Ergebnisse von der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf: Eine Lady geht ihren Weg

 

Klaus Bockhoffs Stutenderby-Siegerin Georgina Corner und ihr Fahrer Thorsten Tietz sind für das Grand-Prix-Meeting und die Breeders Crown gerüstet. Maik Esper führt drei Pferde auf die Ehrenrunde.

Mariendorf, 6. Oktober 2013.

Ihre Niederlage beim Saisondebüt war nur ein einmaliger Ausrutscher. „Damals haben wir in den Tagen nach den Rennen einen leichten Infekt bei Georgina Corner festgestellt“, sagt Thorsten Tietz. Also alles Schnee von gestern – bei der Mariendorfer Sonntagveranstaltung stellte die Stutenderby-Siegerin, wie schon zuvor in Karlshorst, wieder ihren wahren Charakter unter Beweis. Und falls erneut jemand unter Fieber litt, dann waren es diesmal eindeutig Georgina Corners Gegner. Denn angesichts der Galavorstellung der Vierjährigen stand den Konkurrenten der Schweiß im Gesicht stand.

Die Leistung, die Georgina Corner an den Tag legte, glich einer Demonstration. Vom Startplatz acht aus ließ es Thorsten Tietz zunächst sehr ruhig angehen und auch vor den Tribünen lag Georgina Corner noch an letzter Stelle des Feldes. Doch als der Berliner Champion seinen Vierbeiner-Star Mitte der Gegenseite in die Angriffspur schickte, wurde den Konkurrenten schnell klar, welche Stunde geschlagen hatte. Georgina Corner flog mit einem 09,3-Zwischenspurt wie ein Pfeil an die Spitze. Lediglich Pretty Ripped (Daniel Wagner) konnte der Stute noch einigermaßen folgen, doch obwohl sich der Fritz-Brandt-Sieger redlich mühte, kam er bis zur Ziellinie nur auf fünf Längen an Georgina Corner heran.

Die Stute steigerte ihre Rekordmarke auf der 1.900-Meter-Strecke auf 1:14,4 min. und das war natürlich zugleich die Tagesbestzeit. Für Thorsten Tietz sprang am Nachmittag zwar noch ein weiterer Siegpunkt mit dem von der Spitze aus bravourös auftrumpfenden The Winner heraus – aber der Erfolg von Georgina Corner überstrahlte einfach alles. Die Stute ist nun bestens für die mit 30.000 Euro dotierte Entlastung zum Großen Preis von Deutschland in Hamburg und für die Breeders Crown am 2. und 3. November in Berlin gerüstet. In der Trainieranstalt von Roman Matzky weiß man ganz genau, welches Juwel man besitzt. Die schonende Art und Weise, in der Georgina Corner aufgebaut wurde, zahlt sich aus und sie wird nicht nur den Stutenderby-Sieg als Früchte tragen. Es ist glasklar: Diese Stute hat ihre Zukunft erst vor sich. Sie ist eine Lady – eine Persönlichkeit auf vier Beinen.

Georgina Corners Auftritt war also die Sternstunde der Mariendorfer Veranstaltung, die ansonsten klar von Maik Esper beherrscht wurde. Der Mann in Blau-Weiß erzielte drei Volltreffer. Zephyr Dragon machte im 2.000-Meter-Bänderstartrennen von der Grundmarke aus mit seinen Gegnern kurzen Prozess. Bei seinem Start-Ziel-Erfolg geriet der Wallach zu keinem Zeitpunkt unter Druck und setzte sich sicher gegen den spurtstarken King of Swing mit Altmeister Peter Kwiet im Sulky durch. Mit einer ganz anderen Taktik führte Esper Stall Living Dreams Conley zum Erfolg, denn nachdem sich der Dreijährige unterwegs zweimal vergeblich um die Spitze bemüht hatte, dirigierte ihn Esper an die dritte Position. Auf der Zielgeraden lief Conley dann grußlos an den Konkurrenten vorbei – eine Leistung, die Geschmack auf mehr macht. Auch Rock of Gibraltar legte den Schalter erst auf den letzten dreihundert Metern um und hatte eindeutig die stärksten Reserven in petto.      

Erstaunliche 47:10 gab es für den von Daniel Wagner vorgestellten Poison Spin, der die Pilotin German Gina (Thorsten Tietz) in einem fünfhundert Meter währenden Duell am Ende sicher niederrang. Bei seiner imposanten Vorstellung steigerte sich der für die Farben von Bernhard Schuch und seiner Partner vom Rennstall Dianium laufende Wallach auf beachtliche 16,3/1.900m. Daniel Wagner war dadurch wohl richtig auf den Geschmack gekommen, denn der „Lange“ legte mit Zuccero wenig später beim Kampf um den Herbstpokal des VDT nach. „Der Wallach hatte in den vergangenen Wochen kleinere gesundheitliche Probleme – aber heute hat sich Zuccero wieder deutlich gesteigert“, kommentierte der zweimalige Berliner Champion den knappen Start-Ziel-Erfolg seines Schützlings über den zwanzig Meter schlechter gestellten Victory Love (Luisa Ehrig).

„Ich weiß noch gar nicht, was die Stute wirklich kann und habe bisher in keinem ihrer Rennen die Watte gezogen“, strahlte Werner Schnieder nach seinem Sieg mit der 12:10-Topfavoritin Becky Dragon. Beim dritten gemeinsamen Erfolg positionierte der Amateurfahrer sein Pferd zunächst an sechster Stelle außen und in einem langgezogenen Spurt zog Becky Dragon auf der Schlusshalben souverän an ihren Gegnern vorbei. Die größte Überraschung des Tages lieferte Edina ab, die mit Janine-B. Föllmer zur Quote von 252:10 auf die Ehrenrunde ging. Die Außenseiterin profitierte von der viel zu offensiven Taktik der Favoriten und einer übertrieben hohen Pace. Edina begab sich dagegen erst eine halbe Runde vor dem Ziel auf den Vormarsch – das allerdings mit Macht. Die finishstarke Stute setzte sich in bärenstarken 15,7/2.020m hochüberlegen vom Feld ab. Ebenso speedgewaltig war der Auftritt von Pershing Shadow und Manfred Zwiener. Denn in einem völlig verbummelten Rennen schien das unterwegs an sechster Stelle außen positionierte Gespann eigentlich nicht mehr hinzukommen. Doch Pershing Shadow präsentierte sich einmal mehr von seiner besten Seite und der Dunkelbraune bog den Spieß mit einem mächtigen Schlussakkord tatsächlich noch für seine Besitzerfamilie Kort um.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 87.104,70 Euro – Bahnumsatz: 28.061,50 Euro – Außenumsatz: 59.043,20 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Montag, dem 14. Oktober statt. Beginn ist um 18.30 Uhr!