Interview mit Vielseitigkeits-Bundestrainer Melzer: Die Olympiasaison hat gut begonnen

Interview mit Vielseitigkeits-Bundestrainer Melzer:

Die Olympiasaison hat gut begonnen

FN-Aktuell: Herr Melzer, die Vielseitigkeit ist bekanntlich eine „Outdoor-Sportart“. Hat die Saison für die Olympiakandidaten trotzdem schon begonnen?

Hans Melzer: „Ja, wir hatten bereits zwei Lehrgänge im Bundesleistungszentrum in Warendorf. Beim ersten Termin Ende Februar wollten wir einfach mal sehen, wie die potenziellen Olympiapferde nach dem Winter so drauf sind. Daher stand vor allem Dressur- und Springtraining auf dem Programm. Anfang März hatten wir dann zum ersten Mal Geländetraining. Der Geländeplatz in der Bundeswehrsportschule bietet dafür beste Bedingungen und wir hatten auch Glück mit dem Wetter.“

FN-Aktuell: Wie war Ihr Eindruck?

Hans Melzer: „Wir haben insgesamt 13 championatserfahrene Reiter mit 15 Pferden auf unserer Liste und ich muss sagen, dass alle rechtzeitig angefangen haben und sehr gut vorbereitet nach Warendorf kamen. Vor allem in der Dressur haben sich fast alle verbessert. Man merkt, dass sich sie sich etwas vorgenommen haben und sich jeder Chancen ausrechnet. Das haben wir auch immer wieder betont: Jeder bekommt seine Chance, wenn er beweisen kann, dass er in Topform ist. Wir wollen aber keine ‚Schleichrunden’ sehen. Jeder muss auch in den Vorbereitungsprüfungen sein Bestmögliches geben und sollte idealerweise beweisen, dass er eine Prüfung mit seinem Dressurergebnis beenden kann.“

FN-Aktuell: Der Sichtungsweg war in den vergangenen Jahren immer individuell für jedes Paar einzeln gestaltet. Ist das auch 2012 wieder so?

Hans Melzer: Ja, dieser Weg hat sich bewährt. In diesem Jahr werden die meisten außerdem mindestens eine oder sogar mehrere Prüfungen in England bestreiten. In einem britischen Park zu reiten ist eben noch etwas anderes als hier auf dem Kontinent. Einige sind auch für längere Zeit in England. Zum Beispiel Bettina Hoy und Beeke Kaack, die beide im Moment nicht im Championatskader sind. Sie können sich aber ebenfalls eine Chance ausrechnen, vor allem, wenn es wie geplant in Badminton gut für sie läuft. Sie sind jetzt beide schon auf der Insel und bereiten sich vor. Dieses Vier-Sterne-Turnier Anfang Mai ist aber auch für andere deutsche Reiter ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach London.“

FN-Aktuell: Welche Turniere sind noch wichtig?

Hans Melzer: „Die Saison beginnt jetzt am Wochenende in Fontainebleau. Das Turnier ist zugleich die erste Station der neuen Nationenpreisserie. Welt- und Europameister Michael Jung wird gleich mit drei Pferden dort am Start sein, außerdem reiten Andreas Dibowski mit FRH Fantasia, Andreas Ostholt mit Franco Jeas und Kai-Steffen Meier mit TSF Karascada M. Die meisten anderen starten am kommenden Mittwoch bei einer Ein-Tages-Prüfung in Luhmühlen auf M-Niveau. Bevor es in Deutschland mit dem CIC*** Marbach als erste Drei-Sterne-Prüfungen losgeht, gibt es im April noch das CCI*** Vairano in Italien. Dort wird beispielsweise Ingrid Klimke am Start sein, die vor einem möglichen Start in London noch ein Qualifikationsergebnis in einer ‚langen’ Prüfung braucht. Die Longlist werden wir nach der Deutschen Meisterschaft und dem CCI**** Luhmühlen Mitte Juni aufstellen. Die letzte Station ist dann das Nationenpreisturnier im Rahmen des CHIO Aachen, wo wir zehn Startplätze zur Verfügung haben. Dort wird auch endgültig nominiert.“

FN-Aktuell: Und wann geht es nach London?

Hans Melzer: „Am 23. Juli werden wir morgens um vier Uhr als erste Nation in London ankommen. Das gibt uns die Gelegenheit, die Abläufe auf dem doch sehr beengten Terrain kennen zu lernen. Vor der Abreise haben wir noch ein kurzes Trainingslager in Bonn-Rodderberg. Dort haben wir für die Vorbereitung auf London die besten Bedingungen. Einerseits das hügelige Gelände für den letzten Konditionsschub und andererseits die Ruhe. Dort sind wir wirklich ungestört. Nicht zuletzt liegt Bonn sehr günstig für die Reise nach England.“     Das Interview führte Uta Helkenberg.