Jetzt schlägt’s dreizehn! Meringo Star behauptet sich an der Spitze der Saisonwertung. Die Tagesbestzeit geht an Sugar


Jetzt schlägt’s dreizehn! Meringo Star behauptet sich an der

Spitze der Saisonwertung. Die Tagesbestzeit geht an Sugar

 

Ob Form Klasse schlägt, oder die Sache genau anders herum läuft, wird im Trabrennsport häufig und gerne diskutiert. Doch manchmal müssen sich die Begriffe nicht gegenüber stehen, sondern ein Traber kann beide Attribute vereinen. Meringo Star scheint ein solches Pferd zu sein. Seine Form ist seit Monaten top und seine Klasse ist so hervorragend, dass er am Saisonende vermutlich der siegreichste deutsche Traber 2011 sein wird. Wer bisher noch Zweifel am Können des Lokalmatadoren hatte, wurde bei der Mariendorfer Montagabendveranstaltung schnell eines Besseren belehrt.

Denn Meringo Star (38:10) lief das beste Rennen seiner bisherigen Karriere und fertigte seine acht Gegner in der nach oben hin offenen Gewinnsummenklasse gnadenlos ab. Selbst der Weg durch die Angreiferspur machte dem Wallach nichts aus. Als Cadeau (Heinz Wewering) vor den Tribünen an die Spitze gezogen war, blieb Daniel Goehrke nämlich gar nichts anderes übrig, als seinen Crack an die Flanke des Piloten zu beordern. Meringo Star strotzte regelrecht vor Kraft. Schon im Schlussbogen hatte der Braune den nicht überzeugenden Cadeau, der am Ende auf Rang vier zurückfiel, komplett zermürbt. Und auch den gefährlichen Hamiro Sebarg (Daniel Wagner), der ihm stets wie ein Schatten gefolgt war und im Einlauf noch einmal alles gab, hielt Meringo Star in 16,3/1.900m mit einer halben Länge Vorteil in Schach. Der dritte Platz ging an Zovilja (Seth Ronland), die unterwegs kaum zur Entfaltung gekommen war und ihre enorme Grundgeschwindigkeit zu spät in die Waagschale werfen konnte.

Mit aktuell dreizehn Siegen steht Meringo Star in der Saisonwertung der siegreichsten deutschen Traber also weiterhin an der Spitze und hat seinen Vorsprung auf die Hauptkonkurrenten Roy Horn und Love Story (beide elf Jahreserfolge) um einen Zähler ausgebaut. Mit der am Wettmarkt heiß angefassten Stute Dynamic (16:10) hatte Daniel Goehrke ein Rennen zuvor allerdings weniger Glück. Denn die Favoritin ging zwar in Führung, doch diesmal wurde ihr gründlich der Zahn gezogen. Villanus, der mit einer Quote von 90:10 sträflich unterschätzt war, erwies sich als unüberwindbare Hürde. Der oft recht heftige Wallach hatte sein Nervenkostüm diesmal fest im Griff. Nachdem Andreas Gläser seinen Schützling zunächst an die vierte Position außen dirigiert hatte, erhöhte Villanus im letzten Bogen konsequent den Druck auf Dynamic, die wenig später das Geläuf verlor. Villanus war dadurch einsam auf weiter Flur. Mit den Außenseitern Kim Possible (Benjamin Hagen) und Optana Bes (Bernd Schrödl) auf den weiteren Plätzen zahlte die Dreierwette stolze 11.028:10 aus.

Einen bärenstarken Abend erwischte Michael Nimczyk: Der Profi erzielte drei Siege, die entscheidend zur erfolgreichen Verteidigung des Bronzehelms beitragen könnten. Den Anfang machte Good Luck Heldia (49:10) in einem spannenden Viererwetten-Rennen. Nimczyk führte den Wallach eine Runde vor Schluss an die Spitze, die der Sechsjährige unter Rekordverbesserung auf 17,4/1.900m eisern bis ins Ziel behauptete. Mademoiselle Mo (Heinz Wewering) gab außen herum zwar ihr Bestes, brachte den Sieger aber nie in ernsthafte Gefahr. Wenig später folgte dann Nimczyks zweiter Treffer mit Welcome Boshoeve (36:10), die in 17,0/1.900m von einem Idealverlauf als zweites Pferd an der Innenkante profitierte. Auch Springfield (17:10) bekam von dem Mann aus Willich ein geschontes Rennen serviert. Der „trabende Geldschrank“ lag unterwegs an dritter Stelle innen und ausgangs des Schlussbogens tat sich für den Großverdiener rechtzeitig die Lücke auf, um in 17,5/1.900m zum 38. Karrieresieg zu stürmen.

Die Tagesbestzeit von 16,0/1.900m ging aber an ein anderes Pferd: Die Stute Sugar (15:10) ist eine der großen Bereicherungen des Berliner Rennsports. Was sie kann, hatte die von Daniel Wagner trainierte und gefahrene Vierbeinerlady bereits Anfang dieses Monats mit ihrem Sieg bei der Breeders-Crown-Entlastung bewiesen. Dass dieser Triumph kein Zufallsprodukt war, erhärtete Sugar nun mit einer erneuten Glanzleistung – nach einem Rennverlauf, bei dem es eigentlich nichts zu gewinnen gab. Denn während sich die Stute erst mühsam aus dem Hintertreffen heranarbeiten musste, war der sofort in Front gezogene Gegenspieler General Eck (André Schiller) im letzten Bogen bereits enteilt. Doch Sugar gab sich nicht geschlagen – die Stute entfaltete auf der Zielgeraden ihren mörderischen Speed und nahm General Eck bis zur Linie noch ganze zwei Längen ab. Beim 27. Start war dies bereits ihr 14. voller Erfolg.

Die weiteren Sieger des Abends waren ebenfalls überzeugend. Zidane Flevo (41:10) beendete eine längere Durststrecke und kam endlich glatt über den Kurs. André Pögel zögerte im Sulky des Dunkelbraunen nicht lange und beorderte den Fünfjährigen noch im ersten Bogen an die Spitze. Dort strampelte Zidane Flevo sein Pensum in 18,5/1.900m brav herunter. Ganz erstaunlich war die Vorstellung, die Live and let die (248:10) bot: André Schillers Stute, die im Schlussbogen in vierter Spur aufmarschiert war, wuchs bei ihrem Ehrenplatz regelrecht über sich hinaus und kämpfte sich in beeindruckendem Stil an Imira (Mario Krismann) und der völlig enttäuschenden 17:10-Favoritin Chelsea Norton (Hans-Jürgen von Holdt) vorbei. Die Außenseiterin hat sich in den vergangenen Wochen offenbar enorm verbessert und steht in dieser Form schon bald zum Sieg.

Kay Ray Mo (32:10) legte beim Karrieredebüt auf Anhieb die Maidenschaft ab. Heinz Wewering führte den dreijährigen Hengst, dessen Eltern Joker Mauritz und Kabarett insgesamt 86 Siege für den Rennstall Ulrich Mommert erzielt hatten, zunächst vorsichtig in das Gefecht. Auf der Gegenseite zog Kay Ray Mo dann aber im Rush an die Spitze und verlor die überforderte Konkurrenz innerhalb weniger Meter komplett aus den Augen. Ganze sieben Längen trennten den Braunen, der mit 18,7/1.900m zudem einen ordentlichen Schnitt erzielte, am Ende von der zweitplatzierten Shitana (Marisa Bock).

Grummel entwickelt sich zu einem echten Seriensieger: Dem Wallach, der diesmal von Nicole Fink gesteuert wurde, gelang bereits der dritte Treffer hintereinander. Der bei 16:10 notierte Favorit gestaltete die Angelegenheit allerdings mächtig spannend. Denn im letzten Bogen hatte sich der attackierende Pedro MH (Julia Ertel) tatsächlich schon an dem Favoriten, der nach vierhundert Metern an die Spitze gegangen war, vorbei geschoben. Doch die Entscheidung war damit noch nicht gefallen, denn Grummel kämpfte sich noch einmal in bravouröser Manier zurück und verwies den Widersacher in 18,4/1.900m mit einer Halslänge Vorsprung auf den zweiten Platz.

Mit stattlichen 3.000 Euro war die Wiederholung des Gästefahrens dotiert. Das Rennen wurde zur Beute von Shirkan (45:10), der trotz seiner zwanzig Meter Zulage schnell auf Touren gekommen war und an vierter Stelle außen einen geradezu traumhaften Verlauf vorgefunden hatte. Dies war natürlich vor allem seinem routinierten Fahrer Michael Hamann zu verdanken, der den sechsjährigen Hengst schon vor den Tribünen in die Idealposition gesteuert hatte. Dennoch musste Shirkan in einem packenden Finish wirklich alles geben, denn der Pilot Ischtvan (Bernd Nebel) erwies sich als echter Prüfstein und gab sich erst mit dem allerletzten Schritt geschlagen. Bei seinem vierten Saisonerfolg trabte Shirkan einen Schnitt von 17,4/2.020m.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 95.681,93 Euro – Bahnumsatz: 25.219,00 Euro – Außenumsatz: 70.462,93Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 27. November ab 13.30 Uhr statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht dann mit 10.000 Euro dotierte Trial I des Weihnachts-Pokals.