Franzl Crown bleibt auf der Siegerstraße

 


Franzl Crown bleibt auf der Siegerstraße

 

Benjamin Hagen gelingt mit dem Wallach der vierte Erfolg hintereinander.

San Sicario und Rolf Hafvenström erzielen die Tagesbestzeit

 

Er gab sich nicht die geringste Blöße: Am Sonntag gehörte dem dreijährigen Wallach Franzl Crown das nahezu uneingeschränkte Vertrauen des wettenden Publikums. Ganze 12:10 stand der in Castrop-Rauxel von Wolfgang Kamps vorbereitete und wie immer von Benjamin Hagen gefahrene Braune am Mariendorfer Toto.

Und ein einziges kurzes Aufblitzen seines Könnens reichte, um die Zeichen für Franzl Crown auf Sieg zu stellen: Nach einem Traumverlauf an vierter Stelle außen gab Benjamin Hagen dem Traber Ende der Gegenseite das entscheidende Zeichen und Franzl Crown löste sich sofort um Längen von Minou Columbus (Heinz Wewering), der das Feld bis dato angeführt hatte. Doch der Schwung, den Franzl Crown in Nullkommanichts an den Tag legte, wäre gar nicht nötig gewesen. Denn sein einziger ernstzunehmender Gegenspieler, der Wallach Butch (Christian Zimmermann), verbesserte sich in dieser Phase zwar vom Feldende aus bis an die zweite Stelle. Doch er kam noch nicht einmal ansatzweise an den überlegenen Franzl Crown heran. Im Gegenteil: Auf der Zielgeraden kehrte Butch wieder alte Untugenden hervor und geriet schwer von den Beinen, sodass Rang zwei ganze neun Längen hinter Franzl Crown an den 432:10-Außenseiter Multicoloured (Thomas Buley) ging.

Der Triumph von Franzl Crown bildete zugleich den Auftakt des Daily Double und beinahe wäre Benjamin Hagen für das Publikum auch beim zweiten Teil dieser Wettart der Garant für das richtige Kreuz auf dem Tippschein gewesen. Denn im Sulky von Sweet Fly, der sich erneut alle Ungebärdigkeiten verkniff, hatte der aktuell bei 375 Erfolgen stehende Sportler eigentlich schon wie der Sieger ausgeschaut. Doch gerade, als sich der 39-jährige Profi für das Foto zurecht setzen wollte, kam ganz außen Iwanow mit seinem Trainer Kevin Brunner angeflogen. Und tatsächlich: Der bei 68:10 notierte Wallach fing seinen Konkurrenten mit dem allerletzten Schritt ab. Für diejenigen, die beim Daily Double richtig gelegen hatten, sorgte Iwanow zugleich für eine kräftige Ausbeute. Denn mit einer Quote von 148:10 lag die Ausschüttung rund achtzig Prozent über den einzeln gewetteten Siegern – ein klarer Hinweis für alle Interessierten, es am nächsten Renntag mal mit dieser Wettart zu probieren.

Einmal hü, einmal hott – das war in den vergangenen Wochen zumeist das Motto des Laufwunders King of Swing (26:10), der immer wieder Fehler in seine ansonsten großartigen Auftritte eingestreut hatte. Am Sonntag präsentierte sich Peter Gottschalks Stallcrack nun von seiner sonnigen Seite und duldete mit Thomas Heinzig im Sulky keinerlei Opposition. Nach einer verbummelten ersten Runde eröffnete King of Swing den Dauerdruck auf den Piloten Pikus G (Steve Krüger) und zog diesem so gründlich den Zahn, dass der Gegner im letzten Bogen entkräftet von den Beinen kam. Der Rest war nur noch eine Formsache: In mäßigen 20,6/2.500m, die dem Schlafwagentempo auf dem Anfangskilometer geschuldet waren, blieb King of Swing überdeutlich vor Veto Hollande (Ferdinand Hirsch).

Verblüffend war das Endresultat in der Gewinnsummenklasse bis 7.500 Euro, denn bis weit in die letzte Kurve hinein hatte eigentlich alles für den 13:10-Topfavoriten Jaycee und seinen Trainer Daniel Wagner planmäßig ausgeschaut. Das Gespann kam nicht nur problemlos die Führung, sondern konnte auch die Pace drosseln, ohne dass Angriffe der Konkurrenten erfolgten. Doch die Zuschauer staunten nicht schlecht, als Jaycee trotz dieses idealen Verlaufs schon beim Einbiegen auf die Zielgerade restlos mit dem Latein am Ende war. Ganz anders konnte es Grummel (Manfred Zwiener), der zur Quote von 70:10 weit außen pfeilschnell heranflog und sich in 17,8/1.900m mit einer Länge Vorsprung gegen den geschont vorgetragenen Star of Glass (Steve Krüger) behauptete. Auch Commander Columbus (Heinz Wewering) kämpfte sich als Dritter noch knapp an dem krass enttäuschenden Jaycee vorbei.

Berlin scheint für San Sicario (33:10) ein gutes Pflaster zu sein. Der Fünfjährige, der schon zwei Wochen zuvor mit einem feinen Ehrenrang auf der Derby-Bahn überzeugt hatte, bildete mit Rolf Hafvenström erneut ein ideales Gespann und gewann mit großer Autorität. Während  Scottish Way (Heinz Wewering) sofort die Führung übernommen hatte, sah man den späteren Sieger zunächst an dritter Stelle innen postiert. In dem zum Gänsemarsch formierten Feld geschah bis eine halbe Runde vor dem Ziel reichlich wenig und so konnte sich der ausgangs der Gegenseite herausgenommene San Sicario alle nötigen Reserven aufsparen. In der Tagesbestzeit von 16,6/1.900m zog der Mitfavorit im Einlauf leicht mit zwei Längen an dem bis zum Schluss tapferen Scottish Way vorbei und brachte seine Trainerin und Besitzerin Claudia Konitzer, die den Wallach im östlich von Hamburg gelegenen Wentorf auf seine Einsätze vorbereitet, kräftig ins Schwärmen: „Aus dem Feld heraus ist San Sicario noch viel stärker, als wenn er gleich an der Spitze liegt!“

Nur drei Zehntel langsamer, nämlich in 1:16,9 min., war Camira LO auf der Meilenstrecke unterwegs. Eine ganze Runde lang war von der wie immer von ihrem Trainer Peter Scheack gefahrenen 75:10-Außenseiterin nichts zu sehen. Doch dann schlug das Gespann gnadenlos zu. Im Einlauf wurde Camira LO ganz außen an den Rails mit jedem Schritt stärker und rollte in einem packenden Finish das gesamte Feld auf. Am Ende sprang sogar ein sicherer Zwei-Längen-Sieg vor Anastacia (Marisa Bock) für die Stute heraus, die ebenso wie schon ihre Mutter Joliette für die Farben von Dr. Olaf Loge läuft und sich ihren ersten Saisonerfolg wahrlich verdient hat – denn die Vierjährige ist ein Muster an Zuverlässigkeit.

Für den Paukenschlag der Veranstaltung sorgte die mit 364:10 am Wettmarkt sträflich unterschätzte Helena von Haithabu – vor allem da hinlänglich bekannt sein dürfte, dass sich ihre Fahrerin Marisa Bock an ihrer alten Wirkungsstätte Mariendorf pudelwohl fühlt. Die 30-jährige Amazone servierte der Stute vom Rennstall Mijo Ivic einen Idealverlauf als zweites Pferd innen. Ausgangs des Schlussbogens nahm Marisa Bock die Zweijährige hinter dem Piloten Freeliner (Thomas Heinzig) heraus. In 20,5/1.900m erteilte Helena von Haithabu dem Kontrahenten mit zweieinhalb Längen Vorsprung klar das Nachsehen. Diesem Auftakt ließ Marisa Bock noch einen weiteren Treffer folgen. Beim zweiten Tageserfolg fiel die Siegquote auf die Amazone zwar deutlich geringer, aber immer noch lukrativ genug aus: 52:10 betrugen die Odds für Yoran Frisia, der sich in 18,6/1.900m mit feinem Schlussspurt durchsetzte.

Der von Wladimir Gening vorgetragene Udit de L’Aulnay (35:10) steigerte sich bei seinem zweiten Karrieresieg auf 17,7/1.900m und scheint alle Qualitäten mitzubringen, die ein gutes Rennpferd auszeichnen. Dem Dreijährigen wurde der Sieg allerdings leichtgemacht. Denn während Gening seinen lange an dritter Stelle liegenden Schützling clever aus allem heraushielt, fielen die an der Spitze Tempo bolzenden Berno (Benjamin Hagen) und Höwings Orpheus Z (Roland Anders) nacheinander aus. So stand Udit de L’Aulnays Treffer schon weit vor dem Ziel fest. Deutlich dahinter holte sich die 313:10-Außenseiterin Karisma Diamant das zweite Geld. Mit Janus (Daniel Wagner), für den ohne Fehler noch mehr drin gewesen wäre, und Killarney (Thomas Heinzig) auf den weiteren Rängen summierte sich die Viererwettenquote auf stolze 58.506:10.

Angesichts der tollen Leistung seines Mitarbeiters ließ sich natürlich auch Wladimir Genings Chef Heiner Christiansen nicht lumpen. Der vielmalige Nord-Champion führte Run for Roses (32:10) in den Winnercircle. Der dreijährige Traber vom Rennstall Jürgen Hanke war zuvor mit wechselhaftem Erfolg in Dänemark und Schweden gestartet und verfügte als einziger der acht Teilnehmer über einen Rekord im siebzehner Bereich. Auf dem Mariendorfer Rechtskurs fühlte sich Run for Roses sofort wie zuhause. Nach vorsichtigem Start steuerte Heiner Christiansen den Hengst aus dem Rosenhofbogen heraus in die Angriffsspur. Der führende Utopiste du Manoir (Heinz Wewering) wehrte sich zwar noch bis weit in den Einlauf hinein, musste den Gegenspieler dann aber auf den letzten einhundert Metern mit einer halben Länge Rückstand davonziehen lassen.

Für einige Aufregung sorgte das Gästefahren: Der erste Versuch musste nach einer halben Runde abgeläutet werden, da sich die zu diesem Zeitpunkt bereits disqualifizierte Feliciana ihres Steuermanns Mario Leonhardt entledigt hatte. Dem Gästefahrer war die linke Leine aus der Hand gerutscht und er hatte daher komplett die Kontrolle über sein Pferd verloren. Beim zweiten Anlauf setzte sich dann Ischtvan (43:10) mit Franziska Nebel im Sulky Start bis Ziel durch, wobei das Gespann, dem eigentlich die Nummer neun zugeteilt war, hinter dem Auto nicht die korrekte Position einnahm und sich einen unerlaubten Vorteil verschaffte. Xari Man (Gerd Feinhals) und Peer G (Yvonne Neumann) belegten hinter Ischtvan die Plätze zwei und drei.

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 120.063,35 Euro – Bahnumsatz: 38.530,50 Euro – Außenumsatz: 81.532,85 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 21. November ab 18.30 Uhr statt.