FN - Turniersportstatistik 2013: Weniger Turniere, mehr Pferde

Warendorf (fn-press). Das Turnierjahr 2013 war gekennzeichnet durch eine neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) mit offenen und geschlossenen Prüfungen und die Einführung einer Schnupperlizenz für „E“-Prüfungen. Aber auch die Hochwasserkatastrophe im Frühjahr blieb nicht ohne Auswirkungen. Speziell in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt mussten zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden.

War die Zahl der Turniere im Jahr 2012 noch leicht gestiegen, ging sie im vergangenen Jahr erkennbar zurück. 3.492 Veranstaltungen (2012: 3.609) wurden 2013 bundesweit ausgerichtet, das sind 3,42 Prozent weniger als im Vorjahr. Betroffen waren allerdings nicht alle Verbandsbereiche. In Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern nahm die Zahl der Veranstaltungen sogar zu. Stark betroffen von den Turnierabsagen waren dagegen die Pferdesportverbände Sachsen-Anhalt (-14,78 Prozent), Sachsen (-11,97 Prozent) und Bayern (-7,34 Prozent). „Den Rückgang nur auf das Hochwasser im Frühjahr und dessen Folgen zu zurückzuführen, wäre aber zu kurz gesprungen“, sagt Friedrich Otto-Erley, Leiter der Abteilung Turniersport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Auch in Hessen (-7,09 Prozent ) und Schleswig-Holstein (-6,61 Prozent) fanden 2013 weniger Turniere als im Vorjahr statt. „Wir werden uns wohl alle darauf einstellen müssen, dass es in Zukunft weniger Turniere geben wird. Das hat einerseits finanzielle Gründe. Andererseits wird es zum Beispiel wegen knapper werdender Freizeit immer schwieriger, ehrenamtliche Helfer zu finden“, so Otto-Erley.

Überraschenderweise ist die Zahl an Prüfungen trotz des Veranstaltungsrückgangs weiter gestiegen, von 68.901 im Jahr 2012 auf 69.129. Zu verdanken ist dies vor allem einem starken Zuwachs in der Einstiegsklasse. So wurden infolge der Neuerungen in LPO 2013 und Wettbewerbs-Ordnung 2013 E-Prüfungen nur noch gemäß LPO ausgeschrieben. Voraussetzung für die Teilnahme sind die kostenlose Schnupperlizenz und ein eingetragenes Turnierpferd. Insgesamt wurden 8.000 solche Lizenzen (LK 0) ausgestellt, zehn Prozent davon wurden noch im Laufe der Saison in „echte“ Reitausweise (LK 6) umgewandelt. „Durch die Änderung haben wir erstmals einen ungefähren Überblick über die Anzahl von Turniereinsteigern. Hoffentlich gelingt es, diesen die Freude am Leistungsvergleich auf unseren Veranstaltungen zu erhalten“, so Otto-Erley.

Die weitreichendste Änderung der LPO 2013 war allerdings die Einführung der offenen und geschlossenen Prüfungen. Die Zahl der in geschlossenen Prüfungen nicht mehr startberechtigten „Profis“ betrug im Springen 4.666 und in der Dressur 1.932 Reiter. „Diese Zahlen werden sich im Jahr 2014 aufgrund der beschlossenen Nachbesserungen in der LPO jedoch erkennbar reduzieren“, sagt Otto-Erley.

Insgesamt stieg die Zahl der Turnierteilnehmer leicht an. Insgesamt bestellten 82.024 Reiter und Fahrer im Zeitraum vom 10. November 2012 bis 10. November 2013 eine Jahresturnierlizenz für 2013. Ein interessantes Bild zeigt der Blick auf die Entwicklung in den verschiedenen Altersklassen in den vergangenen Jahren. Während der Anteil an Junioren und Jungen Reitern konstant bei gut einem Drittel aller Turnierteilnehmer liegt, hat sich die Alterklasse Ü40 im vergangenen Jahrzehnt um zehn auf nunmehr 24 Prozent erhöht. Der Anteil der Reiter zwischen 22 und 39 Jahren sank im gleichen Maße. „Dieser Trend wird anhalten und Anpassungen bei den Turnier-Ausschreibungen erfordern“, sagte Otto-Erley.

Erneut war ein starker Zuwachs bei den Turnierpferdeeintragungen festzustellen. 27.623, in erster Linie junge Turnierpferde wurden 2013 neu registriert, das entspricht einem Plus von 7,72 Prozent. „Ein neuer Rekord, der auf absehbare Zeit sicherlich aufgrund der seit 2009 dramatisch sinkenden Bedeckungszahlen in der deutschen Pferdezucht so bald kaum wieder erreicht werden wird“, befürchtet Otto-Erley. Entsprechend der Neueintragungen stieg auch die Zahl der Fortschreibungen auf fast 142.000 (+ 3,56 Prozent) an.       Hb