Europameisterschaften Vielseitigkeit in Malmö/SWE 2013: Mission Titelverteidigung

Malmö/SWE (fn-press). Eine Woche nach den Europameisterschaften Dressur, Springen und Para-Equestrian im dänischen Herning ermitteln die Vielseitigkeitsreiter vom 29. August bis 1. September im südschwedischen Malmö ihre kontinentalen Meister. Die Deutschen treten in Schweden als Titelverteidiger an, gewannen sie doch bei der letzten EM im eigenen Land nicht nur Team-Gold, sondern auch sämtliche Einzelmedaillen. Wer die deutschen Farben vertritt – ein Überblick.

Bewährte Namen und junge Pferde – unter diesem Motto steht die deutsche Mannschaftsaufstellung für Schweden. Denn das Trainergespann Hans Melzer und Chris Bartle müssen auf zwei Aushängeschilder des Sports verzichten: La Biosthetique Sam FBW und Opgun Louvo. Sie sind nicht nur Europameister und Vizeeuropameister 2011, sondern waren auch die Spitzenpferde bei den Olympischen Spielen in London. Während für Sandra Auffarth (Ganderkesee) der Ausfall ihres Pferdes zugleich das Aus für die EM bedeutet, kann Doppel-Olympiasieger Michael Jung auf den Württemberger Wallach Halunke FBW zurückgreifen, der dem Status Nachwuchspferd längst entwachsen ist. Für Sandra Auffarth rückt ein junger Reiter ins EM-Aufgebot nach, der 24-jährige Benjamin Winter mit Ispo. „Die Europameisterschaften sind immer auch ein Probelauf für die darauffolgenden Weltmeisterschaften oder auch Olympischen Spiele. Hier ist die beste Möglichkeit, neue Paare zu testen und Erfahrungen zu sammeln“, sagt Bundestrainer Hans Melzer (Putensen).

Ob mit Sam, Leopin FST oder Halunke FBW – der vielseitige „Überflieger“ aus dem schwäbischen Horb ist immer für einen Sieg gut. Mit dem neunjährigen Halunke FBW, einer von vielen herausragenden Nachkommen des Vollblüters Heraldik, gewann Michael Jung im vergangenen Jahr die Weltcupqualifikation in Haras de Pin und verpasste beim CCIO3* Boekelo nur knapp den Einzelsieg. Nach Platz eins im CIC3* Luhmühlen in diesem Jahr trug das Paar außerdem zum Nationenpreissieg der deutschen Mannschaft in Aachen bei. Jung machte es dennoch spannend. Nach dem Ausfall von Sam, musste auch sein Reiter einige Tage aussetzen. Grund war eine Infektion im Zeigefinger, die für eine unfreiwillige Trainingspause sorgte. „Das war ein kleiner Schreck, aber die Pause war wirklich nur kurz und Halunke wurde währenddessen auch weiter trainiert. Inzwischen ist Michi schon wieder geritten und hat auch schon wieder gewonnen“, sagte Melzer. Michael Jung ist Pferdewirtschaftsmeister mit eigenem Betrieb in Horb-Altheim. Hinter seinen herausragenden Erfolgen steht eine ganze Familie mit Mutter Brigitte als gute Seele des Betriebs und Vater Jochen Jung als Freund, Trainer und Manager.

Über die längste Championatserfahrung verfügt Peter Thomsen aus Lindewitt. Er nahm an drei Olympischen Spielen und drei Weltmeisterschaften für Deutschland teil und bestreitet in Malmö seine sechsten Europameisterschaften. Erstmals ging er vor 20 Jahren bei den EM in Achselschwang an den Start, wo er mit White Girl als bester Deutscher Platz fünf belegte. 2008 (mit Ghost of Hamish) und 2012 (mit Horseware’s Barny) gehörte er zum deutschen Gold-Team der olympischen Spiele. Neben Barny hat Thomsen mit Horseware’s Cayenne aus der Zucht von FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau noch ein weiteres Eisen für die EM im Feuer. „Peter ist ein absolut verlässlicher Mannschaftsreiter, souverän im Gelände und im Springen“, so Melzer. Für die Europameisterschaften hat sich der 52-Jährige, der als Account-Manager bei DHL arbeitet, einiges vorgenommen. Enttäuscht über sein Dressurergebnis in London, suchte er Unterstützung bei Gisela Blunk-Erichsen und Falk Rosenbauer und überraschte die Zuschauer bereits in Luhmühlen mit hervorragenden Ergebnissen auf dem Viereck.

Fast genauso lange dabei wie Peter Thomsen ist seine Teamkollegin Ingrid Klimke (45, Münster). Sie zählte in diesem Jahr zu den meistbeschäftigten Reitern, denn parallel zu ihren Vielseitigkeitspferden stellte sie auch ihre Dressurpferde auf internationalem Parkett vor. Und wie Thomsen steht sie für die EM in Malmö vor dem Luxusproblem zwischen zwei Pferden wählen zu können: ihrem bewährten FRH Butts Abraxxas, mit dem sie zwei Mal Mannschafts-Gold und 2011 auch EM-Gold mit dem Team gewann, sowie Nachwuchspferd FRH Escada JS. „Abraxxas hat in den letzten Jahren immer sehr gut und vor allem mannschaftsdienliche Ergebnisse gebracht. In Malmö setzen wir aber auf den Nachwuchs, daher hat Escada Prioriät“, verriet allerdings Hans Melzer. Wie Abraxxas befindet sich auch Escada JS im Mitbesitz von FN-Präsidiumsmitglied Madeleine Winter-Schulze. Ende 2011 kam die Vizeweltmeisterin der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde mit Andreas Brandt im Sattel in den Stall von Ingrid Klimke. Seinen ersten Drei-Sterne-Start in Marbach beendete das Paar auf Platz vier. Anfängliche Probleme in der Dressur wurden über Winter behoben, inzwischen hat Escada Platzierungen in M-Dressuren auf dem Konto. An Pfingsten gewannnen die beiden ihre erste CIC3* in Wiesbaden und wurde Dritte in Luhmühlen. Ihr Ritt mit einer Helmkamera wurde zum Renner auf Youtube. Weit über 90.000 Mal wurde das Video angeklickt.

Andreas Dibowski (47) bestreitet in Malmö sein mittlerweile zwölftes Championat. Wie Thomsen nahm er an drei Olympischen Spielen und drei Weltmeisterschaften und fünf Europameisterschaften teil. 2008 feierte er mit Mannschafts-Gold seinen bislang größten Triumph. In London war der Pferdewirtschaftsmeister aus Döhle nicht mit von der Partie; sein Erfolgspferd Leon war bei den Olympischen Spielen für Thailand am Start und für FRH Butts Avedon kam der Einsatz zu früh. „Inzwischen hat Avedon Championatsreife erreicht und hat vor allem viel Erfahrung mit Malmö. Dibo und er haben dort 2011 das CCI2* gewonnen und waren im letzten Jahr in der Weltcupqualifikation platziert“, so der Bundestrainer. Avedon ist ein weiterer Sohn des Heraldik xx. Mit seiner Mutter Andora (v. Kronenkranich xx) bestritt „Dibo“ 1997 seine erste Europameisterschaft in Burghley/Großbritannien. Avedon, der wie seine Mutter aus der bekannten Zucht des verstorbenen Friedrich Butt aus Bülkau stammt, ist im Besitz des Reiters, Ann-Kathrin Butt und des deutschen Mannschaftsarztes Professor Manfred Giensch.

Der gebürtige Schwabe Dirk Schrade gehörte zu den ersten Mitgliedern, der Anfang 2000 gegründeten Perspektivgruppe Vielseitigkeit, bevor er sich mit einem eigenen Turnier- und Ausbildungsstall in Sprockhövel selbständig machte. Der 35-Jährige ging bei zwei Welt- und drei Europameisterschaften für Deutschland an den Start, bevor er Im vergangenen Jahr seinen bislang größten Erfolg mit Mannschafts-Gold bei den Olympischen Spielen in London feierte. Nach dem Tod seines Olympiapferdes King Artus rückte sein zweites Spitzenpferd Hop and Skip in den Vordergrund. Der 14-jährige Wallach stammt aus der Zucht der britischen Springreiterin Tina Fletcher. Sechsjährig ging er an den britischen Vielseitigkeitsreiter David Hamilton, bevor er über den Australier Stephen Way und den Japaner Kenki Sato, der Hop and Skip bei den Weltmeisterschaften in Kentucky/USA vorstellte, zu Schrade in den Stall kam. Ende 2011 wurden das Paar Elfter beim CCI4* Pau und wiederholte diesen Erfolg ein Jahr später in Burghley. „Hop and Skip war ja schon für London vorgesehen. Er ist immer sicher im Gelände und Springen und ist mittlerweile auch dressurmäßig besser geworden. Auch Malmö liegt den beiden, im vergangenen Jahr waren sie hier Zweite bei der Weltcupqualifikation“, so Melzer.

Der Youngster im Team ist der 24-jährige Benjamin Winter. Rechnet man die Nachwuchs-Europameisterschaften hinzu, steht er vor seinem sechsten Championat. Schon früh stand für den Dortmunder fest, dass er beruflich mit Pferden zu tun haben wollte. 2009 wurde er in die Perspektivgruppe Vielseitigkeit Warendorf berufen. 2012 beendete er seine Ausbildung zum Pferdewirt mit Auszeichnung und wechselte dann zur Bundeswehr, wo derzeit den Rang eines Obergefreiten bekleidet. Seinen bisher größten Erfolg feierte er bei seiner ersten „Senioren“-EM 2011 in Luhmühlen, wo er mit seinem bisherigen Paradepferd Wild Thing Z Platz 13 belegte und als einer von nur drei Reitern den schwierigen Rolex-Komplex auf dem direkten Weg absolvierte. 2012 stand er auf der Longlist für die Olympischen Spiele, musste aber wegen einer Verletzung seines Pferdes absagen. In Malmö startet Winter mit dem neunjährigen, knapp 1,60 Meter kleinen Westfalen Ispo v. It’s me – Polydor, den er fünfjährig von Springreiter Hendrik Griese erwarb. Mit ihm war er u.a. Achter beim renommierten CCIO3* Boekelo und war in diesem Jahr in allen Drei-Sterne-Prüfungen, in denen er am Start war, gut platziert. „Auch Ben war schon in Malmö erfolgreich, hat sich mit Wild Thing dort für die EM in Luhmühlen qualifiziert. Mit Ispo hat er ein sehr gutes Geländepferd, mit dem er alle Geländeprüfungen in diesem Jahr in der erlaubten Zeit beendet hat, selbst mit einem Vorbeiläufer wie in Bramham“, so Melzer.

Sollte einer der Kandidaten noch kurzfristig ausfallen, stehen als Reservisten der ehemalige Deutsche Meister Andreas Ostholt (Warendorf) mit So is et sowie Kai-Steffen Meier (Waldbröl) mit TSF Karscada M auf der Liste.              Hb