Fahrsport – News: Weltmeisterschaften Vierspänner Riesenbeck - Silber für deutsche Mannschaft

Riesenbeck (fn-press). Die deutsche Mannschaft mit Georg von Stein, Christoph Sandmann und Michael Brauchle hat bei den Weltmeisterschaften der Vierspänner die Silbermedaille gewonnen. Gold ging an die Favoriten aus den Niederlanden, die seit der Dressur geführt hatten und diese Führung auch nach dem Gelände und dem Kegelfahren nicht wieder abgaben. Bronze gewann das Team aus den USA. In der Einzelwertung konnte der Australier Boyd Exell seinen Erfolg von vor zwei Jahren bei den Weltreiterspielen in Kentucky wiederholen und verteidigte souverän seinen Weltmeistertitel mit 122,01 Punkten. Silber ging an den US-Amerikaner Chester Weber mit 130,80 Punkten, Bronze an den Niederländer Ysbrand Chardon mit 131,29 Punkten.

Nach Mannschafts-Bronze vor zwei Jahren bei den Weltreiterspielen in Kentucky hatte Bundestrainer Ewald Meier (Meißenheim) auch dieses Mal eine Medaille als Ziel ausgegeben. Es starteten insgesamt 50 Fahrer aus 19 Nationen. Zwölf Nationen stellten auch eine Mannschaft. Das deutsche Team durfte mit neun Fahrern, von denen drei für die Mannschaftswertung fuhren, teilnehmen. „Wir freuen uns sehr über Silber. Die Niederländer waren in den letzten Jahren immer besser, da sie gerade in der Dressur vielleicht auch die besseren Pferde haben, aber wir sind mit Silber sehr zufrieden“, sagte Meier.

Georg von Stein fährt „Dressur seines Lebens“

Starke Dressurvorstellungen von Christoph Sandmann und Georg von Stein sorgten dafür, dass das deutsche Team nach der ersten Teilprüfung den Anschluss hinter den Niederländern hielt. „Ich habe einiges riskiert, die Pferde haben super mitgemacht und von den Richtern habe ich dann auch die Punkte dafür bekommen“, sagte Georg von Stein (Modautal) nach seiner Dressur. „Er ist die beste Dressur seines Lebens gefahren“, freute sich auch Bundestrainer Ewald Meier. Für seine Vorstellung erhielt Georg von Stein 43,78 Punkte und belegte Platz sechs. Christoph Sandmann aus Lähden hatte mit seiner Dressur am Vortag mit 42,37 Punkten den Grundstein für das gute Mannschaftsergebnis gelegt. Er platzierte sich damit in der Dressurprüfung auf Rang fünf. Lediglich im Schritt „zackelte“ Wierd, eines seiner Vorderpferd, zweimal an. Das kostete wertvolle Punkte. „Die Pferde sind sehr gleichmäßig gegangen, das war seine beste Dressur dieses Jahr, der Fehler im Schritt war natürlich ärgerlich“, so Meier. Seine Pferde kamen mit der Atmosphäre im Stadion in Riesenbeck gut zurecht. „Die Zuschauer sind weit genug weg, die Pferde haben sich nicht irritieren lassen“, so Sandmann. Anders dagegen bei Mareike Harm (Negernbötel), die direkt nach Sandmann an der Reihe war. Die 26-Jährige, die zum ersten Mal bei einer Vierspänner-WM startet, fuhr in das Stadion ein, als gerade die Punktzahl von Christoph Sandmann bekannt gegeben wurde. Das Publikum klatschte und schwenkte eifrig Deutschland-Fähnchen. „Die Pferde waren seit dem Einfahren unter Spannung“, erklärte Mareike Harm, die mit ihrem Dressurergebnis nicht ganz zufrieden war. Dennoch platzierte sie sich als drittbeste Deutsche mit 48,00 Punkten auf Platz zehn in der Dressur.

Der dritte deutsche Mannschaftsfahrer, der 22-jährige Michael Brauchle aus Lauchheim, hatte keinen guten Auftakt erwischt und für das Streichergebnis im Team gesorgt. Er kam mit 71,42 Punkten lediglich auf Rang 44. Ingesamt kam das deutsche Team nach der Dressur auf 86,15 Punkte und die amtierenden Mannschafts-Weltmeister aus den Niederlanden auf 73,60 Punkte. Bis zum letzten Starter hatte das deutsche Team nur einen halben Punkt hinter den Niederländern gelegen, dann kam aber noch der dritte niederländische Teamfahrer Theo Timmermann. Er sorgte mit einem Dressurergebnis von 36,22 Punkten (Platz drei) dafür, dass die Niederlande nun doch deutlich führen. „Leider ist der Abstand doch nicht so knapp geblieben, aber da war mit zu rechnen“, erklärte Meier.

Hitzeschlacht im Riesenbecker Gelände

Dass das deutsche Team nach einem heißen Geländetag weiterhin auf dem Silberrang lag, hatten Georg von Stein, Michael Brauchle und Christoph Sandmann mit ihren guten Geländefahrten erreicht, die sie auf den Plätzen zwei, fünf und sechs beendeten. „Ich habe alles riskiert und die ersten sieben Hindernisse waren wirklich super“, sagte Georg von Stein. Bis dahin hatte er in sieben Hindernissen sechs Bestzeiten und einmal die zweitschnellste Zeit bei der Geländeprüfung bei der Weltmeisterschaft der Vierpänner in Riesenbeck gefahren. Im achten Hindernis, das auf einem kleinen Hügel liegt und extrem eng ist, unterlief ihm dann ein Fehler, der richtig Zeit kostete. Angefeuert von Tausenden Fans im Riesenbecker Gelände, wollte er ganz eng herum, doch das klappte nicht und sein Gespann stoppte. „Ich habe das Hindernis einfach unterschätzt“, sagte er nachher. Dennoch beendete er den Marathon auf Platz drei mit 85,38 Punkten. Besser waren nur der amtierende Weltmeister Boyd Exell aus Australien (82,72) und der Weltmeister von 2008 Tomas Eriksson aus Schweden (82,58).

Aber auch die beiden anderen deutschen Mannschaftsfahrer Christoph Sandmann und Michael Brauchle zeigten rasante Runden im Gelände. Christoph Sandmann beendete den Marathon auf Platz sechs (90,46), war aber nicht ganz zufrieden. Er wurde vor dem siebten und dem achten Hindernis gestoppt, da dort vom Bautrupp einiges wieder befestigt werden musste. „Das war extrem ärgerlich, dann ist nämlich der ganze Rhythmus weg“, erklärte Sandmann. Zusätzlich waren bei ihm zwei Bälle in den Hindernissen gefallen, was jeweils zwei zusätzliche Strafpunkte gab. „Die Bälle wären nicht nötig gewesen.“ Als Christoph Sandmann und zuvor auch schon Georg von Stein mit guten Ergebnissen im Ziel waren, konnte der dritte Teamfahrer Michael Brauchle einiges riskieren. Trotz eines Balls in Hindernis drei und einem kurzen Stopp in Hindernis fünf kam der 22-Jährige immer noch als Fünftbester (89,52) ins Ziel. Damit zählt das Ergebnis von ihm und das von Georg von Stein für die Teamwertung.

Stress vor dem Hindernisfahren

Vor dem Hindernisfahren hatte das Team der Niederlande bereits einen Vorsprung von mehr als sieben Punkten. In der Einzelwertung hatte sich Georg von Stein durch seinen guten Geländeauftritt von Platz sechs auf den dritten Platz vorgeschoben und war auf Medaillenkurs. Als erster Mannschaftsfahrer musste Michael Brauchle in den Kegelparcours. Die Zeit war extrem knapp bemessen, aber er war flott unterwegs. Dann fiel aber am sechsten Hindernis ein Ball und direkt danach ein weiterer an 7d, dem letzten Kegel in der „Welle“. Sechs Punkte für Brauchle und das deutsche Team-Konto. Der erste niederländische Teamfahrer Koos de Ronde kam mit 1,60 Zeitstrafpunkten ins Ziel. Fehlerfrei im Parcours blieb dann auch Christoph Sandmann, der bis dahin auf Platz sechs der Einzelwertung lag, allerdings bekam er 4,13 Fehler wegen Zeitüberschreitung dazu. „Georg muss nur noch ins Ziel kommen, dann haben wir Silber“, sagte Equipechef Fritz Otto-Erley. Als Theo Timmermann direkt nach Sandmann mit 1,10 Strafpunkten den Parcours beendete, hatten die Niederländer schon vor ihrem letzten Fahrer Ysbrand Chardon die Goldmedaille sicher. Auch Chardon zeigte seine ganze Routine und kam mit nur 1,33 Punkten ins Ziel.

Danach war Georg von Stein, der noch auf Medaillenkurs war, an der Reihe. Doch dann fielen drei Bälle bei ihm und Zeitfehler kamen dazu. Mit 11,11 Punkten fiel er auf Platz acht der Einzelwertung zurück. Noch auf dem Abfahrplatz war bei ihm die Vorderbracke an der Kutsche abgefallen, da eine Schraube an der Deichsel gebrochen war. Er musste zurück zum Fahrerlager, eine passende Schraube finden, die Kutsche reparieren, noch schnell zwei Hindernisse auf dem Abfahrplatz fahren und rein ins Stadion. „Das war Stress pur und wenn man überlegt, dass das auch im Parcours hätte passieren können, dann hätten wir keine Medaille gehabt“, sagte Meier. Wäre er wegen so etwas ausgeschieden, hätte weder sein Dressur- noch sein Geländeergebnis für die Teamwertung gezählt. „Ich glaube, der Stress vorher war nicht ausschlaggebend, ich bin auch einfach zu flott und mit zu viel Risiko gefahren“, sagte von Stein selbstkritisch. „Klar, wäre eine Einzelmedaille schön gewesen, aber Silber mit der Mannschaft ist auch toll“, sagte er. „Ich bin die beste Dressur meines Lebens gefahren, war in der Geländeprüfung Dritter trotz eines dicken Patzers und bin insgesamt doch sehr zufrieden mit der WM“, sagte von Stein. Durch seinen „Rückfall“ auf Platz acht, rutschte Teamkollege Sandmann noch einen Platz nach vorne und konnte die WM auf Platz fünf (136,96) beenden. „Ich habe mein Ziel erreicht, ein Platz unter den besten Fünf. Wenn alles geklappt hätte, wäre vielleicht für mich mehr drin gewesen, aber wir haben Silber mit der Mannschaft“, sagte Christoph Sandmann.

Der dritte Mannschaftsfahrer Michael Brauchle beendete seine zweite WM nach 2008 in Beesd auf Rang 17 (166,94). Platz fünf im Gelände hatte ihm nach einer völlig verpatzten Dressur wieder weiter nach vorne verholfen. Direkt vor ihm platzierten sich zwei weitere deutsche Fahrer. Einer war Christian Plücker aus Waldeck, der schon in Beesd 2008 als Einzelfahrer dabei war. "Im ersten Drittel landen" - das war sein Ziel und er schaffte es auf Rang 15 (163,60). Daniel Schneiders (Petershagen), der im vergangenen Jahr noch Ponys fuhr, platzierte sich bei seiner ersten Vierspänner-WM mit Großpferden auf Rang 16 (164,89). Als erste Fahrerin, die in der erlaubten Zeit geblieben war, hatte Mareike Harm (Negernbötel) bei ihrem WM-Debüt für viel Jubel gesorgt. Sie kam mit lediglich sechs Strafpunkten für zwei Bälle ins Ziel und verbesserte sich dadurch von Rang 31 auf 25 (190,49). „Eine gute Dressur und ein gutes Kegelfahren zeigen und im Gelände ins Ziel kommen, das hatte ich mir vorgenommen und das hat geklappt“, sagte sie. „Natürlich sind die 20 Strafpunkte im letzten Geländehindernis gestern extrem ärgerlich gewesen, aber insgesamt bin ich doch sehr zufrieden“, so die 26-Jährige, die ihre zweite Vierspänner-Saison fährt. Im Gelände hatte sie 20 Strafpunkte für „Korrigiertes Verfahren“ bekommen.

Mit einer super Runde im Kegelparcours beendete auch Rene Poensgen aus Eschweiler seine erste WM. Er kam mit lediglich 4,26 Strafpunkten ins Ziel und kam in der Kombinierten Wertung auf Platz 20 (174,84). Hinter Rene Poensgen aber noch vor Mareike Harm auf Rang 24 (183,87) landete Josef Zeitler (Starnberg). Er hatte seine beste Dressur der ganzen Saison gefahren, etwas Pech im Gelände gehabt - er bekam Strafpunkte, da er einen Beifahrer „verloren“ hatte - und im Hindernisfahren kam er mit 15,26 Punkten ins Ziel. Bei Ludwig Weinmayr (Fischbachau), ebenfalls deutscher Einzelfahrer, war es im Gelände zu einem „Rumpler“ im Hindernis gekommen, bei dem sich das rechte Vorderpferd eine leichte Hüftprellung zuzog, so dass er den Marathon vorzeitig beenden musste und ausschied. „Wenn man überlegt, dass Daniel Schneiders letztes Jahr noch Ponys gefahren ist und auch Mareike erst ihr zweites Jahr mit dem Vierspänner unterwegs ist, dann haben sie sich hier sehr gut präsentiert und wir müssen uns um den Nachwuchs im Fahrsport keine Sorgen machen“, so der Bundestrainer, der nach mehr als 20 Jahren Anfang 2013 sein Amt abgeben wird.            evb