Fahrsport: Breda lädt zur WM der Vierspänner 2016

Das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft vom 31. August bis 4. September

Breda/NED (fn-press). Am ersten Septemberwochenende findet im niederländischen Breda der Saisonhöhepunkt der Vierspännerfahrer statt. Mehr als 70 Gespanne werden vom 31. August bis 4. September in der Gemeinde unweit von Rotterdam erwartet, um bei den FEI-Weltmeisterschaft neue Titelträger in Team und Einzel zu küren.

Erstmals sind pro Nation bis zu sechs Teilnehmer zugelassen, die Niederlande als Gastgeber dürfen sogar mit neun Fahrern an den Start gehen. Los geht es am Mittwoch, 31. August, mit dem obligatorischen Vet-Check und der offiziellen Eröffnungsfeier. Am Donnerstag und Freitag, 1. und 2. September, folgt die Dressur, ehe es traditionell am Samstag, 3. September, für den Marathon ins Gelände geht. Wer neuer Weltmeister wird, entscheidet sich am Sonntag, 4. September, im abschließenden Kegelfahren. Titelverteidiger sind das Team aus den Niederlanden, das seit 2007 auf Championaten ungeschlagen ist, und der in den Niederlanden beheimatete Australier Boyd Exell im Einzel. Das deutsche Team gewann bei den Weltmeisterschaften vor zwei Jahren im französischen Caen in der Normandie die Silbermedaille.

Für Deutschland sind unter der Leitung von Bundestrainer Karl-Heinz Geiger (Rechtmehring) folgende Fahrer beim Championat in Breda dabei (in alphatbetischer Reihenfolge):

Michael Brauchle (Lauchheim-Hülen): Der 26-jährige angehende Hufschmied aus Baden-Württemberg ist amtierender Europameister und hat Deutschland schon mehrfach bei Championaten erfolgreich vertreten. Bereits elfjährig griff er erstmals zu den Leinen und fuhr zunächst ein- und zweispännig. Seit mittlerweile zehn Jahren ist er im Vierspänner unterwegs und hat sich als feste Größe im deutschen Team etabliert. Brauchle, der als Marathon-Spezialist gilt, kommt aus einer vom Fahrsport infizierten Familie, sein zwei Jahre älterer Bruder Steffen fährt ebenfalls sehr erfolgreich Pony-Viererzüge.

Rainer Duen (Minden): Der 45-jährige gelernte Pferdewirt gehört schon seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig zu den erfolgreichsten deutschen Vierspännerfahrern. Duen, der ursprünglich aus dem niedersächsischen Friesoythe stammt, fuhr Mitte August bei den deutschen Meisterschaften in Lähden auf den Silberrang, entsprechend gut in Form ist sein Gespann. Der Träger des Goldenen Fahrabzeichens war 2006 bereits Weltmeister mit dem deutschen Team.

Mareike Harm (Negernbötel): Vierspänner fahren war lange Zeit nur etwas für Männer. Doch seit einigen Jahren gehört die 30-jährige Mareike Harm aus Schleswig-Holstein als eine von ganz wenigen Frauen fest zur Szene. Zuvor fuhr sie erfolgreich Einspänner, ritt Dressur bis St. Georges und Springen bis Klasse M. Schon 2012 nahm sie an den Weltmeisterschaften der Vierspänner in Riesenbeck teil, in 2016 war sie Fünfte bei den Deutschen Meisterschaften. Ihre Stärke hat Mareike Harm in der Dressur, seit letztem Jahr hat sie ein neues Gespann an den Leinen: Der Viererzug des Belgiers Felix Brasseur wechselte nach dessen Karriereende komplett zu ihr. Mareike Harm hat in Kiel Agrarwissenschaften studiert und betreibt gemeinsam mit ihrer Mutter südlich von Neumünster einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pensionspferdehaltung.

Rene Poensgen (Eschweiler): Aus der Nähe von Aachen kommend, faszinierten den 36-jährigen schon als Kind beim Familienausflug zum dortigen CHIO die Vierspännerzüge mit ihren rasanten Fahrten durch das Stadion. Heute steuert der gelernte Bäcker selbst einen solchen Viererzug und durfte in diesem Jahr erstmals vor heimischer Kulisse beim „Weltfest des Pferdesports“ in Aachen an den Start gehen. Schon dort lautete sein persönliches Saisonziel, sich für die Weltmeisterschaft in Breda zu qualifizieren. Dies schaffte er u. a. mit einem sechsten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Lähden. Gemeinsam mit seinem Bruder führt Rene Poensgen einen familieneigenen Bäckereibetrieb in zweiter Generation.

Christoph Sandmann (Lähden): Der 49-jährige Speditionskaufmann mit eigener Firma ist der wohl erfahrenste Vierspännerfahrer im deutschen Team. Seit 1990 gehörte er fast immer zur deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften und gewann mit ihr dreimal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze. In dieser Saison sicherte er sich bei den Deutschen Meisterschaften auf seiner eigenen Anlage die Bronzemedaille und gehörte zum Team, das im Nationenpreis beim CHIO in Aachen auf den zweiten Platz fuhr. Auch Sandmanns 20-jährige Tochter Anna ist im Fahrsport erfolgreich. Sie holte 2014 und 2015 jeweils Silber bei den Deutschen Meisterschaften der Zweispänner und gab in diesem Jahr ihr Debüt bei den Vierspännern.

Georg von Stein (Modautal): Der 44-jährige Betreiber einer Reitanlage im hessischen Odenwald sammelte zunächst im Springparcours Erfolge, ehe er auf den Kutschbock umstieg. In Breda gehört er nun bereits zum vierten Mal einem deutschen WM-Team an. Dass seine Form gut ist, bewies von Stein erst Mitte August, als er sich in Lähden seinen dritten Deutschen Meistertitel sicherte. Auch beim CHIO in Aachen war er mit Platz sechs in der Einzelwertung bester deutscher Fahrer. Familie von Stein betreibt im Odenwald übrigens auch ein Gasthaus, serviert wird gut bürgerliche Küche.