FN-Regelwerke: LPO & Co.

Warendorf (fn-press). Gelb, Rot, Blau und Türkis – so bunt präsentieren sich die Regelwerke der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Eine lebhafte Diskussion auf Facebook ergab jetzt, dass bei Weitem nicht allen Reitern der Unterschied zwischen LPO, WBO, Aufgabenheft und APO bekannt ist. Daher hier eine kleine Erläuterung:

GELB: LPO oder Leistungs-Prüfungs-Ordnung

Die LPO regelt den Turniersport in Deutschland. Im Allgemeinen Teil steht unter anderem, wer teilnehmen darf, welche Ausrüstung erlaubt ist, welche Richtverfahren es gibt. Im zweiten Teil folgen dann die Bestimmungen für die einzelnen Disziplinen: Wie viel kostet ein Abwurf, wie lang darf eine Geländestrecke sein und welche Fehler führen zum Ausschluss? Ergänzt wird die LPO durch die Rechtsordnung sowie Durchführungsbestimmungen zu den einzelnen Paragraphen. Die LPO wurde gerade überarbeitet. Die Neufassung tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.

BLAU: Die Aufgabenhefte

Welche Lektionen werden in einer Dressurprüfung der Klasse A gefragt und wie lauten die einzelnen Aufgaben? Wie ist ein Standardparcours aus? Die alles, zusammen mit einer kurzen und knappen Erklärung, worauf es dabei jeweils ankommt, findet sich im Aufgabenheft, das damit in direktem Zusammenhang mit der LPO steht. 2010 wurden die Aufgaben in Dressur, Springen, Fahren und Voltigieren grundlegend überarbeitet. Die neuen Aufgabenhefte sind seit 2011 in Kraft.

TÜRKIS: WBO oder Wettbewerbs-Ordnung

Die WBO liefert die „Leitplanken“ für breitensportliche Veranstaltungen. Neben den wichtigsten Rahmenbedingungen liefert die WBO vor allem Beispiele und Musterausschreibungen für breitensportliche Reit-, Fahr- und Voltigierwettbewerbe. Wie die LPO wurde auch die WBO in den letzten Jahren überarbeitet. Bislang war das Cover der WBO orange. Die türkisblaue Neufassung tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.

ROT: APO oder Ausbildungs-Prüfungs-Ordnung

Wie kann ich ein Reitabzeichen erwerben? Was sind die Voraussetzungen für einen Trainerschein? Wie werde ich Richter oder Parcourschef? Wonach richtet sich die Kennzeichnung von Vereinen und Betrieben? Diese Fragen regelt die APO. Wie die LPO wird auch sie regelmäßig auf den Prüfstand gestellt, von Experten überarbeitet und am Ende von den Vertretern der Landesverbände verabschiedet. Die nächste Neufassung der APO erscheint Ende nächsten Jahres und tritt am 1. Januar 2014 in Kraft.

Alle Regelwerke der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sind im Buchhandel, Reitsportfachgeschäften und direkt im FNverlag (Telefon 02581/6362-154/-254, E-Mail vertrieb-fnverlag@fn-dokr.de oder Internet www.fnverlag.de) erhältlich.                Hb

LPO 2013: Neues in Gelb – Fahren

Warendorf (fn-press). Im kommenden Jahr tritt die neue Leistungs-Prüfungs-Ordnung in Kraft. Eine der wichtigsten Änderungen, die Einteilung in „offene“ und „geschlossene“ Prüfungen, betrifft die Fahrer zwar nicht, dennoch wurden auch im Fahrsport verschiedene zeitgemäße Neuerungen eingeführt. Nicht mehr der LPO zugeordnet sind alle Prüfungen aus dem Bereich Gespannkontrolle und Traditionsprüfungen. Diese haben ihren Platz künftig in der WBO. Und das ist neu:

§ 40

Dieser Paragraph regelt nunmehr verbindlich, dass bei Geländeprüfungen ein Arzt mit Erfahrung in der Versorgung schwerer Verletzungen vorgeschrieben ist, zusätzlich zu der vorgeschriebenen Anwesenheit eines Sanitätsdienstes.

§ 41

Pflicht ist künftig auch die Anwesenheit eines Parcourschefassistenten in allen Gelände- und Hindernisprüfungen der Klasse S. Allerdings ist der Begriff nicht definiert und man muss darunter keinen geprüften Parcourschef verstehen, sondern ggf. auch einen fachlich versierten zuverlässigen Helfer.

§ 56

Zu einer der wichtigsten Änderungen der LPO gehört auch die „Richter-Rotation“, die für den Reit- und Fahrsport gilt. Danach dürfen Richter / TD nicht in mehr als fünf aufeinander folgenden Jahren auf einem Turnier tätig sein. Pro Veranstaltungsjahr ist mindestens ein Richter auszutauschen.

§ 69

Fahrer und Beifahrer unter 18 Jahren müssen nun auch in Dressur und Hindernisfahren – übrigens auch auf dem Vorbereitungsplatz – einen Helm tragen. Dies wurde vom Reitsport analog übernommen.

§ 71

Die Verwendung zusätzlicher Schlaufen auf den Leinen ist nur beim Hindernisfahren und in den Geländeprüfungen erlaubt. Hintergeschirr bzw. dieses kombiniert mit Schlagriemen ist bei Einspännern und auch bei den Tandem- und Randomgabelpferden vorgeschrieben.

Ballonreifen nunmehr auch zugelassen bei Geländeprüfungen bis Klasse M.

§ 320 ff

Eine neue Prüfungsform für den vierbeinigen Nachwuchs ist die Fahrpferdeprüfung für drei- und vierjährige Pferde. Diese „Materialprüfung“ für Fahrpferde in Anlehnung an das Reiten soll dazu dienen, die Youngster an den Sport heranzuführen.

§ 390

Die Eignungsprüfungen werden nunmehr in Klassen unterteilt. Klasse A für vier- bis sechsjährige Pferde; die Fünf- bis Siebenjährigen stellen sich in der Klasse M vor. Eine Überarbeitung der bisherigen Aufgaben, altersspezifisch abgegrenzt, ist demnächst im Aufgabenheft zu finden.

§ 712

Wie in der gerittenen Dressur gibt es künftig eine Einteilung der Richtverfahren in das „Richten mit Einzelnoten gemäß Notenbogen“ (bisher getrenntes Richten) und das „Richten mit (Gesamt-)Wertnote“ (bisher gemeinsames Richten). Letzteres gibt es künftig in der Klasse S nicht mehr; es wurde eigentlich auch nie ausgeschrieben. Neu ist die Möglichkeit in der Klasse A, dass die Richter an getrennten Positionen sitzen und jeweils eine Wertnote für die Vorstellung geben. Diese werden dann addiert und durch die Zahl der Richter geteilt. Eine Idee, die schon probeweise bei den Deutschen Jugendmeisterschaften ein positives Echo fand. Das Richten mit Einzelnoten für die Lektionen ist in der Klasse M zugelassen und in der Klasse S vorgeschrieben. Die Summen der Einzelnoten sind übrigens unverzüglich bekannt zu geben. Üblicherweise durch Lautsprecher.

§ 714

Eine deutliche Nichtanwendung des Achenbachschen Fahrsystems in Dressur und Gebrauchsprüfung bis Klasse M führt in Zukunft nicht mehr mit Ausschluss geahndet, sondern nur noch mit Strafpunkten (0,5 bzw. 5 Punkte).

§ 721

Beim Hindernisfahren zählen nur die Vorfälle, die sich zwischen Start- und Ziellinie abspielen.

 

§ 722

In Angleichung an das bestehende FEI Regelwerk wird beim Überschreitung der erlaubten Zeit diese in hundertstel Sekunden gemessen und dann mit 0,5 multipliziert.

Das Strafpunktekonto beim Führen eines Gespannes durch den Beifahrer in einem Hindernis im Kegelparcours erhöht sich deutlich von bisher 5 auf 20 Punkte.

§ 723

Die Anforderungen an die Teilnehmer beim Hindernisfahren haben sich grundlegend erhöht. In der Klasse E hat der Parcourschef den Spielraum für eine Zugabe zur hinteren Spurbreite von 35 bis 45 cm, in der Klasse M von 25 bis 35 cm (Ein- und  Zweispänner) sowie 35 bis 45 cm bei den Vierspännern und 30 bis 50 cm bei den Mehrspännern.

In der Klasse S sieht das wie folgt aus: Bei den Einspänner Ponys und Pferden sowie den Zweispänner Ponys und Pferden kann ein Zuschlag von 15 bis 40 cm gewählt werden, bei den Vierspänner Ponys und Pferden von nunmehr 25 bis 40 cm.

§ 732

Nach intensiver Diskussion ist hier jetzt klargestellt: Das Durchfahren weiterer Tore eines Mehrfachhindernisses nach dem Abläuten wird nicht geahndet.

§ 752

Neu in die LPO aufgenommen wurde die Gelände-Kurz-LP nach dem Vorbild der Vielseitigkeitsprüfungen. Die Phasen A und D können zu einer „Aufwärmphase“ in Form einer vorgegebenen Strecke oder auf einem großen Platz zusammengefasst werden. In der Geländeprüfung wurde die Höchstzeit für die Phase D (Schritt) auf die doppelte der erlaubten Zeit heraufgesetzt.

Vorsätzliches Traben oder Galoppieren eines ganzen Gespannes in Phase D – auch Einspänner – führt zum Ausschluss.

Nach dem letzten Hindernis darf in Zukunft bis 30 m – statt bisher 25 m - angehalten werden, um die Anspannung im Allgemeinen zu kontrollieren – nicht nur zur Reparatur der mit Strafpunkten bedachten Fälle.

§ 759

Hier ist geregelt, dass im Falle des Fixierens des Fahrers mittels Gurt das Ende des Gurtes nur in der Hand gehalten werden darf. Aus Sicherheitsgründen ist kKeinerlei andere Fixierung ist erlaubt und führt zum Ausschluss.

§ 762

Auch die Teilnahme eines Pferdes in verschiedenen Kombinierten Prüfungen ist nunmehr eindeutig geregelt: Vorbehaltlich der §§ 66.3 und 66.4 und der genehmigten Ausschreibung kann ein Pferd in mehreren Teilprüfungen verschiedener Kombinierter Prüfungen eingesetzt werden. Bisher war diese Regelung nicht eindeutig und wurde von LK zu LK unterschiedlich interpretiert.

Wenn ein Fahrer in einer Teilprüfung einer Kombinierten Prüfung ausscheidet, scheidet er auch in der Kombi grundsätzlich aus.       R. Temporini/Hb