Fahrsport: Ergebnisse vom ersten Tag der Nationenpreise der Gespannfahrer in Riesenbeck

Nach tagelangem Regen hatte Petrus wohl endlich Erbarmen mit den Gespannfahrern. Als der erste Teilnehmer des einzigen Nationenpreises für Zweispänner und Vierspänner auf deutschem Boden in Riesenbeck an den Start ging, lugte plötzlich die Sonne hinter den Wolken hervor. Der wunderschöne Rasenplatz im Stadion des Reitervereins Riesenbeck erstrahlte in sattem Grün. Schön anzusehen, dennoch mussten die Pferde ihre Kutschen am ersten Tag der Dressurprüfungen mit aller Kraft ziehen – von allein drehte sich hier kein Rad.

Am besten schafften dies bei den Zweispännern der Italiener Claudio Fumagalli (38,34 Punkte) und die beiden deutschen Fahrer Marco Freund (38,87 Punkte) und Rainer Bruelheide (48,14 Punkte) – und bei den Viererzugfahrern Boyd Exell (Australien, 37,10 Punkte), Chester Weber (USA, 42,94 Punkte) und Koos de Ronde (Holland, 46,01 Punkte).

Zweispänner Dressur, 1. Teil

Die Fahrer genießen in Riesenbeck den Auftritt im großen Stadion. In zwei Anspannungsarten wird der Preis der Nationen ausgetragen. Ein außerordentlich wichtiger Termin für die deutschen Fahrer, wird doch in Riesenbeck für beide Anspannungsarten gesichtet für ein nachfolgendes Championat: Die Vierspänner bewerben sich um einen Startplatz bei der Europameisterschaft vom 11. bis 23. August in Aachen, die Zweispänner wetteifern um die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft im September in Ungarn.

Am Donnerstag eröffneten die Zweispännerfahrer das Turnier in Riesenbeck um 8 Uhr morgens. Erste deutsche Starterin war Kathrin Scheiter aus Leidersbach, 55,04 Punkte lautete ihr Ergebnis. „Eine ansprechende Vorstellung bei der ich mir etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht hätte. Dann wäre auch eine bessere Benotung und mehr als Platz elf drin gewesen“, kommentierte Bundestrainer Wolfgang Lohrer.

Marco Freund war ursprünglich für das Team vorgesehen, startete dann nach Entscheidung durch den Fahrausschuss jedoch als Einzelfahrer. Begründung ist der bevorstehende einjährige USA-Aufenthalt des jungen Mannes aus Dreieich, der somit einen Start bei der WM ausschließt. In Riesenbeck soll sich deshalb ein mögliches WM- Team bereits den erforderlichen Spirit für den Auftritt in Ungarn holen. Schade, denn mit den Siegen in Lähden und Beekbergen (Niederlande) ist Marco Freund – Sohn des legendären Vierspännerfahrers Michael Freund, derzeit auf der Erfolgsspur. Das stellte er erneut unter Beweis, als er die Dressur mit 38,87 Punkten abschloss und am Ende des ersten Teils der Dressur den zweiten Platz belegte. Nur einen Hauch besser der Italiener Claudio Fumagalli, der mit 38,34 Punkten die Führung übernahm.

Für Freund wurde Arndt Lörcher in die Mannschaft berufen, seine Vorstellung litt unter Taktfehlern im Schritt. Die Richter gaben ihm 52,62 Punkte, vorläufig Platz sechs. Nicht nur Lörcher hatte mit Taktfehlern seiner Pferde zu kämpfen, wie ihm ging es mehreren Fahrern. Möglich, dass manche Pferde sich schwer taten mit dem Boden, der nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage schwerer als gewohnt war. „Die Pferde müssen ziehen“, kommentiert Bundestrainer Lohrer, „hier rollt nichts von selbst“.

Ausdrucksstark und schwungvoll stellte Torsten Koalick aus Drebkau seine Dunkelbraunen vor. Mängeln bei den Hufschlagfiguren und schwache Übergänge drückten die Note, 57,40 Punkte, zwölfter Platz.

Sehr gut setzte Rainer Bruelheide (Halle / Westf) als Einzelfahrer seine Pferde in Szene. Er punktete mit klar herausgefahrenen Höhepunkten und großer Präzision, 48,14 Punkte, Platz drei gemeinsam mit dem Oesterreicher Gerald Rössler nach der ersten Hälfte der Starter.

Am Freitagmorgen um 8 Uhr geht es weiter, dann starten u.a. Sebastian Warneck und Anna Sandmann für das deutsche Team.

Vierspänner Dressur. 1.Teil

35 Teilnehmer haben sich in die Starterliste bei den Vierspännern eingetragen, 18 gingen im ersten Teil der Dressur am Donnerstag an den Start. Eine Fahrerin aus Spanien musste leider den Rückweg antreten, gleich zwei ihrer mitgebrachten Pferde kamen nicht durch den Vet- Check.

Aus dem Gastgeberland ging Mareike Harm aus Negernbötel als Erste an den Start. Noch auf dem Abfahrplatz hatte alles gut ausgesehen, doch im Viereck litt die Vorstellung unter erheblichen Taktproblemen, die sich besonders im Schritt offenbarten. Mit 56,34 Punkten und dem vorläufig neunten Platz blieb ihr Ergebnis hinter den Erwartungen zurück.

Sascha Utz ist neu in den Bundeskader aufgenommen, er muss sich auf diesem Niveau noch bewähren. Seine Leistung ordnet Bundestrainer Karl- Heinz Geiger unter „ordentlich, es fehlen noch die Höhepunkte“ ein. 61,18 Punkte, Platz zwölf. Georg von Stein, Modautal, fuhr mit Gipsfuß. Ein Reitunfall hatte ihn zu einer Trainingspause gezwungen, so ganz war das Defizit durch die einwöchige Zwangspause bis zu seinem Start in Riesenbeck nicht aufgeholt. Anlehnungsprobleme insbesondere die eines seiner Stangenpferde drückten die Note, mit 52,80 und dem sechsten Platz muss er sich im Marathon und im Kegelparcours noch mächtig sputen um in der kombinierten Wertung ganz nach vorn zu kommen. René Poensgens Dressur litt etwas unter der unsicheren Anlehnung und Durchlässigkeit seiner Pferde, deshalb gaben die Richter nicht mehr als 57,81 Punkte , das reichte zu Platz zehn. Den teilte er sich mit Rainer Duen aus Minden, dessen Einsatz in Riesenbeck nicht gut begann. Am Morgen hatte sich eines seiner Pferde in der Box verletzt, er musste sein Ersatzpferd einspannen. Darauf musste Rücksicht genommen werden, Duen konnte weniger Höhepunkte herausfahren.

Ganz vorn stand auch in Riesenbeck, wen wundert`s, der amtierende Weltmeister Boyd Exell. Mit deutlichem Abstand setzt er sich von den anderen Fahrern ab, verbuchte 37,10 Punkte und bleibt völlig entspannt wenn er an den morgigen Tag denkt, an dem weitere siebzehn Konkurrenten versuchen sein Ergebnis zu übertreffen. Sein Hauptkonkurrent, der US- Amerikaner Chester Weber, liegt nach dem heutigen Tag schon deutlich hinter ihm mit 42,94 Punkten auf Platz zwei. Der wiederum setzt sich klar vor den Niederländer Koos de Ronde, der mit 46,01 Punkten den dritten Platz belegt.

Bild:  Rainer Bruehlheide Deutschland), Fotograf: Dr. Jürgen Schwarzl