veranstaltung wie diese ist sehr wichtig in dieser Zeit der Unruhen. Hier kommen so viele Nationen zusammen, um gemeinsam faire Wettbewerbe zu bestreiten. Es ist schön, dass es so etwas gibt. Und das gibt Mut! Ich bin sehr beeindruckt, wie gut hier alles organisiert ist, alles ist tiptop und so harmonisch. Ich fühle mich ein bisschen wie bei Olympischen Spielen. Ein ganz großes Kompliment an Aachen! Man erzählt sich ja auch, dass hier das beste Pferdehotel der Welt ist.

Welche Beziehung haben Sie zu Pferden?

Königin Silvia: Ich liebe Pferde. Es sind wunderschöne Tiere, die aber gleichzeitig auch so freundlich und sensibel sind. Das ist eine besondere Gabe!

Wer ist der talentierteste Reiter in der schwedischen Königsfamilie?

Königin Silvia: Der Vater meines Mannes war bislang definitiv der beste Reiter in der schwedischen Königsfamilie. Ich glaube, dass meine Tochter Prinzessin Madeleine sein Talent und seine Liebe zu den Pferden geerbt hat.

Und was ist mit Ihren Enkeltöchtern?

Königin Silvia: Estelle liebt Pferde und auch die einzelnen Rituale, die dazugehören: Füttern, putzen, striegeln. Die kleine Leonore hat mit ihren zwei Jahren auch schon ein wahnsinniges Zutrauen zu Pferden.

Sie sind ja bereits gestern auf dem Aachener Marktplatz empfangen worden. Wie war es?

Königin Silvia: Das war fantastisch. Dort waren so viele Menschen mit so viel Begeisterung. Gemeinsam mit den vielen schwedischen Bildern war das wunderschön anzusehen.

Reiten Sie selber auch?

Königin Silvia: Früher als kleines Mädchen bin ich auch geritten. Jetzt nicht mehr.

Und Ihre Lieblingsdisziplin?

Königin Silvia: Nicht runterfallen (lacht).