Fahrsport – News: WM Einspänner Lezirias/POR - Doppel-Gold für Deutschland

Lezirias/POR (fn-press). Die deutschen Einspänner sind Mannschaftsweltmeister und zusätzlich hat Christoph Dieker aus Gescher mit FST Elmor auch noch Einzel-Gold geholt. Die Einspänner haben beide Titel verteidigt und kommen wie schon 2010 mit zwei Goldmedaillen von der WM in Lezirias in Portugal nach Hause.

Und dabei sah es im Kegelfahren erst alles andere als nach einem Sieg für das deutsche Team aus, das nach Dressur und Gelände in Führung lag. Die beiden Mannschaftsfahrer Detlef Böhlmann (Otter) mit Diaz und Dieter Lauterbach (Dillenburg) mit Dirigent waren mit 15,41 und mit 14,72 Fehlerpunkten im Kegelfahren ins Ziel gekommen. Damit hing alles von Christoph Dieker ab, der bis dahin in der Einzelwertung auf Silberkurs war und daher als zweitletzter Starter in den Hindernisparcours musste.

„Er ist da ganz cool und selbstsicher reingefahren“, so Bundestrainer Eckardt Meyer (Hermannsburg). Der Hindernisparcours war anspruchsvoll und die Zeit extrem knapp bemessen. Kein einziger Fahrer schaffte eine fehlerfreie Runde in der erlaubten Zeit. Bei Dieker und Elmor fiel zwar auch ein Ball, aber es kamen nur 1,03 Punkte für Zeitüberschreitung hinzu. Mit insgesamt 4,03 Punkten zeigte er das viertbeste Ergebnis der 70 Teilnehmer im Hindernisparcours. „Ich wusste ja schon immer, dass ich Kegelfahren kann, es hat nur einfach ein paar Jahre gedauert“, scherzte Dieker nachher. Im Kegelfahren – früher schon mal die schwächste Disziplin von Dieker – hatte er sich aber das ganze Jahr über schon stark präsentiert. Mit dem Ergebnis sicherte er nicht nur der deutschen Mannschaft die Goldmedaille, sondern setzte auch den nach ihm startenden Polen und Weltmeister von 2008 Bartolemiej Kwiatek mit Lokan unter Druck. Dieser hatte die Dressur knapp vor Dieker gewonnen und war auch nach dem Geländetag in Führung geblieben. Kwiatek kam allerdings mit 15,25 Fehlerpunkten ins Ziel und damit hatte Christoph Dieker nicht Silber, sondern Gold gewonnen. Die Freude bei ihm war riesig. „Da liefen sogar ein paar Freudentränen – aber bei mir auch“, gab Eckardt Meyer zu. „Ich hatte heute morgen schon ein gutes Gefühl und Elmor fühlte sich auch richtig gut an, es passte einfach alles“, sagte Dieker. Die Runden der beiden anderen deutschen Mannschaftsfahrer hatte er sich gar nicht angeschaut, sondern sich auf seine eigene Vorbereitung konzentriert. „Der Druck war natürlich schon da, aber ich hab mir einfach gesagt, dass ich nichts zu verlieren habe und jetzt hier einfach mein Ding mache.“

Mit zu Diekers 4,03 Punkten zählten die 14,72 Punkten von Dieter Lauterbach und seinem siebenjährigen Hessen-Wallach Dirigent für das deutsche Team. Dieter Lauterbach nahm in Lezirias an seiner sechsten Einspänner-WM teilnahm und hatte bereits 2008 mit der Mannschaft Silber geholt. Er hatte nach Dressur und einem ganz starken Gelände (Platz vier) auf dem vierten Platz der Kombinierten Wertung gelegen. Nach den 14,72 Punkten im Hindernisfahren fiel er aber auf den 18. Rang zurück. Aber auch die bis dahin in der Mannschaftswertung auf Rang zwei liegenden Holländer, die sechs Punkte hinter Deutschland waren, machten Fehler im Hindernisparcours. Sie kamen auf insgesamt 264,6 Punkte, das deutsche Team auf 257,9 Punkte. Durch starke Runde im Kegelparcours schob sich sogar noch das Schweizer Team vorbei und holte mit 158,6 Punkten Silber vor den Niederlanden.

An die Schweiz ging auch Silber in der Einzelwertung. Michael Barbey hatte sich durch Platz drei im Kegelfahren mit 3,02 von Platz sieben bis auf den Silberrang mit 131,87 Punkten direkt hinter Christoph Dieker, der auf 125,10 Punkte kam, vorgeschoben. Bronze gewann der Niederländer Wilbrord van den Broek mit 131,97 Punkten. Der Weltmeister von 2008, der Pole Bartolemiej Kwiatek, der die Dressur gewonnen und bis zum Kegelfahren in Führung gelegen hatte, landete am Ende auf dem undankbaren vierten Platz (134,94).

Den Grundstein für den Erfolg hatte Christoph Dieker bereits mit seiner Dressur gelegt. „39,55 Punkte und das bei einer Weltmeisterschaft, das ist schon der Hammer“, sagte er nach der ersten Teilprüfung. Der 30-Jährige hatte bereits als sechster Starter mit Elmor ins Dressurviereck gemusst und ordentlich vorgelegt. Erst am Nachmittag des zweiten Dressurtages konnte Kwiatek mit Lokan das Ergebnis mit 38,53 Punkten noch toppen. „Das ist toll, dass Elmor bei seiner letzten WM sein bestes Dressurergebnis zeigt“, freute sich Dieker, der mit seinem 17-jährigen Schweren Warmblut bereits 2008 Team-Silber geholt und 2010 als Einzelfahrer Platz sechs bei den Weltmeisterschaften belegt hatte.

Zweitbester Deutscher war der als Einzelfahrer startende Philipp Faißt (Lahr-Reichenbach). Der 23-Jährige beendete sein WM-Debüt mit seiner erst siebenjährigen Stute Ann in Time G.W. auf dem zwölften Platz. Er hatte nach Platz 39 in der Dressur einen starken Auftritt im Gelände gezeigt. Obwohl er in einem Hindernis sogar Strafpunkte für ein abwerfbares Teil bekam und einmal eine zusätzliche Volte fahren musste, belegte er Platz acht in dieser Prüfung und schob sich auf Platz 18 der Kombinierten Wertung vor. Im Hindernisparcours sammelte er dann nur 8,14 Punkte (Platz 17), so dass er weitere Plätze „gut machen“ konnte und sich bis auf den zwölften Platz fahren konnte.

Der dritte deutsche Mannschaftsfahrer Detlef Böhlmann hatte nach Platz vier in der Dressur leichte Probleme im Gelände gehabt und kam hier auf Platz 42. „Diaz war nicht ganz so gut drauf, wie wir ihn sonst im Gelände eigentlich kennen“, sagte Eckardt Meyer. „Vielleicht lag es an der Hitze.“ Bei weit mehr als 30 Grad waren die Gespanne ins Gelände gestartet. Kein Wind und auch kein schattenspendender Baum oder Strauch weit und breit – besonders durch die Hitze war die Geländeprüfung eine Herausforderung für die Einspänner. Seinen neunten Platz in der Einzelwertung konnte Detlef Böhlmann dann mit 15,41 Strafpunkten im Kegelfahren allerdings nicht halten. Er beendete seine zweite Weltmeisterschaft nach 2010 wieder mit Mannschaftsgold und in der Einzelwertung auf Rang 21.

Wie Philipp Faißt nahm auch die 20-jährige Katja Helpertz aus Monheim mit Chester als Einzelfahrerin an der WM teil. Sie beendete ihr WM-Debüt auf Platz 33. „Wir sind froh, dass wir die beiden Nachwuchsfahrer mitgenommen haben, sie konnten hier nicht nur Erfahrungen sammeln, sondern haben sich auch beide toll präsentiert“, freute sich der Bundestrainer.

Der Titelverteidiger Thorsten Zarembowicz aus Viernheim, der vor zwei Jahren bei der Einspänner-WM in Italien Einzel- und Mannschaftsgold gewann, war in Portugal nicht am Start. Er fährt in dieser Saison zweispännig und war ein Wochenende zuvor noch Deutscher Vize-Meister der Zweispänner geworden. Sein damaliges Goldpferd Sunrise ist im Besitz von Mareike Harm (Negernbötel), die wie Zarembowicz zum Gold-Team 2010 gehörte. Sunrise wird erfolgreich in Harms Vierspänner eingesetzt und startete erst kürzlich bei der WM der Vierspänner in Riesenbeck.                 evb