Ice Girl – eine Geschichte ohne Happy End

Am 11.04.2008 ist Ice Girl aus der Immortalis von Noroit geboren. Seit Oktober 2011 befand sie sich im Besitz meiner Familie. Erworben haben wir sie direkt von der Züchterin. Nach Aussagen der Züchterin gab es anscheinend vorausgehende Besitzer, welche sie aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten wieder zur Züchterin zurück gebracht hätten. Im Pass waren allerdings  keine weiteren Besitzer. eingetragen.

Von einem Weideunfall in Fohlenjahren würde uns von der Züchterin berichtet. Ice Girl soll sich bei diesem Unfall in einem Stacheldrahtzaun verfangen haben. Die Verletzungen waren nach Aussage der Züchterin wohl nur oberflächlich, weswegen Ice Girl eine kleine Narbe am Schulterblatt zurück behielt.

Auf eine AKU wurde beiderseits verzichtet.

Die Mutter, ein vielversprechendes Rennpferd, welches ebenfalls im Besitz der Züchterin gewesen ist,  sei nach Aussage der Züchterin kurz nach der Geburt von Ice Girl verstorben, wodurch Ice Girl wohl sehr menschenbezogen aufgewachsen sein sollte. Nach einigen Recherchen meinerseits stellte sich heraus, dass diese Aussage der Züchterin schlechthin eine Lüge war, denn Immortalis ist an der Unachtsamkeit eines Menschen wegen eines offenen Bruchs gestorben.

Ich lernte Ice Girl als ängstliche, neugierige, dickköpfige, temperamentvolle und hypersensible, 

3-jährige, junge Stute kennen- eine Mischung die nicht ganz ohne war. Sie wurde uns von der Züchterin als halfterführig, hufschmied- und verladefrom verkauft.

Am 01.10.2011 war der große Tag des Umzugs. Das Verladen war ein echter Horror; für Pferd und Mensch und die Fahrt ins neue Zuhause, zum Milchhof Mendler, war für alle Beteiligten sehr anstrengend. Das Entladen hingegen erfolgte viel besser als erwartet. Hocherhobenen Hauptes stolzierte Ice Girl aus dem Hänger. Ich brachte Ice Girl zuerst einmal in ihre Box, damit sie ein bisschen runter kommt.

Etwas Zeit ließ ich ins Land gehen und hielt es dann für eine gute Idee, der Püppi die neue Gegend etwas zu zeigen, bis ich sie schließlich, natürlich unter Aufsicht, auf ein Stück Wiese stellte. Schnell sollte ich belehrt werden, dass das so gar keine gute Idee schien, denn sie regte sich wider erwartend so fürchterlich auf und drohte mir gleich durch den E-Zaun zu rennen. Mein Herz rutschte mir in die Hose ... Unter großem Aufwand gelang es uns, die Püppi etwas zu beruhigen und sie hopsend wieder zurück in ihre Box zu bringen.

Demnach wussten wir jetzt, die Eingewöhnungszeit würde wohl etwas länger dauern … Es war nicht einfach, die Püppi an ihre neue Situation zu gewöhnen – auch das tägliche auf die Weide bringen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Gleiches galt auch für den Rückweg von der Weide in die Box.

Wenn wir zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst hätten, dass diese Probleme unsere kleinsten Probleme sein sollten, dann …

Es dauerte nämlich nicht lange, exakt 14 Tage nach dem Kauf, hatte Ice Girl schon die erste Kolik und nach weiteren 2 Wochen bereits die nächste … und das ging so weiter. Die Ursache der immer wiederkehrenden Koliken blieb uns ein Rätsel. Auch der Tierarzt konnte uns dazu nicht viel raten. Wir handelten  also instinktiv, versuchten Stresssituationen zu vermeiden und gewährten eine 3-monatige Eingewöhnungszeit, achteten auf das Futter sowie auf Wetterumschwünge, wodurch es uns gelungen ist,  die Koliken in den Griff zu bekommen.

Anfang 2012 (Januar ) nach der Eingewöhnungszeit  bei täglicher Versorgung und routiniertem Tagesablauf, der sich für alle Beteiligten nicht ganz einfach gestaltete, weil die Püppi durch ihr Herumgehopse und ihre Unart, ohne Vorwarnung zu steigen oder sich auf dem Weg zwischen Weide und Box einfach nicht zum Laufen bewegen zu lassen, nicht gerade zu den Lieblingen des Hofpersonals gehörte, durch welches uns sehr deutlich nahegelegt worden ist, das Pferd so schnell, als es uns möglich ist wieder zu verkaufen. Die Aussagen des Hofpersonals war für unsere Sache nicht gerade förderlich, aber auch wir hatten durch das Verhalten von Ice Girl echte Schwierigkeiten mit dem Handling - die Reinigung der Hufe war uns echt ein Gräuel - denn Hufgeben ohne nach dem Menschen zuschlagen war einfach nicht drin.... wir hätten fast aufgegeben, zumindest war ich soweit, tatsächlich eine Verkaufsanzeige zuschalten.

Als es jedoch zu meiner Verkaufsanzeige dann Interessenten gab – und es gab einige, musste ich begründet durch den gesundheitlichen Zustand des Pferdes, ungeklärte Lahmheit, hinten links  meine Verkaufsanzeige deaktivieren und anstelle dessen umgehend zur Abklärung in die Pferdeklinik Düppel fahren.

Dort wurde viel untersucht, mit dem Ergebnis ungeklärte Lahmheit, vermutlich zurückzuschieben auf das Wachstum- also wieder nach Hause. Nachdem sich der Zustand nicht besserte, beauftragte ich schließlich einen Osteopathen, welcher nach eingehender Untersuchung ebenfalls keine Ursache, außer evtl. das Wachstum für diese Lahmheit fand - und ich war mit meinen Latein am Ende. Ich verabreichte 4 Wochen Traumeel - Tabletten, ließ sie täglich rausbringen und wartete ab. Plötzlich schien die Lahmheit wie weg geblasen und Ice Girl lief wieder klar.

Im März 2012 konnten wir mit ihr zunächst im Schutz der Halle an ihrer Erziehung zu arbeiten beginnen und steigerten das langsam bis zur Bodenarbeit. Das war wirklich eine Aufgabe ... der ich mich zunächst kaum und schon gar nicht alleine gewachsen fühlte - bis mir bewusst wurde, dass ich die Erziehung auch stückweise über die Bodenarbeit erreichen konnte, dauerte es etwas.

Ice Girl stürmte mehr oder weniger um mich herum, sie hatte solch eine Angst vor der Longierpeitsche, dass ich es zwar für schwer machbar aber für gut hielt, sie über meine Stimme und Körpersprache zu bekommen – und das dauerte … Woraufhin mir viele Einsteller immer wieder sagten: „Mensch das ist zu gefährlich, was du da machst, lass das lieber … „ , wie oft ich nervlich total am Ende war, habe ich irgendwann aufgehört zu zählen… Weshalb ich deswegen, sichtlich überfordert, dazu neigte, die Arbeit mit dem Pferd einfach meinen Mädels unter meiner Aufsicht zu überlassen. Mein Dank hierzu geht an Saskia Holtz, Vanessa Holtz & Viktorija Didjura.

Es dauerte einer ganze Weile bis es mir möglich war, dieses Pferd einigermaßen vernünftig an der Longe zu arbeiten. Schließlich hatten wir irgendwann den Bogen raus und auch das Pferd hatte sich mit dieser Situation engagiert. Es war einfach zauberhaft, Ice Girl so entspannt und ruhig im Umgang mit mir und meiner ziemlich, Frauen untypische Stimme zu erleben. Die Arbeitssituation entspannte sich zunehmend- sollte aber nicht von langer Dauer sein, denn die Püppi wurde auf derselben Hand wieder lahm. Diese Lahmheit blieb wieder ungeklärt und wurde wieder auf das Wachstum zurückgeführt. Neben dieser Lahmheit entwickelte sich vermutlich durch diese eine Schiefstellung der Hüfte und wieder wurden wir in der Pferdeklinik, um die Reitbarkeit generell abzuklären, am 01.04.2012 vorstellig. Wir ließen den Rücken und die Hüfte röntgen und stellten einen Engstand zwischen zwei Dornfortsätzen im Bereich der Sattellage (C14 / C15) fest, welches sich durch ein Bewegungsprogramm (Aufbautraining für den Rücken - Longieren über Stangen, vorwärts, abwärts - bei wechselnden Gangarten) regulieren lassen sollte. Es lag keine definitive Diagnose über Kissing Spines vor und die Reitbarkeit wurde unter Auflage des Rückentrainings bescheinigt.

Schließlich arbeiteten wir sie nachdem Bewegungsplan. Tatkräftige Unterstützung erhielt ich von Janin Mahlitz,  Viktorija Didjura und Vanessa Holtz. Unter der Arbeit schien Ice Girl nun endlich Vertrauen aufzubauen und hatte sichtlich Spaß da ran. Sie fixierte sich auf meine ruhige, tiefe Stimme und ließ sich einwandfrei Händeln. Natürlich ließen wir uns immer wieder neue Sachen einfallen - denn wir wollten ja nicht das Ice Girl abstumpft. Somit nahmen wir die Gewöhnung an den Sattel und an das Zaumzeug vor.

Merkwürdiger Weise verlief hierzu alles ganz unproblematisch und wir machten zu unsere Freude weitere Fortschritte. Auf wundersame Weise machte Ice Girl den Eindruck, als würde sie den Sattel eigentlich schon kennen.... - denn sie reagierte überhaupt gar nicht mit Abwehrverhalten - nicht in der Box, nicht beim Führen und auch nicht unter der Arbeit. Fraglich ist, weswegen sie so unerwartet "gut" reagierte, denn nach Aussage der Züchterin, kannte sie weder Sattel noch Trense.

Mai 2012 Alles schien gut zu werden, doch …wieder zeichnete sich ein Aussetzen des Trainings ab. Denn die Püppi stürzte auf der Weide über eine Heuraufe. Nach tierärztlicher Behandlung folgten Boxenruhe und Arnika unter täglichem Schrittführen. Und nicht dass DAS reichen würde, stürzte sie nach 5 Tagen innerhalb der Schrittrunde gleich nochmals auf den Asphalt, verletzte sich dabei den Hüfthöcker - Gottseidank, war dieser nun nicht gebrochen. Nach tierärztlicher Behandlung mit Metacam und Säuberung der oberflächigen Wunde wurde die Boxenruhe verlängert und die Schrittführe in die Halle verlegt.

Nach Erlösung aus der Boxenruhe verschieb ich ihr erstmal 4 Wochen Urlaub. Sie wurde betuttelt und gepflegt und sollte sich erstmal erholen. Neuer Anfang neues Glück? Neuer Anfang sicherlich, aber das Glück um das Weiterkommen sollte uns nicht hold sein. Wie auch immer sie das geschafft hat, biss sie sich in der Box das Halfter los, auf die Zunge, welche durch den Biss extrem anschwoll und sie deswegen nicht fressen und trinken konnte. Zum Glück war ich vor Ort- hätte sonst bestimmt niemand gesehen.

Ich verständigte umgehend den Tierarzt, welcher Ice Girl mit einem Antibiotikum und Schmerzmittel versorgte. Ich blieb sicherheitshalber, bis die Zunge wieder abschwoll und Ice Girl wieder fressen und trinken konnte.

Ein paar Tage später erreichte mich abends um 22.00 Uhr ein Anruf von unserem Hof. Mir wurde mitgeteilt, dass Ice Girl wieder einmal Kolik-Symptome aufzeigte. Weshalb ich spät abends - gerade zuhause angekommen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zurück zum Hof fuhr. Als ich ankam,  war der Tierarzt, welcher im Vorfeld verständigt worden war - schon wieder weg- und es ging Ice Girl dementsprechend gut. Das war dann der Punkt, an dem ich mir eine eigene Fressbremse zugelegt habe.

Nach all dem fingen wir also nach ca. 2 Wochen Pause wieder bei null an. Wir arbeiteten weitere 4 Wochen nach dem Bewegungsplan und beschäftigten unser Sorgenkind vielseitig. Als wir wieder einmal soweit waren, uns erneut mit dem Aufsteigen , Sitzen und Führen (Schritt) zu beschäftigten, trat sich Ice Girl auf der Weide einen Nagel ein. Wieder kam der Tierarzt und versorgte das Pferd dementsprechend und wieder mussten wir eine Pause einlegen.

Zum Ende es Jahres 2012 erreichte uns dann die Druse… ganz wunderbar (Ironie), was wiederum mit einer diesmal sehr langen Pause gut ausging. Die Püppi stand 2 Wochen in der Klinik unter Quarantäne und im Anschluss nochmal 3 Wochen in  isolierter Boxenruhe bei täglichem Schrittgehens auf dem Hof und kaum waren die 3 Wochen beendet, folgte ein neuer Verdacht auf wiederholte Ansteckung der Druse, demzufolge zur Abklärung wieder in die Klinik und das nochmals für 10 Tage- der Verdacht bestätigte sich schließlich nicht und Ice Girl durfte wieder nach Hause.

Wir verschafften ihr zur Vorbereitung auf den Winter Paddock-Bewegung im Schritt und schließlich konnte ich sie in die "Freiheit" entlassen. Im Januar 2013 bekam sie durch ihr ohnehin geschwächtes Immunsystem schließlich noch Pilz und somit wurde die Sache immer runder - ich war am Ende meiner finanziellen Möglichkeiten und beschloss daraufhin, mein Pferd weg zustellen, was ja begründet durch die gesundheitliche Situation nicht ganz einfach war- finde mal einen Platz mit dem Wort Druse und Pilz .... ganz toll :o((

Am 28.02.2013 war es dann soweit: Wir fanden einen geeigneten Hof, den Galgenberghof Müncheberg. Wir packten unsere sieben Sachen, ließen Ice Girl vor dem Transport in die neue Heimat nochmals ihren Bewegungsdrang ausüben- das Verladen war ja nun durch viel Übung kein Problem mehr. Demnach lief Ice Girl fast selbstständig auf den Hänger , sie wieherte noch einmal zum Abschied - alle Pferde antworteten und los ist es gegangen.

Die Fahrt war für alle Beteiligten Dank unseres vortrefflich guten Fahrers Micha ganz entspannt und das Entladen lief wie selbstverständlich. Ice Girl wurde noch auf dem Hänger entwurmt, guckte sich neugierig um und wurde von uns zunächst aus Vorsicht wegen der unlängst ausgeheilten Druse & Pilze auf einem Einzelpaddock direkt am Haus der Frau Dr. Staufenbiel zur Beobachtung zusammen mit einem ruhigem Renter-Wallach namens Adonis unter besten Bedingungen untergebracht. Wir besuchten Sie anfangs noch fast täglich, um ihre juckenden Hautstellen zu versorgen und ihr wenigstens stundenweise zu ermöglichen, ohne Decke unterwegs zu sein. Ice Girl fühlte sich pudelwohl. Sie hatte einen guten Freund in Adonis gefunden und beide begrüßten uns immer herzlich, sobald sie uns kommen hörten. An dieser Stelle möchte ich mich ganz lieb beim Team des Galgenberghofs Müncheberg für die Arbeit und ihre Unterstützung bedanken.

Anfang Mai 2013 wurde Ice Girl endlich aus der "Einzelhaft" entlassen und die beiden wurden auf eine magere Wiese mit ausreichend Platz zur freien Bewegung und lecker grünem, frischem Gras umgestellt. Ab diesem Datum fing Ice Girl an, sich langsam aber gewiss zu einer jungen stattlichen Stute zu entwickeln. Der Schweif, welcher immer eher mager ausgesehen hatte, wuchs und sie entwickelte sich prächtig.

Im Juni 2013 wurde Ice Girl weidetechnisch wegen der Nähe zum Hof auf den Berg, riesengroß und absolut schön, zum Beginn des täglichen Trainings, umgestellt. Und wieder stellte sich heraus, dass an Ice Girl ein Esel verloren gegangen ist. Es brauchte etwas Zeit, bis sie sich an das tägliche Herunterholen, das Putzen, das Spazieren gehen und an die leichte Bodenarbeit gewöhnt hat. Beispielsweise gab es einen Tag, an dem es stürmte und regnete und Ice Girl verweigerte sich mir komplett. Folglich holte ich mir Unterstützung durch das Hofteam. Als ich sie dann endlich auf dem Hof hatte, kam es mir wegen des Ungehorsams in den Sinn, ein Dominanz-Training abzuhalten - FATALER FEHLER, wie sich rausstellte, denn letztlich nahm Ice Girl das zum Anlass durch einen E-Zaun, direkt zu den jungen Hengsten abzufetzen. Als Ice Girl merkte, dass sie sich dabei im Zaun verfangen hatte, blieb sie kurz wie angewurzelt stehen, befreite sich selbst aus ihrer Lage und rannte weiter. Die Hengste blieben alle stehen und guckten wie verdutzt- und wir gerieten ernsthaft in Panik. Es war eine Sache von vielleicht zehn Minuten - gefühlten Stunden und wir hatten die Püppi wieder eingefangen. Wir kontrollierten Ihre Beine, stellten fest, dass alles in Ordnung war und beendeten mit die Versorgung einer völlig aufgeregten Stute, welche wir zur Beruhigung erstmal in die Halle zum Führen (Runterkommen) gebracht hatten, diesen bescheidenen Tag.

Fazit: Wenn man seinem Pferd sinnvoll etwas beibringen möchte, so beachte man die äußeren Umstände und passe sie gegebenenfalls nach Möglichkeit an- oder man verschiebe es!!

Im August 2013 traf ich schließlich die Entscheidung, Ice Girl mit Unterstützung von Cindy und Lisa fertig auszubilden (Hofpersonal des Galgenberghofs). Alles lief super und wir machten aufgrund meiner guten Vorarbeit gute und schnelle Fortschritte. Stets habe ich peinlich genau darauf geachtet, dass dieses Pferd, trotz eigener Angebote nicht überfordert wurde. Wir schafften es tatsächlich, mit Unterstützung von Cindy und Lisa, Ice Girl unter den Sattel zu bekommen. Wir waren soweit, dass Ice Girl den Reiter an der Longe im Schritt und im Trab akzeptierte und sie trotzdem noch Spaß an der Sache hatte. Auch war das auf dem Pferd sitzen und im Schritt laufen unter Anwendung der Stimme und ohne Longe kein Problem und das selbst dann nicht, als wir die Halle verließen und zur Putzplatte gelaufen sind. Allerdings zu meinem großem Bedauern nur rechts herum :o((

Anfang November ist Ice Girl dann begründet durch die Gegebenheiten in eine Box auf den Hof gezogen und fühlte sich dort begründet durch die miese Wetterlage bei täglichem Auslauf sicher und aufgehoben. Täglich wurde sie nun von mir, im Wechsel mit der reiterlichen Arbeit von Cindy, gearbeitet. Doch sollte unser Vorhaben Ende November wegen einer oberflächlichen, offenen Wunde am Mittelfußknochen sowie wegen erneuten Pilzbefalls frühzeitig beendet werden. Wodurch uns wieder eine längere Pause ins Haus stand.

Im Januar 2014 sollte mein Alptraum dann wohl wahr werden. Ice Girl wurde auf dem Paddock schwer verletzt. Fraktur der Patella durch Traumata. Bis heute ist unklar, wer von den anderen Pferden das verursachte.... und es folgte ein Martyrium, welches scheinbar kein Ende nehmen sollte. Wir wurden am 08.01.2014 in einer Pferdeklinik am Stadtrand von Berlin vorstellig. Die Fraktur blieb durch diese Pferdeklinik unerkannt und mir wurde geraten, das Pferd einfach auf die Weide zustellen- was ganz sicherlich ihr Todesurteil zur Folge gehabt hätte... Stattdessen handelte ich instinktiv, beließ Ice Girl unter Schmerzmitteln und Antibiose in der Box und suchte verzweifelt nach einem Weg herauszufinden, was da an diesem Pferd genau kaputt ist.

So beschloss ich, Ice Girl in der Pferdeklinik Düppel unter vorheriger Absprache mit Herrn Prof. Dr. Lischer vorzustellen und siehe da, es dauerte genau 15 Minuten und wir hatten das Ergebnis - Fraktur der Patella. Eine OP stand also an, wodurch Ice Girl stationär bleiben musste. Die OP dauerte ganze 3 Stunden, in diesen man versuchte zu retten, was zu retten ist. Es war einfach schrecklich, weil wir nicht wussten. wie das ausgehen würde... In der Klinik Düppel wurde zunächst versucht, das kleine gebrochene Stück der Kniescheibe durch Schrauben zu fixieren und ein weiteres kleines Stück entfernte man. Leider blieb dieser Versuch, denn die Schrauben wurden vom Körper abgestoßen, erfolglos. Nach 3-wöchiger Boxenruhe stand die Nachuntersuchung auf dem Plan. Demnach wurden wir in der Klinik vorstellig und ich vermutete bereits durch das Gangbild die Notwendigkeit einer zweiten OP. Leider sollte ich recht behalten. Die Implantate wurden wieder entfernt und nach 6 Tagen durften wir wieder nach Hause.

Wieder Boxenruhe und Schmerzmittel .... nach 3 Wochen Boxenruhe sollte Ice Girl unter Beruhigungsmitteln stundenweise auf einen Einzel- Paddock untergebracht werden, denn kontrolliert Schritt gehen war einfach unmöglich. Selbst unter Beruhigungsmitteln war die stundenweise Einzel - Paddockhaltung schier unmöglich. Unglaublich: Ice Girl tobte und bewegte sich, als wäre sie nie krank gewesen und wurde erneut lahm, weswegen ich im Juni 2014 beschloss, aus Eigenverantwortung und  begründet durch die unerträgliche Haltungssituation, nicht nur für das Pferd, sondern auch für mich, das Pferd auf die Weide zu stellen. Nach Absprache mit unserer Frau Dr. wurde Ice Girl von uns in die endgültige Freiheit entlassen. Nun hatte sie Urlaub, erholt sich sichtlich gut von den Strapazen

- Mensch haben wir in diesem Fall Glück gehabt- dachten wir …

Wir planten nun, sie sich bis Mai/Juni 2016 in einer Stutenherde auf ca. 20 ha erholen zu lassen und wollten dann weiter sehen - und ich gönnte ihr das von ganzem Herzen

Dank des guten Personals auf dem Galgenberghof Müncheberg wurde festgestellt, dass die linke Hand, welche zuletzt im April 2014 wegen einer Fraktur der Patella operiert worden war, erneut nicht ganz in Ordnung ist. Das Gangbild war sowohl im Trab als auch im Galopp unter Weidebedingungen auffällig, als lahm konnte man es nicht beschreiben... ich wollte mir das am Donnerstag noch mal auf ebenem Asphalt-Boden ansehen um letztendlich meine Entscheidung hinsichtlich eines wiederholten Klinikaufenthaltes abzuschätzen. Was werden wird wusste keiner.... aber eines konnte ich an dieser Stelle versichern, sollte sich der Zustand als irreparabel rausstellen und kann nicht gewährleistet werden, dass dieses Pferd, wenigstens schmerzfrei auf einer Weide leben kann, dann werden wir uns von Ice Girl verabschieden. Ich hatte solche Angst ... und mir ging es so besch...en, aber letztlich soll man immer Entscheidungen zum Wohle seines Tieres treffen:o((

Zu diesem Zeitpunkt  ahnte ich ja nicht, was mich erwarten würde…

Am 11.04.2015, nach 10 Monaten Weideurlaub, war es dann soweit. Wir fuhren in die Klinik und blieben dort bis zum Untersuchungstermin (Montag den 13.04.2015) stationär. Das Verladen verlief holprig, das Entladen hingegen super. In der Klinik angekommen- unser Pferd hatte ja an jenem Tage Geburtstag - verwöhnten wir die Püppi in vollem Umfang. Sie sah gut aus und schien sich sichtlich wohl zu fühlen. Die Umgebung kannte sie ja nun schon… (Ironie)

Meine Anspannung wegen des Untersuchungstermins stieg unaufhörlich und gespannt wie ein Flitzebogen erwartete ich am 13.04.2015 den behandelnden Tierarzt. Es wurde eine Lahmheitsuntersuchung gemacht. Zur Unterstützung der Genauigkeit legte man Ice Girl Sensoren an… friedlich und freundlich ließ sie alles über sich ergehen. Der Tierarzt befand eine Lahmheit der linken Hinterhand 3 Grad/5, Schmerzverhalten im Gangbild allgemein… enge Wendungen sehr auffällig – ich wunderte mich schon über den Befund, denn mein Pferd schien schmerzfrei, ihre Augen waren klar und glänzten… - hatte ich dieses Tier doch schon unter massiven Schmerzen erlebt. Und das passte einfach so gar nicht zu dem, was ich von ihr kannte. Schließlich wurde versucht, das Knie zu anästhesieren. Das gelang aber trotz Sedierung nicht… also schickte man uns erstmal zum Röntgen und zum Ultraschall.

Wir standen etwas länger in der Sonne und warteten auf das Röntgen, Ice Girl schien fast schon wieder voll da zu sein. Dann wurde sie schließlich abgeholt und wir warteten fast eine halbe Stunde

(Röntgen & Ultraschall). Der Tierarzt kam auf mich zu und trug vorsichtig den Befund vor: Hochgradige Arthrose im Kniegelenk (am bereits operiertem Bein, linke Hinterhand) eine unerklärliche Veränderung am medialen Rollkam und ein dick geschwollenes, hochgradig entzündetes Knie – Innenband bei veränderter Struktur- also keiner weiß wie lange es noch halten würde…

Unsere Chancen um die Möglichkeit einer Behandlung fielen abrupt von 100 auf 0; dementsprechend sprachen wir nochmals zur Absicherung mit Herrn Prof. Dr. Lischer, der uns leider auch keine Hoffnungen mehr gemacht hatte und entschieden zum Wohle des Tieres.

Die Pferdeklinik Düppel, etwas windig bei blauem Himmel mit Wattewölkchen …

Wir nahmen uns die Zeit, uns von unserem herzallerliebsten Pferd zu verabschieden. Wir kuschelten mit ihr, wir fütterten sie und wir gingen auf dem Klinikgelände mit ihr grasen – zum letzten Mal. Nach Absprache kam dann Herr Dr. Rettig, nahm mir mein Pferd ab und führte es auf ihrem letzten Gang in den OP Saal. Dort wurde sie zum schlafen niedergelegt. Ice Girl drehte auf dem Weg ihren Kopf noch einmal zu mir und folgte dem Tierarzt ruhig und entspannt. Für mich ging um 14.21 Uhr die Welt unter … Ich schaute immerzu hoch in den Himmel und hoffte auf ein Zeichen… Wir wurden in den OP-Saal gebeten und durften uns noch mal verabschieden. Ice Girl lag da, angeschlossen an ein Überwachungsgerät und wackelte, als sie meine Stimme hörte ganz leicht mit ihrem Ohr und atmete ganz ruhig- aus ihrem Auge liefen Tränen. Das brachte mich um meinen Verstand… schließlich bekam sie die Spritze, schlumpffarben. Sie wehrte sich nicht. Wir waren zu viert in diesem Saal …. Ice Girl atmete ganz langsam aber etwas heftiger aus. Das tat sie genau vier Mal – als würde sie sich von uns verabschieden und dann war alles vorbei (14:37 Uhr).

Mit meinem Pferd ist nun auch ein Teil von mir gestorben. Wie ich mich fühle, brauche ich niemandem zu sagen – es gibt Tage an denen geht es einigermaßen, aber es gibt auch Tage an denen geht gar nichts.

Was mir bleibt, sind diese Bilder im Kopf … Erinnerungen … und die Liebe zu meinem Pferd.

Fotos: privat

Die Redaktion dankt Kerstin Neumann für diesen Beitrag und wünscht ihr viel Kraft für die nächste Zeit. Leider ist die Familie der Autorin und Besitzerin von Ice Girl durch die hohen Behandlungskosten in große finanzielle Schwierigkeiten geraten und bittet auf diesem Wege um Spenden zum Bezahlen der Rechnungen. Hier ist das Spendenkonto:

Kontoinhaberin: Vanessa Holtz

IBAN: DE82 1005 0000 1062 6455 09

BIC: BELADEBEXXX

Verwendungszweck: Hilfe für Familie Neumann, Holtz

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