Kevin Staut im Interview: „So etwas wie das CHIO Aachen gibt es nirgendwo sonst auf der Welt!“

Kevin Staut gehört schon seit Jahren zu den besten Springreitern der Welt. Ein großer Triumph fehlt der aktuellen Nummer 9 der Weltrangliste jedoch noch auf seiner langen Erfolgsliste: der Sieg im Rolex Grand Prix, Großer Preis von Aachen. Im Interview verrät der Franzose, was er sich für das Weltfest des Pferdesports vorgenommen hat, und warum er in diesem Jahr nicht nur beim Reiten, sondern auch beim Essen Herausforderungen annehmen wird.

Nur noch wenige Tage bis zum Weltfest des Pferdesports. Aufgeregt?

Kevin Staut: Ja, sehr sogar! Aachen ist immer ein fantastisches Turnier, und in diesem Jahr ist es eine ganz besondere Herausforderung, weil es nur drei Tage läuft. Normalerweise haben wir fast eine Woche Zeit, um unsere Pferde an die beeindruckende Atmosphäre und das riesige Stadion zu gewöhnen. Diesmal reisen wir freitags an und sonntags ist dann schon der Rolex Grand Prix. Da braucht man eine andere Strategie für seine Pferde.

Und die wäre?

Ich bringe mit dem 14-jährigen Reveur de Hurtebise eines meiner erfahrensten Pferde für die Große Tour mit. Er ist in sehr guter Form, aber er ist noch nie in Aachen gesprungen. Deswegen werde ich auf jeden Fall schon das Training am Freitag nutzen, um ihm alles in Ruhe zu zeigen. Außerdem habe ich noch den elfjährigen Qurack de Falaise dabei. Für ihn ist es eine super Möglichkeit, auf einem Turnier in dieser großen Dimension Erfahrungen zu sammeln.

Erfahrungen für die Europameisterschaft, die ja auch in Aachen stattfindet?

Die beiden Pferde, die ich mitnehme, sind sicherlich auch enge Kandidaten für die EM. Aber die Vorbereitung darauf steht hier ganz klar an zweiter Stelle: Ich möchte in Aachen gut reiten, ich möchte kämpfen und ich möchte den Rolex Grand Prix gewinnen!

Wie sieht es mit der Konkurrenz in Aachen aus? Haben Sie Angst vor den Deutschen?

Wir haben immer Angst vor den Deutschen, nicht nur in Aachen! (lacht) Nein, im Ernst, ich bin immer aufgeregt, wenn ich mit deutschen Reitern auf einem Turnier starte. Ich habe früher oft Reiter wie Marcus Ehning oder Ludger Beerbaum beobachtet und genau geschaut, wie sie reiten. Das mache ich heute noch gerne. Aber Angst habe ich keine, nur eine gute Portion Aufregung!

Apropos Portion: Beim Weltfest des Pferdesports wird in diesem Jahr nicht nur spitzenmäßig geritten, sondern auch spitzenmäßig gekocht. Auf der Gourmet-Meile kochen Sterneköche für die Besucher des Turniers. Wird man Sie dort auch finden können?

Oh ja, bestimmt. Es ist eine tolle Gelegenheit, mal etwas Neues auszuprobieren. Das mache ich gerne auf den Turnieren und ich bin ohnehin ein Mensch, der sehr gern isst. Also werde ich auf jeden Fall schauen, wer da so kocht.

Noch einmal zurück zum Sport: Zusammen mit den beiden anderen Major-Turnieren CHI Genf und dem CSIO Spruce Meadows „Masters“ bildet Aachen den Rolex Grand Slam der Springreiter. Wer die drei Turniere hintereinander gewinnt, bekommt eine Million Euro zusätzlich zum Preisgeld. Was halten Sie von dieser Initiative und der Auswahl der Turniere?

Ich habe schon ganz viele Turniere gesehen und die meisten sind auch wirklich schön, aber die größte Schwierigkeit ist es, eine einzigartige Atmosphäre in ein Turnier zu bringen. Rolex hat mit Genf, Aachen und Spruce Meadows nicht nur das beste Indoor- und die beiden besten Outdoor-Turniere der Welt ausgewählt, sondern Veranstaltungen, die eine große Geschichte und einen außerordentlichen Sportsgeist haben. Der Rolex Grand Slam ist etwas ganz Besonderes für uns Sportler, und Du spürst diese besondere Stimmung auf den drei Turnieren. Der Parcours von Aachen zum Beispiel ist mit seinem Doppel-Wasser und dem kleinen See in der Arena schon ganz speziell. Sowas siehst Du nirgendwo sonst auf der Welt. Dann noch das Publikum im Stadion – darauf kannst Du Dich nicht woanders vorbereiten. Das gibt es nur in Aachen!

Foto: Kevin Staut beim CHIO Aachen 2014 (Foto: CHIO Aachen/ Michael Strauch)