Ergebnisse von der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf: Drei Kronen für die Roten

 

Roland Hülskath gewinnt drei Breeders-Crown-Hauptläufe für den Rennstall von Marion Jauß. Die von Erik Adielsson und Thorsten Tietz präsentierten Topfavoriten Indigious und Georgina Corner setzen sich großartig in Szene. Heinz Wewering und Shoemaker agieren in herausragender Manier. Joakim Lövgren und Grumetti beweisen Nerven wie Drahtseile. Mit Jean-Pierre Dubois, der mit Stacelita auftrumpft, begrüßt Mariendorf einen der Weltstars des Trabrennsports im Winnercircle.

Mariendorf, 2./3. November 2013.

Wenn es nach dem Berliner Breeders-Crown-Wochenende ein Fazit zu ziehen gibt, dann dieses: Trotz der nasskalten Witterungsverhältnisse und der vom Regen aufgeweichten Piste erlebte das Publikum wirklich großartigen Sport. In den acht mit insgesamt 300.000 Euro (inklusive Züchterprämie) dotierten Hauptläufen wurden nicht nur nationale Stars geboren, sondern einigen Siegern ist es zuzutrauen, dass sie ihren Erfolgsweg zukünftig auch über die deutschen Grenzen hinweg weitergehen.

Einer, der dieses Ziel schon längst erreicht hat, ist der Hengst Indigious. Der Traber des Rennstalls Express gehört nach seinem Ehrenrang beim Großen Preis von Deutschland und dem vierten Platz beim Grand Prix de l’U.E.T. zweifellos zu den besten Vierjährigen in Europa. Dies drückte auch sein Stellenwert am Wettmarkt aus: Lediglich 12:10 betrug die Quote für ihn und seinen Fahrer Erik Adielsson. Das Favoritengespann rechtfertigte dieses Vertrauen mit einem überlegenen Drei-Längen-Erfolg, der lediglich auf der ersten dreiviertel Runde gefährdet war. Denn Indigious musste anfangs mächtig viel tun, um vom Ende des Feldes wegzukommen. Erik Adielsson gelang es erst im Rosenhofbogen, seinen Schützling aus der dritten Spur heraus in die Position als zweites Pferd außen zu führen. Doch was der Hengst dann im Anschluss vollbrachte, war beeindruckend. Indigious löste sich Mitte des Einlaufs in spielerischer Manier vom Piloten Dream Magic BE (Josef Franzl), der das zweite Geld trotz einer bravourösen Leistung unmittelbar vor dem Ziel noch an den spurtstarken Midnight Oil (Robin Bakker) abtreten musste.

„Dieser Sieg war unserem gesamten Team ungemein wichtig und ich gönne ihn Indigious vom ganzen Herzen, denn der Hengst hat in seinen letzten Rennen mehrfach Pech gehabt“, lautete Erik Adielssons erste Reaktion auf das tolle Ergebnis. Der schwedische Topprofi ergänzte: „Das größte Lob gebührt ohne Frage dem Trainer des Pferdes: Stig H. Johansson. Es ist unglaublich, was er aus Indigious gemacht hat, denn der Hengst war vom Kopf her selbst dreijährig noch ein kleines Baby, ganz unsicher und ängstlich. Doch in dieser Saison wurde Indigious mit jedem Tag erwachsener und besser und es nur noch vorwärts mit ihm, und zwar in gewaltigen Schritten. Das alles ist Stig und seiner großen Erfahrung zu verdanken. Der Rennverlauf war schwierig für uns, denn es gab schon hinter dem Startauto einige Turbulenzen. Aber Indigious hat alle Hindernisse grandios gemeistert – er ist ein absolutes Spitzenpferd!“

Ein Prädikat, das gleichfalls für die Siegerin des Hauptlaufs der vierjährigen Stuten gilt. Denn was die auf 11:10 heruntergewettete Georgina Corner mit Thorsten Tietz im Sulky leistete, war mehr als nur exzellent – es war eine Demonstration. Die vom Startplatz eins aus ins Rennen gegangene Vierbeiner-Lady lag bis in die Gegenseite hinein an letzter Stelle des Feldes. Doch dann ließ Thorsten Tietz seine Stute richtig treten. Georgina Corner flog wie ein Pfeil an sämtlichen Gegnern vorbei und stiefelte mit sechs Längen Vorsprung auf und davon. Thorsten Tietz bei der Siegerehrung: „„Die Taktik war mit ihrem Besitzer Klaus Bockhoff abgesprochen. Wir wollten auf den ersten Metern von der innersten Position aus nicht gleich alles riskieren und waren uns sicher, dass Georgina Corner auch so ihr Können ausspielen wird. Die Stute litt in der Saisonvorbereitung immer mal wieder an kleineren Problemen. Zwar nichts Dramatisches, aber wir mussten das Training häufig unterbrechen. Heute hat Georgina Corner ihre große Klasse bewiesen. Die Braune wird nun in den kommenden Monaten ihr Glück in schwedischen und französischen Rennen versuchen.“

Ein Weg, den auch Shoemaker schon bald gehen könnte. Denn sein Sieg mit Heinz Wewering im Hauptlauf der dreijährigen Hengste und Wallache etablierte den für die Besitzergemeinschaft von Johann Holzapfel, Wolfgang Bayer und dem Stall Ferdl laufenden Dunkelbraunen endgültig an der Seite von Tiger Woods As an der Spitze des Derby-Jahrgangs. Es war schon gewaltig, wie der Hengst den führenden Fridericus (Michael Nimczyk) trotz eines kompletten Rennens in der Todesspur mit den letzten Schritten niederrang. Heinz Wewering: „Wir haben uns diesen Verlauf natürlich nicht freiwillig ausgesucht – aber wir mussten frühzeitig reagieren, um Fridericus nicht aus den Augen zu verlieren. Shoemaker hat seine Sache großartig gemacht. Ich habe ihn schon immer für eines der besten Pferde im Jahrgang gehalten und es ist einfach jammerschade, dass er ausgerechnet im Derby-Finale von den Beinen kam. Ich traue dem Hengst zu, dass er zukünftig auch auf internationaler Ebene mitmischen kann.“

Deutsche Traber auf dem Weg in die große, weite Welt: Eine kräftige Brise internationaler Rennsportluft hat natürlich auch einer der am Wochenende vertretenen Fahrer, nämlich Roland Hülskath, längst geschnappt. Und dass der mittlerweile bei 3.057 Siegen stehende 38-Jährige nicht rein zufällig fünfmal Deutscher Meister geworden ist, bewies der Mönchengladbacher nun mit einer einzigartigen Galavorstellung. Mit den allesamt Marion Jauß gehörenden Trabern Fräulein Wunder, What a Feeling und Indover kehrte der Spitzenprofi nach den Hauptläufen der dreijährigen und der älteren Stuten sowie im Anschluss an den Hauptlauf der zweijährigen Hengste als Sieger in den Winnercircle zurück. Die roten Farben von Marion Jauß und das Gold von Hülskaths Sturzhelm leuchteten also dreimal auf – eine Erfolgsbilanz ohnegleichen. Während Indover sein Rennen von der Spitze aus gewann, trumpften What a Feeling und Fräulein Wunder mit mörderischem Speed auf. Roland Hüskath: „Das Wochenende konnte gar nicht besser verlaufen. Mit What a Feeling hatte ich mir schon vor dem Start sehr gute Chancen ausgerechnet, denn die Stute kann weit mehr, als es der Formenspiegel ausgesagt hat. Bei Fräulein Wunder hing einfach alles von den ersten Metern des Rennens ab. Die Braune ist hinter dem Auto meist ein wenig übereifrig – doch wenn sie die Anfangsphase fehlerfrei übersteht, ist sie eine Macht. Und Indover wirkte schon beim Heat sehr stark und gehfreudig und daher beschloss ich, ihn sofort an die Spitze zu steuern. Unterwegs hätte sich der Dunkelbraune sogar noch weiter von den Verfolgern lösen können – aber ich wollte ihm alle Reserven für den Endkampf aufsparen.“

Doch nicht nur die roten Farben von Marion Jauß setzten kräftige Akzente – auch der Moment, als einer der Weltstars des Trabrennsports, nämlich Jean-Pierre Dubois, in seinem legendären blauen Dress den Winnercircle betrat, war eines dieser Ereignisse, die noch lange über das Breeders-Crown-Wochenende hinaus wirken werden und den Veranstalter riesig stolz gemacht haben. Ja, er war es tatsächlich. Jean-Pierre Dubois : Le bleu, le chef – der Mann, der nicht nur 1979 mit High Echelon und 1982 mit Hymour das wichtigste Rennen der Welt gewann, sondern der eine ganze Familiendynastie von Amérique-Siegern begründet hat. Der 1940 geborene Franzose ist ein Genie an der Fahrleine und das Finish, das er im Hauptlauf der zweijährigen Stuten mit der selber gezüchteten Stacelita hinlegte, sorgte bei allen Zuschauern für eine Gänsehaut. Denn sein Schützling schien den Sieg nach ständiger Führung unmittelbar vor dem Ziel an die vehement attackierende Star Potential abgeben zu müssen – doch dann musste deren Fahrer Robin Bakker neidlos anerkennen, dass sich ein Jean-Pierre Dubois nicht so einfach schlagen lässt. Dem Franzosen gelang es – beinahe einem Zauberer gleich – seine Stute noch einmal entscheidend zu motivieren. Es gibt keinen Zweifel: Dass der 1940 geborene Meisterfahrer nach dem Wegfall der Altersgrenze freudiger denn je in den Sulky steigt, ist einer der größten Glücksfälle der europäischen Trabrenngeschichte.            

Welche Faszination der Kampf um die Breeders Crown besitzt, wurde durch einen weiteren großen Sieger des Wochenendes unterstrichen: durch Joakim Lövgren, der Grumetti für die Farben von Günter und Christian Herz im Hauptlauf der älteren Hengste und Wallache zu einem dramatischen Kampferfolg über Going As (Josef Franzl) dirigierte. In einem Wimpernschlag-Finish, das einem Thriller glich, bezwang der Wallach des Gestüts Lasbeks den Tempomacher erst mit dem wirklich allerletzten Schritt. Joakim Lövgren bewies bei diesem Traber-Thriller nicht nur Nerven wie Drahtseile, sondern der Elitloppet-Triumphator lieferte das anschließende Siegerinterwiew in nahezu perfektem Deutsch ab: „Grumetti war als junges Pferd sehr schwierig und streute immer wieder Galoppaden ein. Obwohl er mittlerweile fünf Jahre alt ist, neigt er immer noch zu großer Empfindlichkeit und Ängstlichkeit, besonders aufspritzender Schmutz macht ihm im Rennen sehr zu schaffen. Beim Heatfahren hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl – denn Grumetti schien sich überhaupt nicht mit dem Rechtskurs anfreunden zu wollen. Aber als es ernst wurde, hat der Varenne-Sohn dann agiert wie ein echter Profi!“

Professionell – das war nicht nur für die acht Hauptläufe, sondern auch für sämtliche Breeders-Crown-Entlastungen und die weiteren Rennen des Wochenendes das Stichwort, denn alle Prüfungen fanden auf höchstem Niveau statt. Kein Wunder: Schließlich wurden hier noch einmal rund 100.000 Euro Prämie an die Sieger und Platzierten verteilt. Thorsten Tietz lief neben seinem Sieg mit Georgina Corner auch im Rahmen zu großer Form auf. Der Berliner Champion, dessen Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Partner Roman Matzky nun endgültig beendet ist und der ab sofort in Kooperation mit dem in Schünow bei Zossen ansässigen Dirk Grusdas ein neues Kapitel beginnt, ging mit Fionara, Calypso H und Harry’s Bar auf die Ehrenrunde. Michael Nimczyk drehte mit seinen Pferden ebenso oft ein. Der avisierte Goldhelmträger punktete mit Andersson Mo und VanHalen für den Rennstall von Ulrich Mommert und fügte durch Lady Maud einen Treffer für die Farben von Jean Huls hinzu. Blendend aufgelegt war auch Victor Gentz, der Honeybee und Honoree zu souveränen Siegen steuerte. Josef Franzl landete mit seinen Startern durchweg auf vorderen Rängen und führte Faust Hanover zu einem imponierenden Erfolg. Nicht minder beeindruckend war der Auftritt von Rob de Vlieger und Oncoming Diamant. Der von Max und Andreas Schwarz gezüchtete und in ihren Farben laufende Wallach bleibt auf deutschen Bahnen weiterhin ungeschlagen. Die von Gerd Biendl päsentierte Cosmic Love spielte ihren rasanten Antritt mit einem Start-Ziel-Sieg aus. Eine echte Überraschung gab es durch den von Kornelius Kluth vorgestellten Helios, dessen 380:10-Quote sogar noch durch den Verblüffungscoup von Heinz Wewering mit dem 433:10-Rießenaußenseiter Guliano Bo getoppt wurde. Und natürlich war auch eine prominente österreichische Trainer- und Fahrerdynastie in Berlin präsent: Gerhard Mayr führte Abasi vor allen Gegnern über die Linie und seine Tochter Cornelia, die am zweiten Breeders-Crown-Tag sogar als einzige Frau an den Start gegangen war, beherrschte das Geschehen mit Sahir.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz 2 November: 206.059,87 Euro – Bahnumsatz: 46.590,80 Euro – Außenumsatz: 159.469,07 Euro

Gesamumsatz 3. November: 282.548,98 Euro – Bahnumsatz: 68.220,80 Euro – Außenumsatz: 214.328,18 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 17. November ab 13.30 Uhr statt.