Erste Hilfe für Reiter und Fahrer: Ausbildung im Reitsportzentrum Waldesruh

Im Reitsport gibt es ja nicht nur Goldene Schleifen, Pokale, Tour-Siege und Medaillen. Die Kehrseite der letzteren wird oftmals als „Bodenprobe nehmen“ oder ähnlich bezeichnet. Aber was als nächstes tun, wenn es zum Sturz vom Pferde kam und die 112 (hoffentlich) schon angerufen wurde? Reicht das Wissen aus, was man im Rahmen der Ersthelferausbildung erworben hat? Ist es überhaupt vorhanden? Gibt es Besonderheiten, wenn es um Verletzungen im Reitsport geht?

Diese und viele weitere Fragen wurden im Rahmen eines Ausbildungstages im Reitsportzentrum Waldesruh Ende September beantwortet. Aber es wurde natürlich nicht nur geredet, sondern auch aktiv gehandelt. Neben den allgemeinen Themen Ansprechen der Person, Atmungskontrolle, Entscheidung zur Reanimation oder stabiler Seitenlage waren es weitere Aspekte, auf die eingegangen wurde. Und nur so nebenbei: Was man im Laufe der Zeit so alles vergessen kann, konnte man in Waldesruh ebenfalls schnell feststellen. Schließlich ist Vergessen menschlich und eine Auffrischung in Sachen Erster Hilfe eine sehr gute Gegenmaßnahme.

Aber wie kam es eigentlich dazu? - Dazu muss man einen kleinen Blick in die Waldesruher Gemeinschaft werfen. Die dort reitenden und fahrenden (fast ausschließlich) Damen haben bereits einige Jahre Turniererfahrung und jede Menge Meilen auf oder hinter dem Pferd an den Leinen zurückgelegt. Gabriela Lyck-Piehl und Wolfgang Piehl sind erfahrene Reiter und geben ihr Wissen Tag für Tag an den Nachwuchs weiter. Da bleibt verständlicherweise wenig Zeit für dieses spezielle Thema - so notwendig, wie es auch ist. Zufällig kommt aber hinzu, dass in Waldesruh einige Pferdesportler in ihrem „richtigen“ Leben in medizinischen Berufen tätig sind. Und bereits im letzten Jahr wurde die Idee eines Erste-Hilfe-Kurses für die Waldesruher Pferdesportler durch Christin Reichelt formuliert. Sie arbeitet auf einer Intensiv-Therapiestation und spielte schon länger mit dem Gedanken, etwas in dieser Richtung zu tun. Christins Mitfahrerin (an bzw. neben den Leinen) ist - was für ein Zufall J -  Reanimations-Instruktorin an einer DRK-Klinik und somit allerbestens geeignet für einen solchen Lehrgang. Ihr Name ist Claudia Klaffke.

Das Duo organisierte also Ende September die notwendigen Gerätschaften und gab den Termin bekannt. Das Interesse war groß und obwohl es der Sache dienlich gewesen wäre, musste die Teilnehmerzahl begrenzt werden. Deshalb wurde der Lehrgang vorher auch nicht öffentlich bekannt gegeben. Schließlich sollte sich jeder an den Gerätschaften und Materialien ausprobieren können.

Am Start waren aber nicht nur Erwachsene, wie man meinen möchte. Die jüngste Teilnehmerin war gerade einmal zwölf Jahre alt und meisterte die gestellten Anforderungen souverän. Selbst Herzdruckmassage und das Herstellen der stabilen Seitenlage klappten problemlos.

Aber die Ausbilder gingen noch einen Schritt weiter. Vor allem beim Reiten im Gelände und einem eventuellen Unfall muss ruhig und sachlich agiert werden. Was macht man zuerst? Wie holt man Hilfe? Wie verteilt man die Aufgaben? Alles gar nicht so einfach, wenn man sich alle Notwendigkeiten vor Augen führt.

Ansonsten wurde selbstverständlich an den Reanimations-Dummy Hand angelegt und auch der AICD (Automatic Implantable Cardioverter Defibrillator) betätigt. Das ist so ein kleines Gerät, was man auch in größeren Geschäften findet, mit dem man Unterstützung bei der Herzdruckmassage erhält, das den Puls kontrolliert und Stromschläge für das Herz abgeben kann.

Christin Reichelt jedenfalls war ebenso zufrieden wir die Teilnehmer. Wie sie gegenüber pferdefreunde.co berichtete, ist die Angst vor Unfallsituationen bei den Waldesruher Pferdesportlern wesentlich geringer geworden. Dort ist für das nächste Jahr ein erneuter Auffrischungslehrgang geplant. Das darf aus Sicht der Reiter durchaus als vorbildlich bezeichnet werden. Die Nachahmung ist dringend empfohlen. Vom RSZ Waldesru kann man noch etwas lernen.

Fotos: privat