Kimberley Alexandra Gibson – Jugend mit Erfahrung trifft man selten

 


Kimberley Alexandra Gibson –

 

 

Jugend mit Erfahrung trifft man selten

 

Elisenau (jph) Wer den Lebensmittelpunkt von Kimberley Alexandra Gibson finden will, muss schon ein wenig suchen. Der befindet sich nur vorübergehend auf dem Gibson-Reiterhof in dem kleinen Ort Elisenau bei Berlin und oft auch ganz woanders. Kimbi-wie sie von ihrem näheren Umfeld und der Familie genannt wird, verbringt nämlich nicht den ganzen Tag auf einem Pferderücken; auch wenn das mancher Pferdefreund glauben mag, der ihre reiterlichen Erfolge kennt. Kimbi besucht auch noch so ganz nebenbei das Paulus-Praetorius-Gymnasium in Bernau am Hauptstadtrand und kämpft gerade mit den Herausforderungen, die so eine zehnte Klasse mit sich bringt. Da aber bald die Herbstferien anstehen, ist eine Verschnaufpause vom Pauken und Punktesammeln in Sicht. Und für die schulfreie Zeit hat sich Kimbi vorgenommen, nicht gar so viel an die Schule zu denken. Insofern unterscheidet sich Kimberley Alexandra Gibson nicht wesentlich von ihren Altersgenossinnen.

Ein paar gravierende Unterschiede zu ihren Klassenkameradinnen treten allerdings deutlich hervor: Während die anderen Teenager am Wochenende abhängen und sich ein wenig Gras genehmigen, ist Kimbi auf dem selbigen unterwegs und sammelt Siege und Schleifen. Kimberley Alexandra Gibson ist Reiterin; und das unter der Woche so um die zwei bis drei Stunden täglich und am Wochenende auf Turnieren von morgens bis abends. Der fünfzehnjährigen, recht zierlichen Person traut man als Außenstehender nicht wirklich zu, dass sie mit Großpferden und Ponys über Hindernisse springt, die meist größer sind als sie selbst. Und dies macht sie aber so erfolgreich, dass sie in nächster Zeit gleich bei mehreren Bundestrainern zum Lehrgang eingeladen ist. Dazu gehören Cornelia Endres (Dressur-Bundestrainerin Ponyreiter) und Peter Teeuwen (Springen-Bundestrainer-Ponyreiter). Außerdem gehört sie zum Landeskader Pony Dressur und Springen sowie zum Förderkader Dressur für Großpferde. Und die Liste allein für dieses Jahr ist noch länger.

Unterstützer, Förderer und Geschäftspartner ist Kimberleys Vater Alexander. Der Jurist mit hessischen Wurzeln hat vor etwa sechzehn Jahren in Brandenburg mit der Pferdewirtschaft begonnen. Zuerst in Weesow bei Werneuchen und später in Elisenau entwickelte er erfolgreich sein eigenes Konzept von einem Reiterhof. Mit Tochter und Frau, die er beim Jagdreiten kennen gelernt hat, verbindet ihn seine Liebe zum Reitsport. Auf der Anlage gibt es einige Einsteller und viele Pferde, die von ihm und seiner Tochter ausgebildet und trainiert werden. Die Kunden kommen zu Gibsons aus dem ganzen Bundesgebiet und auch aus dem Ausland. Kimberleys Job ist die Ausbildung der Ponys in Dressur und Springen. Gar kein so leichtes Unterfangen, wenn man erfolgreich sein will, denn in Berlin und Brandenburg sind turnieraktive Ponyreiter vor allem in den höheren Klassen noch immer die Ausnahme und deshalb werden Wettbewerbe in diesen Klassen eigens für Ponys nur selten ausgeschrieben. So ist es nicht verwunderlich, wenn gute Ponys aus dem Gibson-Stall die Region verlassen, da für sie weiter westlich und weiter südwestlich wesentlich bessere Preise erzielt werden können.

Als sozusagen Geschäftspartnerin des Vaters ist Kimberley am Erfolg beteiligt. Von ihrem letzten Anteil kaufte sie sich einen kleinen Motorroller, mit dem sie auf Turnieren schneller die vielen langen Strecken zurück legen kann. Dies scheint so ziemlich der einzige Luxus zu sein, den sich die bescheidene, junge Dame gönnt. Verdient hat sie sich diese Annehmlichkeit auf unzähligen Turnieren in den letzten Jahren.

Kimberleys Leben als Reiterin begann schon früh. Noch vor ihrer ersten Führzügelklasse-Prüfung mit vier Jahren bekam sie ihr erstes Pferd. Da war sie gerade mal drei Jahre alt. Doch der Reitsport ist und bleibt für sie noch nicht lebensbestimmend. Erst mal muss ein vernünftiges Abi-Zeugnis her. Mit dem Berufswunsch lässt sie sich auch noch Zeit. Akademische Weihen strebt sie schon an; allein die Richtung steht noch nicht fest. So zwischen Veterinärmedizin und Psychologie ist irgendwie alles möglich. Das Reiten selbst ist noch Hobby und Spaß. Sie zeigt hier gesunden Menschenverstand und Weitsicht. „Ich arbeite nach dem Minimalprinzip“, gibt sie zu und meint damit, dass sie für ihre Ziele den geringstmöglichen Aufwand betreibt. Diese Ehrlichkeit ist entwaffnend und in der Branche nicht üblich. Geduld, Neugier und Einfühlungsvermögen zählt sie selbst zu ihren Stärken. In Sachen Sitz und Einwirkung ist Marcus Ehning ein Vorbild für sie. Obwohl das mit dem Vorbild so eine Sache ist. Für Stars, Idole und andere profane Chimären scheint sie wenig Interesse zu besitzen.

Einem Partybesuch ist sie selbstverständlich nicht abgeneigt. Meist sind diese Partys am Wochenende und leider fern der Heimat. Im Festzelt zum Reiterball findet sie am Rande des Parcours aber viele Gleichgesinnte und Freunde; fühlt sich da auch wohl, denn Anerkennung ist ihr sicher. Immerhin hat sie in der zu Ende gehenden Saison 2085 Ranglistenpunkte gesammelt und steht damit auf Platz 747 in Deutschland. Diese Zahlen verkündet der Vater gern und voller Stolz; Kimberley sind sie nicht so wichtig.

Mehr Wert legt sie schon auf die von ihr gerittenen Pferde. „Apanatschi“, ist die schnelle Antwort auf die Frage nach dem Lieblingspferd. Mit der achtjährigen Stute war sie zuletzt in der Quali für den Ludger-Beerbaum-Cup in Rudow platziert. Die vier besseren Pferde des M*-Springens hatten ein Stockmaß über 148 cm. Wie gesagt, für Ponyreiter und –reiterinnen ist es ein hartes Brot in Brandenburg-Preußen. Apanatschi ist Kimberleys einziges eigenes Pony. Sie bekam es als A-Kandidat und machte aus dem kleinen Wirbelwind innerhalb von drei Jahren eine M-Springerin. In Neustadt gab es für das Paar bei den Landesmeisterschaften den Titel des Vize-Landesmeisters. Hut ab, kann man da nur sagen und sich die fünfzehn Lenze der Reiterin vor Augen halten.

Sehr gern und erfolgreich in der Dressur reitet sie auch Torondo van de Kruishoeve. Der Belgische Warmblutwallach ist so alt wie sie. In der Prüfung fällt Kimberley fast in Trance beim Reiten, so konzentriert ist sie. Das ist manchmal schon ein bemerkenswerter Anblick. „An der Haltung müssen wir noch ein wenig arbeiten“, gibt Vater Gibson unumwunden zu. Wer allerdings so gut auf zwei Hochzeiten tanzt, dem seien solche kleine Fehler verziehen.

Spaß macht ihr die Arbeit auch mit dem Holländischen Warmblutwallach Grameur, mit dem sie bereits in der S-Dressur platziert war und vor allem mit der Oldenburger Stute Lausanne. Mit ihr wurde sie auch Siegerin in einem M**-Springen.

Siege und Einladungen zu Turnieren, sehr gute Pferde im Beritt gibt es schon eine Menge im Leben von Kimberley Alexandra Gibson. Und hier offenbart sich ihre allergrößte Stärke: Trotz vieler Erfolge, vieler Auszeichnungen und Ehrungen bleibt Kimbi auf dem Teppich. Und wenn dieser Teppich grün ist und ab und zu gemäht wird, bevor sie drauf reitet – umso besser.

Fotos von Jan-Pierre Habicht:

oben: Kimberley Alexandra Gibson beim Springturnier in Hönow September 2011

Mitte: Kimberley Alexandra Gibson beim Dressurturnier in Hönow im Juli 2011 auf Torondo van de Kuishoeve

unten: Kimberley Alexandra Gibson auf Apanatschi beim Reit- und Springturnier in Malchow 2011

Informationen zum Reiterhof der Familie Gibson in Elisenau bei Berlin gibt es auch unter www.reitanlage-elisenau.de

 

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