Großer Preis von Wustrow 2016: „Leck mich am Arsch!“

Nic Lengemann und Chagall

Danny Schröder mit Papa ante Portas

Felix Ewald auf Brianna

Stefan Böse und sein Hengst Chello

Die Siegerehrung mit der Vereinsvorsitzenden Anja Daue-Thieme und Richter Klaus Förster

Stefan Böse fährt die Front mit dem Drahtesel ab

Der Große Preis von Wustrow, eine Springprüfung der Klasse S* mit Siegerrunde, wurde unterstützt vom Zucht- und Ausbildungsstall Holger Wulschner. Einmal mehr zeigte der Spitzenreiter die Verbundenheit zu seiner Heimat. Wulschner wuchs nur 5km vom Turnierplatz entfernt in Neurüdnitz auf und unterhält nach wie vor enge Beziehungen ins Oderbruch.

Leider war Holger Wulschner selbst nicht beim Turnier anwesend. Er hatte sich in Wiesbaden beim Pfingstturnier anderen Aufgaben gewidmet. Somit mussten die elf Paare, die am GP teilnahmen, ohne ihn auskommen.

Das Wetter hatte sich im Laufe des Tages merklich gebessert und sogar einige Sonnenstrahlen verirrten sich auf den Rasen. Hinter der Bande standen einige hundert Zuschauer, die ein feines Spektakel zu sehen bekamen, denn die letzte Prüfung des 55. Pfingstturniers in Wustrow hatte es in sich. Platzhirsch uns Erik Schubert hatte mit seiner Assistentin Marie Pratsch und unter tatkräftiger Mitwirkung der Parcoursmannschaft eine Aufgabe gestellt, die auf den ersten Blick als nicht besonders leicht lösbar eingeschätzt werden konnte. Aber was sollte das schon heißen bei dem illustren Starterfeld…

Den Anfang machte Danny Boy Schröder mit der 13-jährigen Mecklenburger Stute Avanti (Alvarez / Piment). Es ging flott und konzentriert durch die Bahn. Leider freundete sich eine Stange mit dem Boden an – vier Fehlerpunkte. Es folgte Felix Ewald auf der 7-jährigen Holsteiner Stute Brianna (Aragorn / Acord II). Der ging die Sache ebenfalls sehr sachte an und brachte sich und sein Pferd ohne Abwurf durch die Ziellinie. Da war er schon, der erste Nuller. Schien wohl doch alles nicht ganz so schwer zu sein.

Nächster Starter: Nic Lengemann vom LRV Münchehofe. Er hatte seinen braven, erfahrenen Chagall gesattelt und warf all sein reiterliches Können in die Waagschale. Das reichte locker für eine Nullrunde und brachte sogar die zwischenzeitliche Führung. Nicht schlecht! Und im Anschluss gab es gleich den nächsten Knaller, denn Stefan Böse hatte seine tödlichste Waffe aus dem Arsenal geholt. Der 9-jährige Mecklenburger Schimmelhengst Chello (Cellestial / Grand Amour) ist j an sich schon eine stattliche Erscheinung. Im Parcours von Wustrow ließ er mal wieder die Muskeln spielen und trug seinen Reiter ebenfalls fehlerfrei bis ins Ziel. Da waren es schon drei Nuller.

Patrick Schmiedeberg steuerte den 7-jährigen Cum Laude. Der Clinton I-Sohn gab sein Debüt in einem Springen der schweren Klasse. Patti blieb im Vorfeld realistisch und peilte maximal zwei Fehler an. Mehr wurden es auch nicht. A bisserl Zeitstrafe gab es noch als Kompott dazu. Lengemann, Ewald und Böse war weiterhin das Trio mit der weißen Weste.

Und die nächste Premiere stand an. Nick Lindner vom Blankenfelder RV gab seinen Einstand im S. 4,25 Punkte sind kein schlechter Start. Nick war mit der 9-jährigen Stute Lord`z Lilo unterwegs.

Für Julia Richter lief es zusammen mit Lucca nicht so optimal. Da dürfte in dieser Saison noch reichlich Luft nach oben sein. Sarah Hellwig und Poquito hingegen durften sich über einen unnötigen Abwurf ärgern. Es wurde in der Schlussabrechnung Rang fünf.

Genug Spannung lag bereits in der Luft. Noch etwas heißer war es bestimmt unter dem Kragen von Ralf Eisert. Der war nämlich auch noch nie auf S-Level unterwegs und machte die Sache mit seinem Kumpel Santa Cruz ganz hervorragend.  Mit den beiden Abwürfen konnte Ralf durchaus leben, denn die Runde war ansehnlich.

Der einzige der Mitfavoriten, der noch kein Bein in der Siegerrunde hatte, war Danny Schröder. Er nahm mit dem 8-jährigen Hannoveraner Wallach Papa ante Portas (Perigueux / Escudo I) erneut Anlauf und machte seine Sache souverän. Nuller Nummer vier war am Start.

Die letzten Sporler des Umlaufs waren Felix Ewald und Charlie Brown. Mit zwei Abwürfen fiel die SR aus. Aber vier Paare mit weißer Weste waren kein schlechter Schnitt für den Parcourschef.

Klingeling – auf zur Siegerrunde. Danny machte mit Papa ante Portas den Anfang und schaltete von Anfang an das Getriebe von Schildkröte auf Hase. Alles blieb oben. Der Rest musste nun eine Schippe drauflegen. Das ließen sich Felix Ewald und Brianna nicht zweimal sagen und nahmen ihren Vorgängern mehr als drei Sekunden ab – Führungswechsel.

Stefan Böse und Chello folgten. Der kräftige Schimmel hatte offensichtlich Benzin im Blut und Stefan die Bremse vorher ausgebaut. Das Paar fand einen kürzeren Weg als die beiden vor ihnen und rasierte die Bestzeit um weitere gut zwei Sekunden. Keine Fehler! Platz eins!

Blieb noch Nic Lengemann auf Chagall. Das sah bis zum Ende sehr gut aus –schnell und vor allem sauber. Aber leider fiel die letzte Stange. Es wäre sonst Rang zwei geworden. So hatte sich Stefan Böse seinen kleinen, aber weithin hörbaren  Ausbruch der Freude mit den Worten „Leck mich am Arsch!“ verdient, schnappte sich die Siegprämie und den Drahtesel als Zusatzprämie. Glückwunsch!

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©

Ergebnisse:

15 Springprf. Kl.S* m.Siegerrunde
Pl. Pferdename Reitername U:Fehl. U:Zeit S:Fehler S:Zeit
1 Chello 7 Böse,Stefan  0,00 76,80 0,00 *46.34
2 Brianna 7 Ewald,Felix  0,00 77,43 0,00 *48.41
3 Pappa ante Portas 2 Schröder,Danny  0,00 81,94 0,00 *51.84
4 Chagall 215 Lengemann,Nic  0,00 69,28 4,00 *46.80
Nicht platziert
5 Poquito 10 Hellwig,Sarah  4,00 74,06 4,00 74,06
6 Avanti 192 Schröder,Danny  4,00 76,40 4,00 76,40
7 Lord'z Lilo Lindner,Nick  4,25 81,47 4,25 81,47
8 Santa Cruz 36 Eisert,Ralf  8,00 77,24 8,00 77,24
9 Charly Braun 13 Ewald,Felix  8,00 77,60 8,00 77,60
10 Cum Laude 9 Schmiedeberg,Patrick  9,25 85,41 9,25 85,41
11 Lucca 104 Richter,Julia  31,50 94,62 31,50 94,62