Hans Günter Winkler wird 85


Hans Günter Winkler wird 85

Warendorf (fn-press). Am 24. Juli feiert Hans Günter Winkler (Warendorf), der erfolgreichste Springreiter der Welt, seinen 85. Geburtstag. Von 1956 bis 1976 nahm er an sechs Olympischen Spielen teil und gewann dabei fünf Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille. Zwei Weltmeistertitel erritt er sich 1954 und 1955 sowie eine Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften. Hinzu kommen sechs Deutsche Meistertitel und 105 Einsätze bei Nationenpreisen.

 

Sportliche Unsterblichkeit errangen Winkler und seine Wunderstute Halla bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm. Im ersten Umlauf des Nationenpreises drückte Halla, von Winkler liebe- und respektvoll oft als „Mischung aus Genie und irrer Ziege“ bezeichnet, über dem 13. Hindernis so stark ab, dass sich ihr Reiter dabei einen schmerzhaften Muskelriss in der Leiste zuzog. Um das deutsche Team und die Träume vom olympischen Mannschaftsgold nicht platzen zu lassen – das damalige Reglement sah noch kein Streichergebnis vor – beschloss Winkler, trotzdem zum zweiten Umlauf anzutreten. Kaum in der Lage, der Stute die notwendigen Hilfen zu geben, ging Winkler an den Start. Und das Unglaubliche geschah: Halla, die es Winkler mit ihrem eigensinnigen Charakter oft so schwer gemacht hatte, überwand den Parcours ohne Fehler. Damit war der deutschen Mannschaft, zu der neben Winkler und Halla auch Fritz Thiedemann (V) mit Meteor und Alfons Lütke Westhues (V) mit Ala gehören, die olympische Goldmedaille nicht mehr zu nehmen. Gold gab es auch für Winkler und Halla in der Einzelwertung. Eine Legende war geboren.

 

Vier Jahr später gewannen Winkler und seine „Wunderstute“ Halla mit der deutschen Equipe 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom nochmals die Goldmedaille. Wenn er auch mit Halla seine spektakulärsten Erfolge erzielte, so brachte Winkler in den folgenden Jahrzehnten immer wieder hervorragende Pferde in den Sport, mit denen er außergewöhnliche Erfolge erreicht. Mit Sonnenglanz wurde er 1957 Europameister der Springreiter. Mit Fidelitas gewann er 1964 mit der Mannschaft erneut die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Mit Enigk erzielte er 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko Mannschafts-Bronze und gewann zwei Mal in London den berühmten „King George V. Gold Cup“. Torphy hieß sein Pferd bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Gemeinsam mit dem deutschen Team gewannen die beiden die Mannschafts-Goldmedaille. Vier Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Montreal, ist es die Silbermedaille in der Mannschaftswertung. Mit Romanus gewann er unter anderem eine Silber- sowie zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften. Nach rund 35 Jahren nahm Hans Günter Winkler bei den Weltmeisterschaften 1986 in Aachen seinen Abschied aus dem großen Sport. Bereits ein Jahr zuvor hatte er, bedingt durch den tragischen Unfalltod des damaligen Bundestrainers der Springreiter, Hermann Schridde, eine neue Aufgabe übernommen. Gemeinsam mit Herbert Meyer (Lilienthal) trat er das Erbe des verstorbenen Bundestrainers an. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988, bei denen die deutsche Mannschaft Gold und Karsten Huck (Borstel) in der Einzelwertung Bronze holten, fungierte er als Equipechef des deutschen Teams. Ende 1988 übernahm er dann die Leitung des DOKR-Springstalles in Warendorf. Anfang 1991 gab er nach Erreichen der Altersgrenze diese Aufgabe an Bundestrainer Herbert Meyer ab.

 

Zur Ruhe setzte sich Winkler jedoch nicht. Als selbständiger Kaufmann betätigte er sich mit seiner Firma HGW-Marketing erfolgreich im Sport-Marketing. Mit seiner amerikanischen Ehefrau Debby Malloy, die im Februar dieses Jahres den Verletzungen eines tragischen Reitunfalls erlag, gründete er in Warendorf einen Turnierstall. Auch ehrenamtlich engagierte er sich, beispielsweise als Mitglied des DOKR-Springausschusses. Besonders erwähnenswert ist sein Einsatz für den reiterlichen Nachwuchs. Als Initiator zahlreicher erfolgreicher Fördermaßnahmen für junge Springreiter folgt er bis heute der Devise: „Der Sport hat mir unheimlich viel gegeben, vielleicht kann ich auch etwas zurückgeben.“

 

Seine sportlichen Erfolge brachten Hans Günter Winkler nicht nur die Ehrenbürgerschaft seines gewählten Heimatortes Warendorf, sondern auch zahlreiche weitere Auszeichnungen ein. So wurde Hans Günter Winkler das Große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Seine Popularität in der allgemeinen Öffentlichkeit dokumentiert sich vielleicht noch mehr dadurch, dass er zwei Mal zum Sportler des Jahres und ein Mal sogar zum Sportler des Jahrzehnts gewählt wurde. Im Jahr 2000 wurde Hans Günter Winkler als erster Sportler von der Deutschen Sporthilfe mit der neu geschaffenen „Goldenen Sportpyramide“ für sein Lebenswerk gewürdigt. Im Mai 2001 wurde ihm die FN-Ehrenmitgliedschaft verliehen und 2006 erhielt er das Deutsche Reiterkreuz in Gold mit Brillanten.                                                     T.H./dp