FEI Sports Forum: Reduzierung auf drei Teamreiter immer wahrscheinlicher

Diskussionen um Attraktivität der Sportart Reiten im Mittelpunkt

Warendorf (fn-press). Beim Sports Forum des Weltreiterverbandes FEI war die Zukunft des Reitsports bei den Olympischen und Paralympischen Spielen zentrales Thema. Zur Diskussion steht weiterhin die Reduzierung der Teams in den Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Para-Equestrian auf drei Reiter ab den Olympischen Spielen in Tokio 2020. Die endgültige Entscheidung fällt zwar erst im November bei der FEI-Generalversammlung. Doch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) sowie die deutschen Reiter und Trainer, die diese Diskussion sehr kritisch betrachten, sehen kaum noch Chancen, das bisherige Format mit vier Teamreitern zu retten.

Mehr Flaggen, mehr Spannung, mehr Spektakel – das wünschen sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die FEI für die künftigen Olympischen und Paralympischen Reiterwettbewerbe. Ihr Ziel ist es, für die Disziplin Reiten mehr und vor allem jüngere Zuschauer zu begeistern, um mit Trend-Sportarten wie Surfen, Klettern oder BMX mithalten zu können. Ansonsten droht die Gefahr, dass der Pferdesport komplett aus dem Olympia-Kalender gestrichen wird. Das bisherige Format der Reiterwettbewerbe wird als zu kompliziert und unverständlich bezeichnet.

Beim Sports Forum der FEI, bei dem am 4. und 5. April zahlreiche Vertreter der nationalen Verbände, Sportler und Trainer zusammenkamen, stand deshalb die Debatte über die Reduzierung der Teamreiter auf drei und damit der Wegfall des Streichergebnisses im Mittelpunkt. Zudem soll es künftig so sein, dass für Nationen, die sich nicht mit einer Mannschaft qualifizieren konnten, nur ein Einzelstarter antreten darf. Damit erhofft sich die FEI mehr Startplätze für Einzelreiter aus mehr Nationen. Zudem soll der Modus dahingehend verändert werden, dass es an jedem Wettbewerbstag eine Medaillenentscheidung gibt.

„Wir sind offen für Veränderungen und stehen hinter vielen der Vorschläge zum Wettbewerbsformat, denn sie sind gut für die Repräsentation unseres Sports. Das ist das wichtigste Kriterium“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. „Wir sind aber klar gegen die Reduzierung auf drei Reiter, weil wir glauben, dass das in die falsche Richtung führt und negative Folgen für die Qualität des Sports hat und auf das Wohlergehen der Pferde haben könnte. Deshalb glauben wir, dass diese Änderung das Risiko eher steigert, den olympischen Status zu verlieren.“

Trainer und Sportler sprechen sich für Erhalt des vierten Teamreiters aus

Ähnlich sieht es die zweimalige Mannschaftsolympiasiegerin Ingrid Klimke (Münster). Sie erinnerte bei einer Pressekonferenz in Warendorf am Mittwoch an ihre ersten Olympischen Spiele in Sydney, bei denen es in der Vielseitigkeit noch zwei getrennte Wettbewerbe für die Mannschafts- und Einzelwertung gab. In der Mannschaftsprüfung waren viele Nationen mit ihren guten Reitern am Start. „Dagegen war die Einzelprüfung echt gruselig“, sagte Klimke. „Es waren viele dabei, die da aus sportlicher Sicht eigentlich nichts zu suchen hatten.“ Es gab viele schlechte Bilder. „Danach war der Sport am Boden und wir mussten wieder mühsam Aufbauarbeit leisten.“ Klimke hat Sorge, dass diese nun wieder zerstört wird. Vor allem, wenn bei einer Ausweitung auf mehr und schwächere Nationen der Schwierigkeitsgrad gleich bleibt. „Ich sehe das sehr kritisch.“

Hans Melzer, Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter sagte, die Entwicklung sei „sehr unglücklich für uns. In der Vielseitigkeit ist das Streichergebnis besonders wichtig, weil bei drei Teilprüfungen immer mal etwas passieren kann“, so Melzer. „Man geht davon aus, dass das neue System mehr Nationen bringt. Aber eigentlich will man doch die Besten der Welt am Start haben. Wenn irgendwelche Reiter aus Timbuktu an den Start gehen, weiß ich nicht, ob das für unseren Sport förderlich ist.“

Auch die Trainer und Reiter der Disziplinen Springen und Dressur sprechen sich für den Erhalt des vierten Teamreiters aus. Ludger Beerbaum (Riesenbeck) sagte: „Ich war bei den Gesprächen mit dem Verband dabei und ich habe die Verantwortlichen gebeten, sich vehement dafür einzusetzen, dass die Zahl der Teamreiter nicht reduziert wird. Bei dieser Frage geht es um die Identität unseres Sports. Leider bin ich nach den Gesprächen etwas resigniert. Unsere Argumente ziehen nicht so richtig. Wir stoßen bei der FEI an Grenzen.“ Der Bundestrainer der Springreiter, Otto Becker, erinnerte daran, dass vor allem im Springreiten das bisherige System mit einem Streichergebnis für Spannung bis zum Schluss gesorgt habe: „Wir sind mit der bisherigen Regelung immer gut gefahren. Von mir aus kann es gerne so bleiben wie es ist, ich bin da konservativ.“

„Auch für uns wäre das ein herber Einschnitt und ich halte das für sportfachlich nicht für sinnvoll, denn bei Olympischen Spielen sollten die besten aus der ganzen Welt an den Start gehen“, sagte Monica Theoderescu, Bundestrainerin der Dressurreiter. „Uns ist auch klar, dass unser Sport wächst, mehr Nationen dazukommen, und das ist auch gut so. Aber ich befürchte, dass es mit mehr Nationen bei Olympia auch mehr schwächere Ergebnisse geben wird, die dem Sport nicht gut tun werden.“

Als „sportfachlichen Quatsch“ bezeichnete auch Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei, die Entwicklung und ordnete die Debatte ein: „Bei der Diskussion um den vierten Teamreiter geht es um die zunehmende Eventisierung der Olympischen Spiele. Die Position der FN ist, dass eine Reduzierung sportfachlicher Quatsch ist. Das ist die deutsche Sicht. Leider bröckeln uns die Unterstützer weg.“ Zwar unterstützen auch die Schweiz, Niederlande, USA, Australien und Neuseeland die FN-Position. Alle anderen nationalen Verbände sind jedoch für die Dreierlösung. „Ich befürchte deshalb, der Drops ist schon fast gelutscht. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, weil es am Ende um möglichst viele Flaggen geht, um Universalität, nicht um Qualität“, sagte Peiler.

Soenke Lauterbach betonte, falls die Entscheidung im November wirklich so fallen sollte, dass zumindest die Regelung des Ersatzpaares aufgelockert werden müsse. „Es muss möglich sein, den Reservisten auch zum Beispiel zwischen der ersten und zweiten Qualifikation im Springen oder nach dem Geländewettbewerb in der Vielseitigkeit einzusetzen.“ Bisher können der Ersatzreiter und sein Pferd nur nach der ersten Verfassungsprüfung nachrücken.